Natur
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Malediven Unterwasserparadies

Gefährdetes Touristenparadies Malediven: Vor den Atollen soll nach Erdöl gesucht werden. Bild: PD

Ölförderung vor den Malediven

Ferienparadies vieler Schweizer in Gefahr – Umweltschützer laufen Sturm



daniel huber

Noch sind die Korallenriffe der Malediven eine meeresbiologische Schatztruhe. Letztes Jahr besuchten mehr als 1,2 Millionen Touristen die Inselgruppe. Doch das Ferienparadies ist in Gefahr.

Bereits 2014 wurden erste Voruntersuchungen zum Ölvorkommen vor dem Inselstaat durchgeführt. Mit extrem lauten Schallkanonen will die nationale Ölfirma Maldives National Oil Company (MNOC) nun umfassende seismische Explorationen veranlassen. Auch Probebohrungen sind geplant. Betroffen wären einige der letzten mehrheitlich intakten Unterwasserwelten. 

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Schallwellen aus Druckluftkanonen sollen Lagerstätten von fossilen Energieträgern ausfindig machen.  Bild: Ocean Care

«Das Gleichgewicht dieses Unterwasserparadieses im Indischen Ozean hängt an einem seidenen Faden. Die Riffe sind bereits durch Übernutzung und Klimawandel stark unter Druck. Nun stellt der Lärm der Erdölsuche eine weitere Gefahr für die Delphine, Schildkröten, Fische und anderen Meerestiere rund um die Malediven dar. Wir wollen dafür sorgen, dass die Unterwasserwelt der Malediven vom Lärm der Druckluftkanonen verschont bleibt», sagt Sigrid Lüber, Präsidentin von Oceancare. 

«Es ist zynisch, dass eine Region, die so stark durch die globale Erwärmung bedroht ist, selbst fossile Brennstoffe erschliessen möchte.»

Sigrid Lüber, OceanCare

Ausverkauf des eigenen Unterwasserparadieses

Der maledivische Präsident Abdulla Yameen hat die Suche nach Erdöl unter dem Meeresgrund vor den Malediven 2014 zum Wahlversprechen gemacht. Ein Grossteil des Erdöls soll den Bedarf der Malediven selber decken. Die Regierung plant, die Malediven als Ölförderland zu bewerben, will die Ölsuche an sich aber geheim halten. Tatsache ist, dass das deutsche Forschungsschiff «Sonne» im August 2014 bereits seismische 3D-Voruntersuchungen gemacht hat – 100 Seemeilen östlich der Region von Laamu und des Thaa-Atolls. Gemäss dem Fischereiminister Mohamed Shainee habe man dabei Gestein aus Kohlenwasserstoffen gefunden. 

«Es ist zynisch, dass eine Region, die so stark durch die globale Erwärmung bedroht ist, selbst fossile Brennstoffe erschliessen möchte», kritisiert Lüber. 

Protest «Notruf aus den Malediven»

Die Meeresschutzorganisation Oceancare lancierte am Donnerstag die internationale Protestkampagne «Notruf aus den Malediven». Damit informiert die Organisation als Initiantin der internationalen Koalition Silent Oceans über die drohende Gefahr und animiert zum E-Mail-Protest an die Adresse des Tourismusministers der Malediven. Die Suche nach Öl in der Region müsse umgehend eingestellt werden. «Lokale Umweltverbände sind tief besorgt. Einer davon, Ecocare Maldives, hat Oceancare konkret um Hilfe gebeten. Wir hoffen nun auf die Unterstützung einer breiten Öffentlichkeit sowie der Tourismusindustrie, um unserem Protest Gewicht zu verleihen», sagt Lüber. 

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Video zur Protestkampagne von Oceancare. Vimeo/OceanCare

Ausserdem wird Oceancare, gemeinsam mit den Partnern der Silent-Oceans-Koalition, in einem detaillierten «Statement of Concern» die maledivische Regierung öffentlich mit den negativen Aspekten der Ölförderungspläne konfrontieren und ihre ernsthafte Besorgnis zum Ausdruck bringen. 

Druck der Öffentlichkeit wirkt

Was das Engagement der Öffentlichkeit erreichen kann, hat sich auf den Balearen gezeigt: In den Gewässern dieser Inselgruppen konnte Oceancare, zusammen mit ihren Koalitionspartnern und dank dem Protest der Lokalbevölkerung, den Einsatz der gefährlichen Schallkanonen vorläufig verhindern. Auch auf den Kanarischen Inseln erwirkte die lokale Bevölkerung den Rückzug des Ölkonzerns Repsol. 

«Die Tatsache, dass Ölfirmen auf die Erschliessung eines weiteren fragilen Lebensraums und beliebten Reiseziels drängen, dürfte wiederum für Empörung sorgen», so Lüber.

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«Weshalb Unterwasserlärm tödlich ist.» Vimeo/OceanCare

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