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Martin Sonneborn, Satiriker und Vositzender der politischen Vereinigung

Bild: AP

Ex-«Titanic»-Chef Martin Sonneborn im Interview

«Wir haben uns gefragt, wer das verhassteste Volk in Europa ist und uns ist sofort die Schweiz eingefallen»

Er war einst Chef des Satiremagazins «Titanic», heute erregt der Deutsche sein Publikum in der «heute-show» im ZDF oder live auf der Bühne – wie bald in Zürich. watson sprach mit Martin Sonneborn über Hitler, Putin, die EU und die Schweiz.



Martin Sonneborn war bis 2005 Chefredaktor bei Titanic, doch der 48-Jährige engagiert sich seit 2004 auch als Politiker: Seine von ihm gegründete PARTEI hat heute schon weit über 8000 Mitglieder in Ost und West. Seit 2006 leitet er das Satireressorts bei Spiegel Online, während TV-Zuschauer ihn als Aussenreporter der «Heute-show» kennen. Der Grimme-Preisträger tritt am 9. April 2014 um 20 Uhr im Zürcher Kaufleuten auf. Grund genug, mit dem Mann ein ernstes Wort zu wechseln.

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Herr Sonneborn, Sie haben im Februar in der «Zeit» gesagt, sie wollten die Schweiz einmauern. Warum nur? 
Ich bedanke mich für diese Frage, ich hätte es sonst selbst noch angesprochen. Ich sitze ab 1. Juli im EU-Parlament in Brüssel, sofern die EU-Wahlen so ablaufen, wie wir uns das vorstellen. Und das Bundesverfassungsgericht hat ja ein Urteil gesprochen, dass das das EU-Parlament als eine Art bedeutungsloses Spass-Parlament darstellt. Als Spass-Partei gehören wir da rein. Wir sorgen für Schuhcreme unter den Klinken, Reisszwecken auf den Sesseln der Fraktionsvorsitzenden und natürlich für eine Mauer um die Schweiz.

Sie meinen, weil die Drei-Prozent-Hürde für den Einzug ins EU-Parlament gefallen ist? 
Eben. Drei Prozent hätten wir nie geschafft, aber jetzt brauchen wir nur noch 0,6 Prozent und da sind natürlich den kleinen, obskuren Parteien, die ihre Wählerschaft mobilisieren können, Tür und Tor geöffnet.

Welche Erfahrungen konnten Sie denn persönlich in Brüssel machen?
Ich bin für die heute-show mal in Brüssel gewesen und hatte mir ein Hitlerbärtchen stehen lassen. Ich hatte mich drei Wochen nicht rasiert und dann die entsprechende Stelle ausgespart. Und schon auf dem Weg dorthin in deutschen S- und Bundesbahnen ist mir mit viel mehr Respekt begegnet worden. Das hat sich im EU-Parlament fortgesetzt. Ich glaube, dass wir dort noch gern gefürchtet werden: Ich erwarte also das Angenehmste.

Aus der «heute-show» des ZDF: Sonneborn mit Bart in Brüssel. Video: YouTube/magdeb93

Verstehen Sie Schweizer, die die EU nicht so mögen? 
Ich verstehe jeden, der keine Lust auf EU hat. Es gibt genug Irre, die für die EU sind, es gibt genug Irre, die gegen die EU sind. Wir stehen für die 70 Prozent der Bundesbürger, denen das Thema komplett am Arsch vorbeigeht. Deswegen heisst unser Slogan auch: «JA zu Europa, NEIN zu Europa! Die PARTEI». Wir respektieren jede Meinung, weil wir einfach gerne gewählt werden wollen.

Und die Mauer einfach nur weil die Schweiz nicht mit der EU spielen will?!? 
Nach den Volksentscheidungen verkaufen wir die Stimmung in der Schweiz als ausländerfeindlich. Das bringt uns Sympathien in Europa. Wir haben uns gefragt, wer das verhassteste Volk in Europa ist und uns ist sofort die Schweiz eingefallen. Insofern ist es eine rein populistische Massnahme. Mauern zu bauen ist bei uns beliebt und die Ereignisse im Osten Europas zeigen auch, dass Mauern heute wichtiger sind denn je.

Sie fordern ja auch den Wiederaufbau der deutschen Mauer. Da fragt man sich, was die DDR und die Schweiz noch miteinander gemein haben. 
Ich glaube, nicht viel: Die DDR ist ein relativ entvölkertes, komplett verarmtes Gebiet, das technisch auf dem neuesten Stand ist. Die Schweiz ist das genaue Gegenteil.

FRA12 - 20000707 - FRANKFURT/MAIN, HESSE, GERMANY: Eeditor in chief of the Frankfurt-based satirical magazine Titanic, Martin Sonneborn, stands in front of the covers of the magazine in his office in Frankfurt on Friday 07 July 2000. Sonneborn admitted to have sent a fax that purported to be from a German bid chief offering gifts to FIFA executive committee members in return for votes, to member of the FIFA Executive Committee, US Chuck Blazer 05 July 2000. Football's world governing body FIFA on Friday 07 July 2000 appeared to close their investigations into allocation of the 2006 World Cup to Germany just hours after it began when Titanic had admitted authorship of the fax.  EPA PHOTO DPA/ARNE DEDERT

Sonneborn im Jahr 2000 als Chefredaktor von «Titanic». Bild: DPA

Ihr Titanic-Nachfolger Leo Fischer ist ja bei uns Kolumnist. Stimmt also der Satz: Deutsche kommen her und nehmen uns die Arbeitsplätze weg?
 Wir haben da bereits die präzise Entgegnung gefunden: Die Schweizer nehmen den Deutschen in der Schweiz viel mehr Arbeitsplätze weg. Es gab ja mal den Vorwurf, es gebe an Universitäten und Krankenhäusern deutschen Klüngel: Wir haben festgestellt, dass es einen viel grösseren Schweizer Klüngel gibt. Gegen den werden wir natürlich vorgehen. Und gegen Züridütsch.

Da muss man nachhaken: Wie viel Putin steckt eigentlich in Ihnen? 
Es stimmt: Wir haben eine ähnliche Frisur. Aber für die Putin-Vergleiche ist derzeit Wolfgang Schäuble zuständig. Also Putin und Hitler, nicht ... Ich wurde auch schon als Satire-Hitler bezeichnet, aber das ist eine andere Geschichte. Wir haben bei Titanic aber gerade gezeigt, dass der Putin-Hitler-Vergleich Quatsch ist. Hitler hat diesen charakteristischen Bart, Putin hat ihn nicht.

Wird die EU denn unter Ihnen die Krim für die Ukraine zurückerobern? 
Nein, überhaupt nicht. Die Ukraine ist schon lange russisches Territorium. Es gibt Aussagen von Helmut Kohl, dem wir uns durch fast 40 Titanic-Titelbilder sehr verbunden fühlen, dass die NATO sich nach einer Wiedervereinigung nicht weiter als zur Oder ausdehnen wird. Das wird heute alles gar nicht mehr berücksichtigt. Ich glaube, wir müssen der Expansion von Europa mit Mauern Grenzen setzen.

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Helmut Kohl in der Titanic. Bild via Journal Frankfurt

Aber fänden Sie es denn fair, wenn die Deutschen in Züri noch ein paar Landsleute dazu holen und dort abstimmen lassen würden, ob die Stadt zu Deutschland gehört? 
Ich bedanke mich für diese Anregung, wir werden das auf jeden Fall aufnehmen.

Sie kommen am 9. April nach Zürich. Auf welche Art von Überfremdung müssen sich die Zuschauer einstellen?
Es wird Hochdeutsch gesprochen, insofern ist die Veranstaltung schon nicht für jeden zugänglich. Aber ansonsten wird es ein ganz normaler Propaganda- und Demütigungsabend. Propaganda für die PARTEI und Demütigung für die Schweizer.

Sonneborns grösster Coup als Chefredaktor von «Titanic» war wohl die «Bestechung» von FIFA-Delegierten vor der WM-Vergabe nach Deutschland. «Bild» druckte daraufhin die Telefonnummer der Redaktion ab und forderte seine Leser auf, sich bei dem Satire-Magazin zu beschweren. Sonneborn und sein Team nahmen die Anrufe auf: Hass kann auch humorvoll sein. Video: YouTube/DerUltraKonsPIRATive

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    Alle Leser-Kommentare
  • Hell Veticus 08.04.2014 00:28
    Highlight Highlight Flacher Witz des Herrn Provokateurs ! Wie immer.
    ( ja ja ich weiss...Satire )
  • papparazzi 05.04.2014 12:57
    Highlight Highlight Also ich denke da eher an die Cowboyaner und Liegestuhlbesetzer. ut (dp)
  • Zeit_Genosse 05.04.2014 09:51
    Highlight Highlight Eine wohlwollende Nichtbeachtung hätte der Redaktion gut getan. So wichtig und lustig ist der jetzt nicht, dass es nicht auch möglich gewesen wäre auf die Promotion hier zu verzichten. Aber böse Deutsche verkaufen sich eben gut. Egal welche.
  • wir-2 04.04.2014 22:31
    Highlight Highlight SATIRE!
  • Fabuz 04.04.2014 22:26
    Highlight Highlight Der Typ ist nicht ganz dicht...
    • Älü Täme 05.04.2014 03:58
      Highlight Highlight ...und hoffentlich bleibt er so! war das nicht auch der, der den erich hess so vorgeführt hat? ;)
  • Architects_ms 04.04.2014 21:13
    Highlight Highlight Ein Deutscher sagt die Schweiz sei das schlimmste Land?
    Der soll lieber mal Europa fragen was es von Deutschland hält!
    • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 04.04.2014 22:41
      Highlight Highlight Satire, schon gehoert? :-)
    • Gianni Thommen 04.04.2014 22:52
      Highlight Highlight Das ist Satire, Freundchen.
    • Weidmann 04.04.2014 23:08
      Highlight Highlight So ist es
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