Schwach, schutzlos, unsichtbar: das stille Leben der Streunerkatzen
Man sieht sie kaum, weil sie ausserordentlich scheu sind. Tagsüber bleiben sie im Hintergrund, nachts sind sie auf der Suche nach Futter unterwegs. Streunerkatzen führen ein leises Dasein, ohne Zuhause, ohne Namen, ohne jemanden, der sich um sie kümmert.
Überleben statt Leben
Schätzungsweise 220’000 solcher Streunerkatzen gibt es hierzulande. Sie halten sich oft in Kolonien an geschützten Plätzen wie Schuppen, Industriegeländen, in und um Bauernhöfe oder Gärten auf. Viele von ihnen sind Nachkommen ausgesetzter oder abgewanderter Hauskatzen, andere wurden bereits in Freiheit geboren. Gemeinsam haben sie eines: Ihr Alltag ist geprägt von Hunger, Stress und Unsicherheit. Parasiten und Infektionen bleiben unbehandelt. Kämpfe um Reviere oder Nahrung führen zu schweren Verletzungen, Krankheiten verbreiten sich schnell: Besonders hart trifft es Jungtiere: Viele sind von Beginn weg geschwächt und überleben die ersten Monate nicht – vor allem im Winter.
Wie sich Leid vervielfacht
Die eigentliche Tragweite zeigt sich in der Geschwindigkeit, mit der sich dieses Problem ausweitet. Katzen sind extrem fruchtbar. Ein einziges nicht kastriertes Katzenpaar kann, konservativ gerechnet, zweimal pro Jahr Nachwuchs bekommen. Überleben pro Wurf nur drei Jungtiere, können daraus in sieben Jahren über 420’000 Katzen entstehen. Jede dieser Katzen lebt unter denselben schwierigen Bedingungen, bringt wiederum Nachwuchs zur Welt und vergrössert das Elend exponentiell.
Einfache Lösung mit grosser Wirkung
Dabei ist die Lösung längst bekannt und weltweit erprobt. Kastration gilt als die tierfreundlichste und nachhaltigste Methode, um unkontrollierte Vermehrung zu stoppen. Sie verhindert Nachwuchs, reduziert Stress und Aggressionen und verbessert die Gesundheit der Tiere deutlich. Kastrierte Katzen bleiben in ihrem Revier und verhindern so, dass neue unkastrierte Tiere nachrücken. Ganze Katzenkolonien können sich auf diese Weise langfristig stabilisieren – ohne Töten, ohne Verdrängen, ohne neues Leid.
So hilft der Schweizer Tierschutz
Der Schweizer Tierschutz STS setzt genau hier an. Gemeinsam mit 70 Sektionen in der ganzen Schweiz engagiert er sich dafür, das wachsende Katzenelend wirksam und nachhaltig zu reduzieren. Streunerkatzen werden schonend eingefangen, tierärztlich kastriert und medizinisch versorgt. Ein kleiner Ohrschnitt markiert sie dauerhaft als kastriert, damit sie jederzeit erkannt werden können. Sind die Tiere gesund und nicht an Menschen gewöhnt, werden sie – sofern verantwortbar und mit Einverständnis der Anwohnerschaft – an ihrem vertrauten Ort wieder freigelassen.
Betreuung ohne Ablaufdatum
Damit endet der Einsatz nicht. Die betreuten Katzenkolonien werden überwacht, damit neu auftauchende Tiere rasch kastriert werden können und sich das Leid nicht erneut ausbreitet. Jungtiere und kranke Katzen werden in den Tierheimen der Sektionen gepflegt und, wenn möglich, weitervermittelt. Ziel ist immer das Wohl der Tiere – und eine nachhaltige Lösung statt kurzfristiger Eingriffe
Auch du kannst helfen
Aktuell ermöglicht der Schweizer Tierschutz STS jedes Jahr rund 11’000 Kastrationen. Das ist ein wichtiger Schritt, reicht aber noch nicht. Spenden ermöglichen weitere Kastrationen, medizinische Versorgung und langfristige Betreuung. Wer Katzenkolonien meldet und die eigene Katze kastrieren, chippen und registrieren lässt, hilft mit, das Leben vieler Tiere nachhaltig zu verbessern. Beteilige dich hier.
