Reisen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Ein Biss, und du bist tot: Zu Besuch auf der Drachen-Insel

Blick über den Komodo-Nationalpark in Indonesien. Bild: Shutterstock

Komododrachen: Sie sind schnell, gross, ungemein giftig und sie fressen ihre eigenen Kinder. Wir waren zu Besuch bei der grössten Echse der Welt.

Corsin Manser, Indonesien



Ein Biss und du bist tot. 

Die Warnung ist klar, als wir die Insel betreten, auf der die sagenumwobenen Komododrachen leben. «Ein Freund von mir ist bereits gestorben, einem anderen konnten sie gerade noch rechtzeitig das Bein amputieren», erzählt uns der Guide, der uns auf dem Eiland von Rinca in Empfang nimmt. 

Die Insel Rinca gehört zu Indonesien und befindet sich zwischen der Sawusse und der Floressee. Wohnen tun hier nur wenige. Das Gebiet ist ein Nationalpark. Zusammen mit der Nachbarinsel Komodo ist Rinca der einzige Ort auf der Welt, auf dem die Komododrachen leben. 

Rund 3000 Exemplare des Drachens, der auch Komodowaran genannt wird, soll es hier noch geben. Doch die exakte Zahl weiss niemand so genau, womöglich auch, weil die Erforschung der Tiere schlicht zu gefährlich ist. 

Bild

Fataler Biss: Der Komododrachen in Aktion. bild: shutterstock

Tödliches Gift

Im Unterkiefer des Komododrachens befindet sich ein Gift, das bei der Beute eine Blutgerinnung und einen Schock verursacht. Einmal gebissen, ist das Schicksal der Beute besiegelt, es wird sterben. Und manchmal dauert dies mehrere Tage, in denen dann der hungrige Komododrachen dem Opfer hinterherschleicht und auf dessen Tod wartet.

Der Komododrachen wiegt bis zu 70 Kilogramm und ist über zwei Meter lang. Die grösste lebende Echse der Welt. Auch wenn der Drachen ungemein hüftsteif wirkt, ist er pfeilschnell. Bis zu 20 Kilometer pro Stunde kann das Tier erreichen.  

Trotzdem müssen wir zum Fototermin antraben. Und das nur rund fünf Meter hinter einem Mords-Exemplar von einem Drachen. Falls etwas passieren sollte, wäre da eigentlich unser Guide, der uns beschützen sollte. Doch daran glaube ich nicht wirklich. Denn ausgerüstet ist der junge Mann, der von der Nachbarinsel Flores stammt, lediglich mit einer Astgabel.

Bild

Ein Mann mit Astgabel und ein Mann mit Angst einem mulmigen Gefühl: Unser Autor (mit Sonnenbrille) unterwegs mit seinem Beschützer auf der «Dracheninsel». Bild: Corsin Manser/watson

Flores

Flores befindet sich etwas östlich von Lombok und Bali. Bis anhin wurde die Insel, auf der rund 1,5 Millionen Menschen leben, vom Massentourismus mehrheitlich verschont. Doch das wird sich wohl demnächst ändern.

Das verschlafene Fischerdörfchen Labuan Bajo im Westen der Insel, von dem aus die meisten Touren nach Rinca und Komodo starten, erwacht langsam zum Leben. Immer mehr hippe Restaurants und Hostels säumen die staubige Hauptstrasse im 20'000-Seelen-Ort. Die Chia-Samen- und Smoothie-Bowl-Welle aus Bali schwappt langsam, aber sicher über. (cma)

«Manchmal muss ich mit den Drachen kämpfen», erzählt er mir schelmisch grinsend. «Aber die Tiere sind stark, vielleicht musst du mir dann helfen.» Na, Danke!

Eltern fressen ihre eigenen Kinder

Den Fototermin überleben wir dann trotz Nervenkitzel relativ locker. Als wir uns auf den Weg zum rund einstündigen Dschungel-Trek machen, frage ich, was es denn sonst noch für Tiere gäbe auf dieser Insel. Mehr Jurassic Park könnte die Antwort nicht sein: «Speikobras, Alligatoren und Wasserbüffel.»

Meine Knie wanken wie Donald Trump im Wahlkampf, als wir uns ins Abenteuerland aufmachen. Nach wenigen Schritten begegnen wir bereits wieder einem Drachen. Beziehungsweise einer Drächin. Sie bewacht gerade das Nest, in dem sich die Eier ihres Nachwuchs befinden. 

«Was für eine fürsorgliche Mutter!», könnte man fast denken. Doch weit gefehlt. Denn kurz nachdem die Jungen geschlüpft sind, verzieht sich die ausgewachsene Drächin. Nur um drei Monate später wieder zurückzukehren und Schreckliches zu vollbringen: Sie will ihre Kinder verzehren. Komododrachen sind Kanibalen. Auch das noch!

Um dies zu verhindern, klettert der Nachwuchs gleich nach der Geburt auf die Bäume und ernährt sich vorerst von Insekten und dergleichen. Zum Trinken müssen die jungen Komododrachen jeweils aber wieder runter, wobei es zum schlimmsten Kinder-Eltern-Rencontre seit «Die Super Nanny» kommen kann.

Trotz dieser seltsamen Selbstzerstörung der eigenen Spezies gibt es den Komododrachen auf Rinca und Komodo seit etwa 900'000 Jahren. Zuvor entwickelte er sich auf Australien.

Weisser Kot

«Essen die eigentlich alles?», will ich wissen. «Ja, manchmal auch die Babys von den Inselbewohnern», antwortet der Guide halb im Spass. Und tatsächlich, etwas Recherche ergibt: 2007 und 2009 wurden ein Kind und ein Fischer zu Tode gebissen, danach gingen in Indonesien Gerüchte herum, die Tiere seien plötzlich aggressiv geworden. 

Ein wenig später begegnen wir auf dem Pfad einem Kot-Hügel, der so gross ist wie eine durchschnittliche Schwarzwäldertorte. Zuerst erkenne ich ihn gar nicht als solchen, denn er ist weiss. Natürlich stammt er von einem Drachen. Weiss sei er darum, weil die Drachen ihre Beute ganz aufessen würden, erklärt mir der Guide. Das Knochenmehl verleiht dem Exkrement die aussergewöhnliche Farbe.

Bild

Etwas verwirrend: Eigentlich essen die Drachen doch alles rübis und stübis auf? Beunruhigend sind die aufgehängten Tierschädel entlang des Pfades dennoch. bild: watson

Das ärmste Huhn der Welt

Nein, so möchte ich lieber nicht enden. Deswegen beschleunige ich meine Schritte nochmals, doch die Hitze drückt unerbittlich. Lange könnte ich in diesem Brutkasten, nur wenig südlich des Äquators, sowieso nicht rennen, wenn mich denn so ein Drachen angreifen würde. 

Ich beginne mir schon zu sagen: «Du musst nicht schneller sein als der Drache, sondern nur schneller als der Letzte der Reisegruppe.» Da höre ich auf einmal ein Rascheln im Gebüsch. Voller Schreck blicke ich ins Dickicht und erwarte einen dreiköpfigen Tyrannosaurus rex oder so ähnlich.

Doch siehe da: Es ist nur ein Dschungelhuhn. Wahrscheinlich das ärmste Huhn der Welt. 

Ich habe es tatsächlich überlebt ... und wurde dafür belohnt, aber seht selbst:

Nachtschicht bei watson

Während ihr schläft, kümmert sich Corsin Manser jeweils darum, dass watson auf dem Laufenden bleibt und für den Morgen frisch herausgeputzt daher kommt. Da er keine Lust hat, in der Nacht zu arbeiten, reist der Autor momentan durch Asien und angelt sich von Wifi-Spot zu Wifi-Spot. Zwischendurch bleibt aber auch einmal Zeit für einen Ausflug. Wie zum Beispiel zu den Komododrachen. (cma)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

26
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • URSS 24.10.2016 07:29
    Highlight Highlight Lustiger Bericht. Aber wenn er schon über die Warane einen Bericht schreibt, wäre es schön gewesen wenigstens einen Drachen abzulichten...statt Bierflachen bei Sonnenuntergang oder Inseln .
  • SVARTGARD 23.10.2016 14:05
    Highlight Highlight Nicht mit mir du olle Echse,ick geb dir eene auf die Näse.😁
    • MeineMeinung 23.10.2016 14:13
      Highlight Highlight Viel Glück beim Versuch
    • Murky 23.10.2016 17:54
      Highlight Highlight Musst nur den machen mit dem Ast quer im Maul dass er es nicht mehr zumachen kann, der funktioniert immer!
  • John Smith (2) 23.10.2016 13:55
    Highlight Highlight Also erstens heisst dieses Tier auf deutsch ganz allgemein Komodowaran. Auch wenn «Drache» natürlich mehr Klicks generiert, bleibt es dennoch schlicht eine Falschübersetzung aus dem Englischen. Und zweitens greifen Komodowarane Menschen eigentlich nicht an bzw. nur dann, wenn sie in die Enge getrieben werden.
    Aber vermutlich war das zu wenig dramatisch für einen Artikel.
    • livloan 23.10.2016 15:33
      Highlight Highlight niemand mag klugscheisser
    • corsin.manser 23.10.2016 16:02
      Highlight Highlight Die Indonesier auf Flores sprechen alle von den "Dragons". Ich glaube, man darf getrost Komododrachen oder Komodowaran sagen (was ich im Text ja auch geschrieben habe).
    • John Smith (2) 23.10.2016 16:32
      Highlight Highlight Natürlich sprechen die Indonesier von «Dragons»: Auf englisch heisst das Tier ja auch ganz offiziell «komodo dragon». Trotzdem heisst es auf deutsch Komodowaran.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Tobias Wettler 23.10.2016 13:49
    Highlight Highlight Falls jemand die Tiere sehen möchte ohne nach Indonesien zu reisen: Im Zoo von Servion (nahe Lausanne) hat es ein Paar der wirklich beeindruckenden Echsen!
    • jjjj 23.10.2016 22:10
      Highlight Highlight @Wizard: so ein Quatsch... seufz
    • Randy Orton 24.10.2016 09:54
      Highlight Highlight jjjj, wieso ist das Quatsch? Inwiefern hilft es diesen Tieren, wenn man sie einsperrt und begafft oder wenn Menschen tausende Kilometer weit reisen um sie zu sehen? Wizards Aussage stimmt schon.
    • jjjj 24.10.2016 10:48
      Highlight Highlight Zoos schaffen meiner Meinung nach Awareness für bedrohte Tiere und helfen unter anderem gerade Kindern zu erkennen wie wichtig die Artenvielfalt ist. Ein gut geführter Zoo, wie das z.B. der Zoo Zürich und der Zolli ist, haben so also auch einen "natur-erzieherischen" Wert. Ganz zu schweigen von ihrem Beitrag zum Schutz verschiedener Biosphären (siehe z.B. Masoala-Halle und die Zusammenarbeit mit Madagaskar).
    Weitere Antworten anzeigen
  • tipsi 23.10.2016 13:22
    Highlight Highlight Da hattest du ja Glück, dass es bei dir so spannend war (und wir dank diesem Bericht auch!) Als ich im Juli dort war, war anscheinend Paarungszeit und die einzigen Komodos, die ich zu sehen bekam, waren vollgefüttert und bewegten sich kein Stück.
    Benutzer Bild
    • w'ever 23.10.2016 17:15
      Highlight Highlight die mehrzahl der tiere heisst kommoden, imfall;)
  • deepsprings 23.10.2016 12:59
    Highlight Highlight «Du musst nicht schneller sein als der Drache, sondern nur schneller als der Letzte der Reisegruppe.»

    Eine gute Taktik... 😂
  • lilie 23.10.2016 12:42
    Highlight Highlight Danke, @Corin, für den spannenden Bericht aus "Jurassic Park"! 😁

    Du hast ja einen höchst spannendes Arbeitsmodell. Ist das jetzt das Gegenteil vom Homeoffice? Das Out-in-the-Jungle-Office. Das Out-in-the-jungle-and-please-don't-eat-me-Office. 😅

    Echt cool! 😎
    • corsin.manser 23.10.2016 16:03
      Highlight Highlight Wie auch immer du es nennen willst, es ist fantastisch. Würde ich auch mal ausprobieren. Liebe Grüsse aus Bali :)
    • lilie 23.10.2016 17:54
      Highlight Highlight @Corsin: Nee, ich üb lieber vorher mal, die Namen der Leute korrekt zu schreiben... 😒

      Du bist aber nicht zufällig mit dem Bruno Manser verwandt? Der hatte ja auch ein Out-in-the-jungle-Office, aber das scheint weniger gut gegangen zu sein...
  • kettcar #lina4weindoch 23.10.2016 12:29
    Highlight Highlight Wow, spannendes Thema, aber der Text? Lieber Author, nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. Und nicht alles was lustig scheint, ist es auch.
    • Baccaralette 24.10.2016 08:02
      Highlight Highlight ..das ist eine Replik für den Kanibalen. Dem wurde in N gestohlen, wahrscheinlich von einem Drachen..*fauch*

Analyse

Warum Veganer so nerven

Wir lieben es, Veganer zu hassen. Wohl auch, weil wir spüren, dass sie recht haben.

Veganer. Die moralinsauren Spassbremsen, die nichts lieber tun, als in die Welt zu schreien, wie viel besser als alle anderen Menschen sie sind. Die sektenartigen Extremisten, die anderen Menschen vorschreiben wollen, was sie zu essen haben. Die wohlstandsverwahrlosten Wichtigtuer, die mit ihrem teuren Konsum-Lifestyle exhibitionistisch herumstolzieren.

Mit negativen Stereotypen über Veganerinnen und Veganer lassen sich Bücher füllen. Darum rollen die meisten von uns einfach mit den Augen …

Artikel lesen
Link zum Artikel