Schweiz
Aargau

Restaurant erhält 15 Gault-Millau-Punke und schliesst 4 Tage später

Die Entscheidung, das «Paradies» am Badener Cordulaplatz zu schliessen, ist Küchenchef Niklas Schneider nicht leichtgefallen.
Die Entscheidung, das «Paradies» am Badener Cordulaplatz zu schliessen, ist Küchenchef Niklas Schneider nicht leichtgefallen.Bild: Alex Spichale

Badener Restaurant erhält 15 Gault-Millau-Punke und schliesst 4 Tage später

Das «Paradies», bestbewertetes Badener Restaurant, ist zu. Geschäftsführer und Küchenchef Niklas Schneider spricht über die Gründe. Wie geht es nun weiter mit dem Haus?
11.10.2025, 12:3111.10.2025, 12:31
Pirmin Kramer und, Sarah Kunz / ch media

«Breaking News», heisst es auf der Website des «Paradies.» Es sind keine guten Nachrichten, die vermeldet werden. «Liebe Gäste, Freunde und Unterstützer unseres Hauses. Mit schwerem Herzen müssen wir euch mitteilen, dass wir unser Restaurant ab sofort schliessen.»

Das «Paradies» erhielt im neuen Gault Millau, der Anfang Woche erschien, erneut 15 Punkte. Es ist damit das bestbewertete Badener Restaurant. Jetzt aber, wenige Tage später, wird das Aus bekannt gegeben. «Diese Entscheidung ist uns alles andere als leichtgefallen. Leider zwingen uns betriebswirtschaftliche Herausforderungen sowie der anhaltende Fachkräftemangel dazu, diesen Schritt zu gehen.»

Niklas Schneider sah sich zur Schliessung gezwungen.
Niklas Schneider sah sich zur Schliessung gezwungen.Bild: argauer zeitung

Niklas Schneider hat das «Paradies» 2022 erst als Pächter übernommen; ein Jahr später zog er mit seinem Team vom «Grossen Alexander»- das ebenfalls 15-Gault-Millau-Punkte erhalten hatte – ins «Paradies». Jetzt sagt der Geschäftsführer und Küchenchef: «Wir haben im Paradies mit denselben Problemen gekämpft wie viele andere auch. Wir finden vor allem im Service nicht genügend Leute, die auf diesem hohen Niveau arbeiten können.»

Die betriebswirtschaftlichen Probleme gingen Hand in Hand mit den personellen Herausforderungen. «Dann kannst du nicht so viele Gäste annehmen wie gewünscht, kannst die Hütte nicht voll machen.» Vom Konzept – basierend auf Nachhaltigkeit, vegetarischer und regionaler Küche – ist er nach wie vor überzeugt.

Der Trend in der Branche bereitet Schneider Sorgen. «Ich überlege mir, ob ich in die Ausbildung gehen soll, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Es kommen vor allem im Service viel zu wenige junge Leute nach.» Gerade mal 25 Personen hätten diesen Sommer eine Service-Lehre abgeschlossen.

Erst am Montag noch erhielt das «Paradies» erneut 15 Gault-Millau-Punkte verliehen. Jetzt ist es zu.
Erst am Montag noch erhielt das «Paradies» erneut 15 Gault-Millau-Punkte verliehen. Jetzt ist es zu.Bild: Alex Spichale

Vorerst gehe es für ihn jetzt darum, die Mitarbeitenden gut unterzubringen und eine coole Lösung für sie zu finden. Wie es Schneider persönlich weitergeht, ist noch unklar.

Auch den Testern von Gault Millau waren die Personalprobleme aufgefallen. Im am Montag erschienenen Restaurantführer 2026 schreiben sie zum Restaurant Paradies: «Wer neben zwei siebengängigen Menüs ein Dinner und ein vegetarisches Menü auf der Karte hat, muss die Bestellungen und den Service im Griff haben – ein Durcheinander der Gänge wie an gleich zwei benachbarten Tischen darf nicht passieren.» Auch was aufgetragen wurde, habe nicht durchs Band begeistert.

Auf der Website schreibt das Paradies-Team: «Wir möchten uns von Herzen bei allen bedanken, die uns in den letzten Jahren begleitet, unterstützt und ihr Vertrauen geschenkt haben.» Aufgrund der sofortigen Schliessung verlieren alle Reservationen ihre Gültigkeit. «Wir sind nicht mehr in der Lage euch zu verwöhnen.» Alle, die ihr Weihnachtsessen im Paradies gebucht habt, werden schnellstmöglich kontaktiert.

So geht es mit dem Haus jetzt weiter

Jürg Schoop, Besitzer der Liegenschaft, sieht in der unglücklichen Situation auch eine positive Meldung: «Das ‹Paradies› verabschiedet sich mit Würde», sagt er. «Dass es die Notbremse zieht, ist eine Qualitätssicherung.» Denn die Personalprobleme seien nicht mehr tragbar gewesen – gerade auch im Hinblick auf die anstehenden Bankette in der Weihnachtszeit.

Ihm sei es nun ein Anliegen, innert einer vernünftigen Frist eine adäquate Lösung zu finden. «Dieses Haus und die Stadt Baden verdienen eine würdige und genauso hochwertige Nachfolge», sagt Schoop. Erste Möglichkeiten würden sich bereits abzeichnen. (aargauerzeitung.ch)

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193 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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goschi
11.10.2025 14:31registriert Januar 2014
vielleicht - ganz gewagte these - muss man die leute einfach anständig entlöhnen und behandeln mit perspektiven und Ausgleich?

ich weiss... ganz gewagt...

ich habe im Service Aushilfsweise gearbeitet, es gibt Gründe, wieso alle Eltern das ihren Kindern abraten...
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Katerchen
11.10.2025 13:26registriert März 2023
Der Personslmangel im Service ist selbstverschuldet. Wenn man für diesen harten Job einen anständigen Lohn zahlen würde gäbs keinen Lersonalmangel!
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wurzeli
11.10.2025 14:44registriert April 2020
Gilt auch für andere Branchen, liebe Verbandsfunktionäre: Man muss Leute auch ausbilden und heranführen, damit später genügend qualifiziertes Personal vorhanden ist. Nur auf Billigimport zu setzen funktioniert nicht immer.
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