Schweiz
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Seco: Das sagen Betroffene zu den verzögerten Auszahlungen

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Das SECO hat seine Versprechen offensichtlich nicht eingehalten.Bild: Shutterstock

«Ich werde mir Geld leihen müssen»: Schweizer Arbeitslose nach SECO-Panne verzweifeln

Trotz der Versprechen des SECO, die Situation bis Ende Januar zu bereinigen, warten viele Arbeitslose in der Schweiz immer noch auf ihre Leistungen. Ursache für die Verzögerungen ist eine seit Mitte Dezember andauernde IT-Störung.
03.02.2026, 15:4703.02.2026, 15:47

Seit Mitte Dezember müssen zahlreiche Arbeitslose in der Schweiz mit Verzögerungen bei der Auszahlung ihrer Arbeitslosenunterstützung rechnen. Das Problem hängt mit einer IT-Störung in der neuen Software des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) zusammen.

Trotz der Versprechungen der Bundesverwaltung haben viele Arbeitssuchende ihre Zahlungen noch immer nicht erhalten. Diese Verzögerungen haben zu einer schwierigen Situation geführt, insbesondere für diejenigen, die ohnehin schon mit begrenzten finanziellen Mitteln auskommen müssen.

Jeton Hoxha, Präsident der Lausanner Vereinigung zur Verteidigung der Arbeitslosen (ADC), erklärte im Januar gegenüber unserer Zeitung:

«Wir sind überlastet und können nicht alle zufriedenstellen.»

Viele Menschen weiterhin in Not

Wie RTS berichtet, hatte Jérôme Cosandey, Direktor für Arbeit beim SECO, in seiner Rede am 28. Januar um 19:30 Uhr angekündigt:

«Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dieses Geld so schnell wie möglich, noch vor Ende Januar, auszuzahlen.»

Für viele Arbeitslose sieht die Realität allerdings ganz anders aus.

Amélia, eine junge Frau, die immer noch auf ihre Entschädigung wartet, erklärt, dass trotz ihrer zahlreichen Versuche, das SECO zu kontaktieren, keine Lösung gefunden wurde. Sie betont, dass sie andere Personen kennt, die sich in derselben Situation befinden. In der 19:30-Uhr-Nachrichtensendung von RTS ärgert sie sich:

«Wir können noch so oft anrufen und E-Mails schicken, es tut sich einfach nichts.»
«Wenn am Mittwoch kein Geld auf meinem Konto eingegangen ist, muss ich mir Geld von der Bank leihen.»
Armut war in der Schweiz bis vor kurzem zu einem grossen Teil unsichtbar. Die Corona-Pandemie draengt jetzt viele Menschen, die bisher an oder knapp ueber der Armutsgrenze lebten, in eine existenziell ...
Zuerst arbeitslos und dann verzögerte Auszahlungen durch die Seco: Viele Menschen sind momentan in Not.Bild: KEYSTONE

Andere Arbeitslose wie Déborah, deren Aussage ebenfalls von RTS aufgezeichnet wurde, warten noch auf ihre Januar-Leistungen. Déborah sagt:

«Ich habe die Dezember-Leistungen letzten Mittwoch erhalten, aber für Januar noch gar nichts.»

Zahlen, die nicht übereinstimmen

Gegenüber das RTS verteidigt das SECO seine Zahlungsabwicklung und versichert:

«Bis zum 30. Januar 2026 haben die Arbeitslosenkassen auf nationaler Ebene rund 400 Millionen Franken an Arbeitslosenentschädigungen ausgezahlt. Dieser Betrag entspricht weitgehend der Gesamtsumme der zu diesem Zeitpunkt erwarteten Zahlungen.»
RAV
Die Genfer Gewerkschaftsgemeinschaft fordert wegen Verzögerung der Auszahlung eine Entschädigung für die Arbeitslosen.Bild: keystone

Trotz dieser Erklärung zeigen Zahlen der kantonalen Arbeitslosenkasse von Genf, dass 40 % der Arbeitssuchenden im Kanton immer noch auf ihre Leistungen warten. Dies zeigt, dass zwar einige Zahlungen geleistet wurden, aber eine beträchtliche Anzahl von Arbeitslosen auch heute noch keine finanzielle Unterstützung hat.

Im Interview mit RTS um 19:30 Uhr am Vortag forderte Davide De Filippo, Präsident der Genfer Gewerkschaftsgemeinschaft, das SECO auf, «mit irreführenden Mitteilungen aufzuhören». Er ist auch der Ansicht, dass die Behörde den Geschädigten eine Entschädigung zahlen könnte, da die Arbeitslosenversicherung «in den letzten Jahren Gewinne erzielt hat».

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MainAccount
03.02.2026 17:17registriert Oktober 2020
Als die Unternehmen unter der Covid Krise litten, gab es sehr schnell eine Lösung um die Unternehmen mit den Covid-Krediten zu retten. Aber bei Arbeitslosen die ihre Miete und täglichen Ausgaben nicht bewältigen können passiert gar nix. Bei so einem Thema gibt es halt keine Lobbyisten die unseren Politikern "Lösungen" diktieren. Es ist nur noch beschämend.
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slnstrm
03.02.2026 17:10registriert August 2023
Eigentlich müsste jetzt das Sozialamt der Gemeinde einspringen uns zinslose Darlehen gewähren.
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Anne Who
03.02.2026 17:17registriert September 2018
Welcher Tubeliverein schaltet eine neue Software auf bevor sie nicht hinreichend live geprüft und getestet wurde? Klar, kleine Fehler können immer mal vorkommen, aber doch nicht in dem Ausmass.
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