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Stein des Anstosses: Diese Schuhe werden zu Billiglöhnen in Rumänien genäht. Das passt nicht allen. Bild: KEYSTONE

Kampfstiefel aus Rumänien – Politiker üben Kritik, User zeigen Verständnis



Ein Schuh sorgt für Wirbel – genauer: der neue Kampfstiefel der Schweizer Armee. Dieser wird laut Recherchen der «Rundschau» in Rumänien genäht, die Arbeiterinnen der Fabrik erhalten hierfür allerdings gerade einmal 300 Franken pro Monat oder weniger als zwei Franken die Stunde. Viele nehmen Kredite auf, um sich und die eigene Familie über Wasser halten zu können.

Für Adrian Amstutz (SVP) ist klar: «Es sind die politischen Mehrheiten im Land, die den Beschaffungsbehörden diese widersinnige und für die Inlandproduktion schädliche WTO-Beschaffungs-Perfektion vorschreiben.»

Adrian Amstutz SVP/BE spricht an der Pressekonferenz zur Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative MEI am Donnerstag, 27. Oktober 2016 in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Laut Adrian Amstutz sind die politischen Mehrheiten im Land Schuld an der Beschaffung aus Rumänien. Bild: KEYSTONE

Die Politik der Schweiz wolle Musterknabe sein bei der Umsetzung der WTO-Regeln, wodurch die Beschaffungsbehörden zu diesem Vorgehen gezwungen würden, so Amstutz.

Auch kritisiert er jene, die sich nun über den Beschaffungsprozess ärgern: «Es sind genau die gleichen Kreise, die jetzt aufheulen, die das Armeebudget immer mehr kürzen wollen.»

Matthias Aebischer (SP/BE) aeussert sich ueber das Personenbefoerderungsgesetz (Fantransporte) am Mittwoch, 12. Maerz 2014, im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Geld sei genug da, um die Kampfschuhe in der Schweiz zu produzieren, sagt Matthias Aebischer. Bild: KEYSTONE

Dem widerspricht SP-Nationalrat Matthias Aebischer: «Die Bürgerlichen haben das Armee-Budget gegen unseren Willen auf fünf Milliarden Franken im Jahr erhöht. Geld ist also genug vorhanden. Dass unsere Soldaten Stiefel tragen, welche von Arbeiterinnen mit einem Stundenlohn von zwei Franken zusammengenäht werden, ist ein Skandal.»

Grundsätzlich wolle er weder Holzfenster aus Tschechien im Bundeshausteil des VBS noch Stiefel in der Schweizer Armee, welche in Rumänien mit Hungerlöhnen hergestellt werden. «Die obersten Armeeverantwortlichen müssen endlich handeln und die Beschaffung auch im Detail überprüfen lassen», so Aebischer.

«Eine Heuchlerei sondergleichen»

Auch in den Kommentarspalten auf watson wurde heftig gestritten. Viele Kommentare kritisierten jene, die sich über die tiefen Löhne ärgerten, selbst aber billige Sneakers oder Kleider tragen.

So etwa auch Kommentator «Beanie»: «Jeder kauft seinen Elektronik-Mist aus China und das Hühnerfleisch auch. Hauptsache billig, billig, billig ... und jetzt hier einen auf dicke Hose machen, wenn die Armee die Schuhe in Rumänien fertigen lässt ... eine Heuchelei sondergleichen ...»

«Entenmann» sieht gar kein Problem in der Beschaffung der neuen Schuhe: «Mindestlohn eingehalten, Steuergelder wirtschaftlich eingesetzt. Problem wo?»

«Barfuss in den Krieg?»

Anders sieht dies User «Chu di nume!»: «Es gibt in der Schweiz viele kleine Schuhmanufakturen.» Den Bürgern wolle man vorschreiben, wo sie einzukaufen haben, aber Militärschuhe lasse man in einem der ärmsten Länder in Europa herstellen. «Einfach nur widerlich.»

Weiter geht «Benot». Er warnt vor einem Krieg im Umland: «Was machen wir im Kriegsfall, wenn die Rumänen nicht mehr liefern? Barfuss in den Kampf?»

«thierry_haas» sieht Handlungsbedarf: «Die Armasuisse muss dringendst reformiert werden, genau wie die Beschaffungsgesetze.» Selbst in den USA – einem liberalen Staat – müssten nahezu alle militärischen Einkäufe über amerikanische Firmen abgewickelt werden, die zu einem hohen Teil in den USA produzieren müssen.

Guck mal, das alles bekommt ein Soldat

The personal equipment of a soldier of the Swiss Armed Forces, pictured on February 12, 2014, in Hinwil, Switzerland. At the top, there are various bags, from left: belongings bag, transport bag with transport trolley. Further down, from left: daysack, combat rucksack, sleeping bag with protection, combat boots (2 pairs). Further down, from left: clothes bag for the Tenue A uniform, combat helmet, assault rifle. Around the rifle, the following objects are placed: hearing protection Pamir, Oropax earplugs, assault rifle magazine, bayonet, army knife with its pocket, rifle cleaning bag, gumshield, bandaging material, mess kit and drinking bottle. To the right of the rifle: Shoe cleaning bag. Below the clothes bag, from left: Basic carrier strap, warm fleece jacket 06, warm cap, Tenue A shirt and tie, Reglementtasche bag and Tenue A jacket. Below, from left: Tenue B thermal jacket and Tenue B jacket, safety jacket and registers of service, t-shirt, roll shirt 06, warm underwear and undergarments, leather gloves, Tenue A pants and belt. Below, from left: Tenue B pants with belt, elastic bands, shirts, underwear, protection mask and bag with a rain pelerine. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die persoenliche Ausruestung eines Soldaten der Schweizer Armee, aufgenommen am 12. Februar 2014 in Hinwil. Oben sind verschiedene Taschen, von links: Effektentasche, Transporttasche mit Transportwagen. Weiter unten, von links: Tagesrucksack, Kampfrucksack, Schlafsack mit Schutz, Kampstiefel (2 Paar). Weiter unten, von links: Kleidertasche fuer das Tenue A (Ausgangsanzug), Kampfhelm, Sturmgewehr. Rund um das Gewehr liegen folgende Objekte: Gehoerschutz Pamir, Oropax, Sturmgewehr-Magazin, Bajonett, Soldatenmesser und die Tasche dazu, Gewehrputzzeug, Zahnschutz, Verbandsmaterial, Gamelle und Trinkflasche. Rechts neben dem Gewehr: Schuhe-Putztasche. Unter der Kleidertasche, von links: Grundtrageinheit, warme Fleece-Jacke 06, warme Muetze, Tenue A-Hemd und -Krawatte, Reglementtasche und Tenue A-Jacke. Darunter, von links: Tenue B-Waermeschut

Bild: KEYSTONE

In vielen Kommentaren drückte sich auch das Dilemma aus, in dem sich die Armee bei der Beschaffung womöglich befunden haben könnte. So habe sie laut «Too Scoop» in diesem Fall nichts richtig machen können.

«Wären die Schuhe teurer beschafft worden, wäre die Kritik in die andere Richtung geschossen. Man gäbe zu viel Geld aus etc. Was nun besser ist, kann ich nicht beurteilen, es ist ein Dilemma.» Seiner Argumentation stimmten viele watson-User zu. (blu)

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    Alle Leser-Kommentare
  • karinusch 18.11.2016 08:00
    Highlight Highlight Ist doch gut so! Für mehr haben wir auch kein Geld mehr. Die paar Milliarden können nicht noch mehr gedehnt werden. Auch die Armee muss eben sparen und dies ist das Resultat. *ironieoff*
  • zorrofarblos 17.11.2016 22:59
    Highlight Highlight Im 2014 (vielleicht war es auch 2013) kam von Blatzmsnn der Befehl, dass sämtliche Lebensmittel für die Truppe aus Schweizer Produktion beschafft werden müssen. Auf alle WKs und Rekrutenschulen pro Jahr gerechnet ist das eine deutlich höhere Summe als die die paar Kampfstiefel.

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