DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Luzernerin erlebte 20 Jahre lang häusliche Gewalt: «Er war wie ein tollwütiges Tier»

Trotz häuslicher Gewalt blieb Louise Hill 20 Jahre lang bei ihrem Mann. In Aarau las sie aus ihrem Buch.
02.12.2016, 11:0702.12.2016, 12:23
Louise Hill.
Louise Hill.Bild: AZ

Kaum eine andere Schweizerin hat das Elend eines Opfers von häuslicher Gewalt so bewegend, so analytisch, so selbstkritisch beschrieben wie die Luzernerin Louise Hill (50). Ihr Buch «Teufelskreis: Mein bitteres Leben mit dem Zuckerbäcker» hat seit seinem Erscheinen im Herbst 2013 manche Diskussion angeregt und viel zur Sensibilisierung im Bereich häusliche Gewalt beigetragen. Louise Hill las in der Aula der Berufsschule Aarau aus ihrem Werk und diskutierte mit Experten.

Die gebürtige Britin kam der Liebe wegen in die Schweiz. Sie war 20 Jahre lang mit einem gewalttätigen Geschäftsmann verheiratet. Mit ihm hat sie drei Kinder, die inzwischen 14 bis 22 Jahre alt sind. 2005 ging sie ein erstes Mal ins Frauenhaus, kehrte aber zum Mann zurück – weil er Besserung versprach. 2009 kam es zum definitiven Bruch. Kurz darauf nahm sich ihr Mann das Leben. Er war psychisch krank.

Warum stehen missbrauchte Frauen zu ihren Männern? (April 2015)

Jede 5. Frau in der Schweiz erleidet häusliche Gewalt. Anlässlich einer Ausstellung spricht Louise Hill über den Psycho-Terror. Video: © TeleM1

Heute lebt Louise Hill alleine und hat einen 100-Prozent-Job als Lehrerin (Englisch und Französisch).

In Aarau las sie Sätze vor wie: «Ich wusste nicht mehr, was tun, um seine Wutanfälle zu verhindern.» – «Er kam mir vor wie ein von Tollwut befallenes Tier.» – «Im Alltag funktionierte ich wie ein Roboter.» – «Mein eigenes Leben betrachtete ich als vorbei.» – «Zu oft hatte er gesagt: Wenn du gehst, mache ich dir das Leben zur Hölle.»

Weshalb blieb sie so lange? Es habe ihr die Kraft gefehlt: «Ich war jeden Tag so damit beschäftigt, zu überleben.»

Laut Susanne Nielen, Leiterin der Opferhilfe Aargau-Solothurn, gibt es für die Opfer jeweils gute Gründe zu bleiben. Es brauche unglaublich viel Mut, Hilfe zu holen. Und: «Die Gewalt hinterlässt Spuren: Man traut sich nichts mehr zu.»

Louise Hill fühlte sich als Verräterin, als sie sich – dank der Ermutigung einer neuen Freundin – um einen Termin bei der Opferhilfe bemühte.

Jetzt auf

David Schildhorn von der Anlaufstelle Häusliche Gewalt Aargau (AHG) betonte: «Häusliche Gewalt funktioniert – wenn keiner Hilfe holt.» Wenn die Polizei eingreifen muss, dauert es in der Regel zwei Tage, bis die AHG aktiv wird und den Mann anruft. Jeder vierte angerufene Mann kommt danach in die Beratungsstelle. «Die Erkenntnis ‹Ich schlage meine Frau› stürzt den Mann in eine totale Krise», erklärte David Schildhorn.

Die Experten waren sich einig, dass sich punkto Wahrnehmung der häuslichen Gewalt in den letzten Jahren extrem viel zum Guten entwickelt hat. Sie ist heute auf dem politischen Radar. (uhg) (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Themen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

5 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
pamayer
02.12.2016 13:26registriert Januar 2016
Einfach schlimm.
273
Melden
Zum Kommentar
avatar
Calvin Whatison
02.12.2016 11:22registriert Juli 2015
Ich find die Frau sackstark 💪🏻... bitte mehr solche Storys von mutigen Menschen.DANKE 😂
247
Melden
Zum Kommentar
5
Moderna-Chefarzt warnt vor Corona-Rückkehr: «Wir müssen uns Jahr für Jahr boostern»
Moderna-Chefarzt Paul Burton warnt die Schweiz vor der Corona-Rückkehr im Herbst. Er glaubt, dass sich die Menschen Jahr für Jahr boostern müssen und empfiehlt bereits jetzt, die Impfung aufzufrischen.

Momentan ist die Coronapandemie in der Schweiz in weite Ferne gerückt. Dennoch laufen die Vorbereitungen auf den Herbst auf Hochtouren – zu Recht, wenn es nach Moderna-Chefarzt Paul Burton geht. «Es ist unwahrscheinlich, dass wir Sars-CoV-2 jemals loswerden», sagte er am Dienstag in einem Interview mit dem «Blick». Denn das Virus mutiere ständig.

Zur Story