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Claude Longchamp, Institutsleiter gfs.Bern, informiert die Medien am Dienstag, 3. Oktober 2006, in Zuerich. Eine Mehrheit der Stimmberechtigten spricht sich fuer ein Gesundheitswesen aus, das staerker marktwirtschaftlich ausgerichtet ist. Auch ein Bonus-Malus-System wird begruesst. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Claude Longchamp, der Schweizer «Umfrage-König».
Bild: KEYSTONE

Longchamp vermischt sein Wahlbarometer mit anderen Umfragen – und kommt zu neuen Prognosen für den 18. Oktober



Das SRF-Wahlbarometer ist die meistbeachtete Wahlumfrage der Schweiz. Die letzte Woche veröffentlichte neuste Ausgabe prognostiziert bei den nationalen Wahlen am 18. Oktober einen Rechtsrutsch mit Gewinnen für SVP und FDP. Erhoben wird die breit angelegte Umfrage mit rund 2000 Teilnehmern vom Institut GFS Bern.

Sein umtriebiger Leiter Claude Longchamp ist in jüngerer Zeit wiederholt in die Kritik geraten, wegen ungenauer Prognosen im Vorfeld von Abstimmungen und nicht mehr ganz zeitgemässen Befragungsmethoden. Nun aber überrascht Longchamp mit einem weiteren Umfragemodell, das er auf seinem Blog und in der «Neuen Luzerner Zeitung» veröffentlicht hat.

Mehrere Verfahren kombiniert

Es basiert auf der so genannten Combining-Methode: Man kombiniert verschiedene Verfahren und erstellt einen Durchschnittswert. Im Hinblick auf die nationalen Wahlen hat Claude Longchamp die Methode erstmals angewendet. Neben seinem Wahlbarometer berücksichtigt er die Online-Umfrage von 20 Minuten, die Wahlbörse des Tages-Anzeigers und die Ergebnisse der kantonalen Wahlen seit 2011, basierend auf Auswertungen des Zentrums für Demokratie in Aarau (ZDA) und des Instituts für Politikwissenschaft an der Uni Zürich.

Das Combining-Modell von Claude Longchamp, Ausgabe vom 17. September 2015.

Longchamps aktuelles Modell. Die am Donnerstag veröffentlichte 20-Minuten-Umfrage ist bereits berücksichtigt.

Grosse Abweichungen gegenüber dem Wahlbarometer liefert das Modell nicht. SVP und FDP legen um je 1,1 Prozent zu. Die Gewinne der Freisinnigen sind damit etwas tiefer als in den meisten Umfragen. Die SP dürfte ebenfalls gewinnen, die Grünen müssen mit Verlusten rechnen. Die auffälligste Abweichung: Die Grünliberalen, die seit Beginn dieses Jahres ebenfalls schwächelten, legen gegenüber den Wahlen 2011 sogar zu, um 0,4 Prozent.

Das Wahlbarometer im Vergleich

Bild

Wähleranteil der Parteien, wenn in der letzten August-Woche gewählt worden wäre. 

Longchamps Verfahren erinnert an den US-Statistiker Nate Silver, der mit seinem ausgeklügelten Modell den Sieger der US-Präsidentschaftswahl 2012 in allen 50 Bundesstaaten fast bis auf die Stelle nach dem Komma vorhersagen konnte und seither Kultstatus geniesst. Sein «Kollege» weist den Vergleich jedoch zurück: «So etwas kann man in der Schweiz nicht machen. Silver arbeitet mit mehr als 1000 Umfragen. Bei uns sind es viel weniger», sagt Longchamp.

Ausreisser vermeiden

Jede Methode habe ihre Stärken und Schwächen, so der Leiter von GFS Bern. Er habe versucht, «Ausreisser zu vermeiden». Als konkrete Beispiele erwähnt Longchamp den tiefen Wert der SP in der 20-Minuten-Umfrage und umgekehrt den hohen BDP-Anteil im Tagi-Wahlbarometer. Die Grünliberalen wiederum profitierten von ihren guten Wahlergebnissen der letzten Jahre, der Einbruch sei erst in diesem Jahr erfolgt: «Die Partei führt eine gute Kampagne, doch der Flop der Energiesteuer-Initiative mit mehr als 90 Prozent Nein wirkt demotivierend», sagt Longchamp.

Die neue Methode sei auch ein Versuch zur Plausibilisierung des Wahlbarometers. Entsprechend zufrieden ist Claude Longchamp mit der weitgehenden Übereinstimmung. Aus der Politik wird allerdings Kritik geäussert. «Longchamp wird von der SRG für das Wahlbarometer bezahlt und liefert nun ein weiteres Modell? Das halte ich für problematisch», sagt eine Bundespolitikerin in Anspielung auf die dominante Stellung des Politologen.

Das Combining wäre ohne Wahlbarometer nicht machbar, erwidert der Kritisierte. Die Parteienstärke sei nur ein Teil davon, mindestens so wichtig sei die Erhebung der wichtigsten Wahlkampfthemen. Die neue Methode sei ein Versuch, «die Qualität ohne Mehrausgaben zu sichern», betont Longchamp gegenüber watson. 

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