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Undercover im Asylzentrum: Reporter berichtet von Zynismus, Islamismus und Gewalt

Der deutsch-pakistanische Journalist und Terrorismus-Experte Shams ul-Haq hat fünf Tage undercover im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen verbracht. Er liefert einen Einblick ins Schweizer Asylwesen, der Aussenstehenden bislang verwehrt war. Und er zeigt Missstände auf.



epa04066176 A man walks towards the border checkpoint leading to Kreuzlingen in Switzerland in Constance, Germany, 10 February 2014. The people of Switzerland unexpectedly voted for a limitation of immigration from countries of the EU in a national referendum.  EPA/FELIX KAESTEL

Hier beginnt ul-Shaks Undercover-Reise: Grenzort Kreuzlingen.
Bild: EPA/DPA

Am Samstagnachmittag, 9. Januar, schleust sich Shams ul-Haq ins Schweizer Asylwesen ein. Als verdeckter Reporter trifft er aus Deutschland am Bahnhof Kreuzlingen TG ein und fragt Grenzbeamte auf Englisch nach dem Weg zum Asylzentrum. «Ach du Scheisse. Noch so einer», lautete dessen Antwort, schreibt ul-Haq in einer Reportage, die von der SonntagsZeitung veröffentlicht wurde.

«Das ist ein Souvenir von mir für dich.»

Beamter zu Shams ul-Haq

Zynismus muss ul-Haq während seines viertägigen Undercover-Einsatzes in der Schweiz wiederholt erfahren:

Blick auf das Empfangs- und Verfahrenszentrum EVZ, aufgenommen am Montag, 4. Mai 2015, in Kreuzlingen. Wie das Staatssekretariat fuer Migration mitteilt, soll das EVZ in Kreuzlingen zu einem Bundesasylzentrum umgewandelt und die Kapazitaet von 290 auf 310 Personen erhoeht werden. Das EVZ in Altstaetten SG soll geschlossen und stattdessen ein neues Zentrum mit einer Kapazitaet von 390 Plaetzen und 110 Arbeitsplaetzen errichtet werden. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Das Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Kreuzlingen.
Bild: KEYSTONE

Von der Grenze geht's für «Jamal», so das Pseudonym ul-Haqs, ins EVZ Kreuzlingen. Einen Sicherheitsbeamten weiht er kurz darauf in seine geheime Mission ein, da ihm dieser zuvor anvertraut hat, dass er seinen Job gekündigt habe, «weil er es für unmenschlich halte, was hier gemacht werde». Und bald sollte «Jamal» am eigenen Leibe erfahren, was dieser damit gemeint haben könnte:

«Ich sehe, wie der Beamte ihm zwei Ohrfeigen verpasst und ihn schubst.»

Shams ul-Haq

SEM: Keine Hinweise

Die «SonntagsZeitung» sieht aufgrund der Schilderungen Schengen-Bestimmungen durch die Schweiz verletzt, weil «Jamal» sich als Pakistaner nicht frei in Europa bewegen dürfte. Mit den beschriebenen Zuständen konfrontiert, antwortet das Staatssekretariat für Migration (SEM) laut der Zeitung, die Schweiz wende die Dublin Regeln konsequent an. «Wenn jemand beabsichtigt auszureisen, hat er das Asylgesuch formell zurückzuziehen und die Behörden um die Organisation der Ausreise zu bitten», wird SEM-Sprechern Gaby Szöllösy zitiert. Laut Asylgesetz müsste sich die Person zur Verfügung halten. Auf die erwähnten Vorwürfe wegen Gewalt seitens der Sicherheitsbeamten habe man keine Hinweise, sagte Szöllösy.

Ul-Haq erwähnt in seinem Bericht auch Lichtblicke und positive Erfahrungen während seines Aufenthalts in Kreuzlingen.

A fighter of the Islamic State of Iraq and the Levant (ISIL) holds an ISIL flag and a weapon on a street in the city of Mosul, Iraq, in this June 23, 2014 file photo. To match MIDEAST-CRISIS/IRAQ-TURKEY    REUTERS/Stringer/Files

Verschwörungstheorien wie sie laut ul-Haq auch in Kreuzlingen zu hören sind, bereiten Terrororganisationen wie dem sogenannten «IS» den Boden.
Bild: STRINGER/REUTERS

Fanatismus und Islamismus seien allerdings in den Unterkünften ein Problem. In seiner kurzen Zeit in Kreuzlingen sei ihm ein Mann aufgefallen, «von dem ich aufgrund des Verhaltens sagen kann, dass er entweder früher einmal für eine terroristische Organisation gearbeitet hat oder gar hier als aktives Mitglied untergetaucht ist», schreibt ul-Haq. Folgende Verbesserungen empfiehlt der Terrorismus-Experte:

Shams Ul-Haq

Für die «SonntagsZeitung» undercover unterwegs: Journalist Shams ul-Haq.
Bild: screenshot website s-haq.com

«SonntagsZeitung»-Chefredaktor Arthur Rutishauser schreibt in seinem Kommentar zur Reportage, die Redaktion habe die Fragen, die der Bericht aufwerfe, «in Bern» gestellt: «Als Antwort kamen Ausflüchte und eine unterschwellige Drohung betreffend den recherchierenden Journalisten.» (kad)

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