Schweiz
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«Blankes Entsetzen»: CS-Spitze ist entrüstet über Lügner in der eigenen Bank

Wer hat was gewusst über die Beschattungen bei der Credit Suisse? Heute Sonntagabend schliesst die Anwaltskanzlei Homburger ihre Untersuchung dazu ab. Die CH-Media-Redaktion erfuhr von ersten Erkenntnissen. CS-Chef Thiam wird nicht gehen müssen.

Patrik Müller / ch media



Die Zürcher Anwaltskanzlei Homburger hat eine zweite Untersuchung zur Beschattungsaffäre bei der Credit Suisse durchgeführt - im Eilzugstempo. Heute Sonntagabend ist sie formell abgeschlossen. Und morgen Montag, nur sechs Tage nach der Ankündigung der Untersuchung, legt die CS die Ergebnisse vor.

Urs Rohner, right, chairman Credit Suisse, and Tidjane Thiam, left, CEO Credit Suisse, listen to a vote of a shareholder during an extraordinary general assembly in Bern, Switzerland, Thursday, November 19, 2015. (KEYSTONE/Dominic Steinmann)

Das Lachen ist ihnen inzwischen vergangen: CS-Chef Thiam und Verwaltungsratspräsident Rohner sprachen zuerst von einem «Einzelfall», doch inzwischen kam eine weitere Beschattung zum Vorschein. Bild: KEYSTONE

Die grosse Frage lautet: Welche Rolle hat CS-Chef Tidjane Thiam bei den Beschattungen gespielt? Dass die Überwachung des zur UBS übergelaufenen Star-Bankers Iqbal Khan kein «isolierter Einzelfall» war, wie Thiam und auch CS-Präsident Urs Rohner erst beteuert hatten, wurde vergangene Woche klar: Die «NZZ» enthüllte am Dienstag, dass auch der damals oberste CS-Personalchef Peter Goerke drei Tage lang beschattet worden war. Bereits im März, also noch vor dem Fall Khan.

Ein Whistleblower liess das Lügengebäude zusammenkrachen

Diese Enthüllung war peinlich für die CS-Spitze, aber auch für die Anwälte von Homburger, die schon die erste Untersuchung durchgeführt hatten und dem Fall Goerke nicht auf die Spur gekommen waren. Warum nicht? Das wurde im Verlauf der neusten Untersuchungen diese Woche klar, wie zuverlässige CH-Media-Informationen zeigen: Die Anwälte und Wirtschaftsprüfer von Homburger wurden brandschwarz angelogen.

Die Verantwortlichen der CS-Sicherheitsabteilung hatten sich abgesprochen, den Fall Goerke zu verschweigen. Das ging gut, bis ein Whistleblower zur «NZZ» ging und dies am Dienstag ihre Enthüllung publizierte. Im Verwaltungsrat der Credit Suisse herrsche blankes Entsetzen darüber, dass eigene hohe Leute bei der ersten Untersuchung gelogen hatten, verlautet aus dem Innern der Bank.

Es gebe gegenüber dem ersten Bericht «neue, relevante Erkenntnisse», heisst es. Zwar ist keine dritte Überwachung eines Konzernleitungsmitglieds aufgeflogen. Aber nebst der Lügner-Entlarvung zeigte sich auch, dass auf niedriger Stufe Beschattungen auch in anderen Fällen vorkamen.

Wie es zu den neuen Erkenntnissen kam, darauf deuten Informationen hin, welche die «NZZ am Sonntag» heute verbreitet: «Packen die Sicherheitschhefs aus?», titelte die Zeitung und schrieb, gemäss Homburger-Chef Flavio Romerio habe in der zweiten Untersuchung eine Person ausgesagt, «die bisher nicht alles offengelegt hatte».

Es könnte sich, so vermutet die Zeitung, um die früheren Sicherheitschefs Pierre-Olivier Bouée oder Remo Boccali handeln. Beide mussten nach Auffliegen des Falls Khan zurücktreten. Bouée gilt als enger Vertrauter von CEO Thiam; mit ihm hatte er bereits beim britischen Versicherungskonzern Prudential zusammengearbeitet.

Widersprüchliche Spekulationen um CEO Thiam: Bleibt er, oder geht er?

In der Sonntagspresse schossen die Spekulationen ins Kraut. Sie waren sehr widersprüchlich. Die «SonntagsZeitung» titelte auf der Frontseite: «Thiam gewinnt Machtkampf bei der Credit Suisse» und schrieb, der Bankchef werde in der Beschattungsaffäre entlastet und werde im Amt bleiben, während Urs Rohner wie geplant 2021 in Pension gehe.

Ganz anders die «NZZ am Sonntag»: «Für Tidjane Thiam wird die Luft dünner», schrieb sie, und falls mehr Mitarbeiter beschattet worden seien, «muss Thiam um seinen Job bangen». Allerdings: Bislang stehen die grossen (ausländischen) Aktionäre hinter Thiam. Sie müssten aufgrund des zweiten Homburger-Berichts ihre Meinung ändern, denn der Verwaltungsrat wird Thiam kaum ohne ihr Plazet schicken können.

Und da gemäss CH-Media-Informationen eben kein dritter grosser Beschattungsfall aufgedeckt wurde, dürfte Thiam vorerst aufatmen können.

Nebst der CS-internen Untersuchung nimmt sich auch die Finanzmarktaufsicht (Finma) der Beschattungsaffäre an. Sie setzt einen eigenen Prüfbeauftragten bei der Credit Suisse ein. Er wird Mitarbeiter bis zur obersten Stufe befragen. Der CS stehen alles andere als besinnliche Tage bevor. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Ricardo Tubbs 23.12.2019 08:28
    Highlight Highlight CS spitze entrüstet über lügner in der eigenen bank. zuoberst hocken doch die grössten lügner.

    verstehe nicht wieso diesem thiam nicht sofort der schuh gegeben wird, der ist absolut nicht haltbar und hat dem eh schon ramponierten image der bank auf jahrzehnte geschadet.
  • tiki 23.12.2019 07:57
    Highlight Highlight Einfach nur unsäglich, diese Bank. Selbder schuld, wer da noch Kunde ist...
  • Thomas G. 23.12.2019 07:44
    Highlight Highlight Thiam und Rohner müssen so oder so gehen. Entweder sie wussten alles, dann sind sie untragbar. Oder sie wussten nix, dann sind sie unfähig und haben den Laden nicht im Griff. Entweder die zwei gehen oder die Kunden verlassen angewidert die Bank. So wie ich.
  • Pascal1917 23.12.2019 07:00
    Highlight Highlight Ich habe Zweifel an der Verlässlichkeit solcher externen Berichte, wenn diese offenbar darauf angewiesen sind, dass potentiell fehlbare Mitarbeiter die Wahrheit sagen.
  • fczzsc 23.12.2019 06:21
    Highlight Highlight Schuldig oder nicht; von etwas gewusst oder nicht; wenn Thiam auch nur einen Hauch von Anstand hätte, hätte er schon längst zurücktreten müsse.
    Ossie Grübel lässt grüssen...
  • wolge 23.12.2019 06:15
    Highlight Highlight Die Kultur macht‘s aus... Dee Fisch beginnt bekanntlich immer erst am Kopf zu stinken...
  • ravendark 23.12.2019 05:27
    Highlight Highlight ... wirst du schon beschattet oder arbeitest noch?
    Passt irgendwie ins Banker-Business.
    Wahrscheinlich ist ihnen allen zu langweilig.
    Sonst kommt ja niemand auf so'n Seich. Peinlich peinlich!
  • Der Kritiker 23.12.2019 05:08
    Highlight Highlight Ich frage mich, ob Homburger die richtige Kanzlei ist, um auch die zweite Durchsuchung durchzuführen. Bei der ersten hat sie ja offenbar nicht herausgefunden, dass noch weitere Personen beschattet wurden. Die Schmierenkomödie nimmt seinen Lauf und Homburger wird so noch vom Statisten zum eigentlichen Star dieses Films. Popcorn steht bereit. Ich bin gespannt, was als nächstes kommt.
  • MartinZH 23.12.2019 02:48
    Highlight Highlight Tiefer Fall... Die Credit Suisse könnte wirklich endlich einmal etwas tun..! Aber nichts passiert...

    Führungs-Schwäche? Ja!! Die Reputation des Unternehmens ist relevant...! Nicht nur die individuelle Reputation von CEO Thiam und VRP Rohner. Nein...! Die CS-Reputations-Werte sind doch bereits voll im Keller... Wann passiert etwas? Die beiden beschädigen nachhaltig den Schweizer Banken- und Finanzplatz!

    Gerne verweise ich in diesem Zusammenhang auf meine Posts von gestern... 😉👍

    https://www.watson.ch/schweiz/wirtschaft/441882190-finma-untersucht-die-beschattungsaffaere-der-credit-suisse
  • Locutus70 23.12.2019 01:18
    Highlight Highlight Investmentbanker ist ein ziemlich stressiger und krankmachender Job. Viele entwickeln im Laufe der Jahre eine Borderlinestörung und Verfolgungswahn oder neigen zu Verschwörungstheorien.

    Nie im Leben würde ich den Job machen wollen.
    • kettcar #lina4weindoch 23.12.2019 06:09
      Highlight Highlight Puh. Da bin ich ja froh, dass ich in der IT gelandet bin... obwohl...
      Benutzer Bild
    • #fuckhate 23.12.2019 07:21
      Highlight Highlight Geld verändert nicht zwingendermassen den Charakter; es zieht aber gewisse Charaktere geradezu magisch an. Darum bleiben sie auch bis zum Zusammenbruch sitzen, an ihren Stehtischen. Das ist das systemische Problem im Kern der Banken.
    • _kokolorix 23.12.2019 07:37
      Highlight Highlight Das ist nicht der Job an sich, es ist das Umfeld. Wenn verlangt wird, dass die Rendite um die 20% zu liegen habe, während das langjährige Mittel kaum mehr als 5% beträgt, ist klar, dass sich das letztlich nur mit kriminellen Aktivitäten erreichen lässt. Die Aktionäre haben ein Umfeld geschaffen in welchem sich nur noch rücksichslose Kriminelle behaupten können. Diesen stellen sie eine geschütze Spielwiese zur Verfügung, so lange die Erträge stimmen ist alles erlaubt. Zumindest solange kein Betriebsunfall auftritt wie jetzt in der CS...
  • Erklärbart 2.0 23.12.2019 00:50
    Highlight Highlight Böse Zungen würden sagen, die Homburger Kanzlei ist eine "Tochterfirma" der CS...

    Als gäbe es keine anderen Kanzleien 🤔
  • leu84 23.12.2019 00:04
    Highlight Highlight Diese Bank liefert viel Material für neue Krimis oder einen James Bond Film 😂
  • Eidg. dipl. Tütenbauer 22.12.2019 23:57
    Highlight Highlight Ist das jetzt eine Bank oder eine mittelmässige Detektei?
  • DrFreeze 22.12.2019 23:45
    Highlight Highlight Wie heisst es immer, die immensen Manager Löhne werden durch hohe Verantwortung gerechtfertigt.

    Da wäre nun eine Gelegenheit für Thiam Verantwortung zu zeigen.
  • Joe Smith 22.12.2019 23:33
    Highlight Highlight Huch, die Banken lügen uns an? Nein so eine Überraschung aber auch!
  • Joe Smith 22.12.2019 23:32
    Highlight Highlight Und ich Dödel dachte immer, wer nichts zu verbergen hat, für den ist eine Überwachung kein Problem. Aber wie schon Orwell feststellte, sind manche offenbar gleicher als andere.
  • Antinatalist 22.12.2019 23:07
    Highlight Highlight Dem Saftladen sollte man die Bankenlizenz entziehen. Hab mal vor langer Zeit dort gearbeitet und war danach geläutert. Seither sind Banken für mich ein rotes Tuch.
  • Calvin Whatison 22.12.2019 22:57
    Highlight Highlight Ist der Ruf mal ruiniert, lügt es sich ungeniert.😈

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