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Renitenter Rentner: Peter Hans Kneubühl schwänzt seinen Gerichtstermin



Der Bieler Rentner Peter Hans Kneubühl ist am Donnerstag nicht an der Verhandlung erschienen, an welcher das Bieler Regionalgericht über seine allfällige Verwahrung entscheidet. Die Verhandlung wird nun in seiner Abwesenheit geführt.

ZUR URTEILSVERKUENDUNG IM FALL KNEUBUEHL STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Peter-Hans Kneubuehl sort de la prison menotte pour se rendre dans la salle du tribunal d'arrondissement du Seeland afin d'entendre le verdict de son proces ce vendredi 18 janvier 2013 a Bienne - Biel. Le tribunal a juge Kneubuehl irresponsable. Le retraite qui avait defie la police durant dix jours a Bienne en septembre 2010, il s'etait retranche chez lui pour s'opposer par la force a la vente aux encheres de sa maison. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Peter Hans Kneubühl im Jahr 2013. Bild: KEYSTONE

Der Bieler Gerichtspräsident Markus Gross sagte am Donnerstagmorgen bei Verhandlungsbeginn, er habe vom Regionalgericht in Thun den Bescheid erhalten, Kneubühl weigere sich, an der Verhandlung teilzunehmen. In der Folge fragte Gross die Parteien, ob sie der Meinung seien, Kneubühl müsse polizeilich vorgeführt werden.

Niemand forderte dies. Alle waren der Meinung, Kneubühls Anwesenheit sei nicht zwingend. Gerichtspräsident Gross sagte, laut Strafprozessordnung sei ein Abwesenheitsverfahren in diesem Fall möglich, wenn sich die betroffene Person äussern könne.

Zudem müsse sich die Beweislage so präsentieren, dass die Anwesenheit der Person, um die es geht, nicht zwingend erforderlich sei. Diese Bedingungen seien gegeben. Kneubühl habe dem Gericht eine umfassende Eingabe zur Frage seiner Verwahrung gemacht.

Nach dem Entscheid des Gerichts, das Verfahren ohne Kneubühl fortzusetzen, begann das Beweisverfahren mit einer Zeugeneinvernahme von Professor Werner Strik, Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Bern. In einer Klinik dieser Institution wurde Kneubühl vor einigen Jahren aufgenommen.

Polizisten schwer verletzt

Peter Hans Kneubühl hielt die Stadt Biel im September 2010 tagelang in Atem. Seine Liegenschaft im Bieler Lindenquartier sollte öffentlich versteigert werden. Ursache für die Räumung des Hauses war ein langer Erbschaftsstreit mit seiner Schwester.

Am Tag der Hausbesichtigung, dem 8. September, verschanzte sich Kneubühl im Haus. Kontaktversuche durch Behörden und die Polizei scheiterten.

Das Haus am Mon-Desir-Weg im Bieler Lindenquartier, am Samstag, 11. September 2010 in Biel. Ein 67-jaehriger Mann hat sich am Mittwoch 8. September 2010 nach einem Polizeieinsatz in einem Haus in Biel verschanzt. Er gab mehrere Schuesse ab. Ein Polizist wurde dabei schwer verletzt. Im Vorfeld der Aktion hatte ein Zivilgericht entschieden, dass das Haus, in dem der 67-jaehrige Mann lebt, versteigert werden soll. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

In diesem Haus verschanzte sich Peter Hans Kneubühl. Bild: KEYSTONE

An den folgenden Tagen gab der renitente Rentner mehrere Schüsse ab. Einer verletzte einen Polizisten schwer am Kopf. Danach gelang Kneubühl die Flucht. Mehrere Tage lang fahndete die Polizei erfolglos nach ihm. Erst am 17. September wurde er gefasst.

Die Bewährungs- und Vollzugsdienste des Kantons Bern haben nun beim Bieler Gericht den Antrag gestellt, Kneubühl zu verwahren. Denn die stationäre Massnahme, welche die Gerichte vor mehreren Jahren gegen Kneubühl verhängten, sei nicht mehr angebracht. Kneubühl verweigere jegliche Therapie.

Drei Gerichte waren 2013 und 2014 zum Schluss gekommen, Kneubühl leide an einer schweren wahnhaften Störung. Er sei nicht schuldfähig. Deshalb müsse der heute 76-Jährige stationär therapiert werden. (sda)

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30Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Dr. Bender 06.03.2020 09:44
    Highlight Highlight an alle die hier immer noch glauben dass Kneubühl geschossen hat: Beweise bitte! Es gibt nämlich keine glaubhaften. Ich finde es schockierend wie hier jemand, der sich gegen psycho-medis wehrt, einfach so weggesperrt werden soll. Und von wegen Waffennarr, ich möchte nicht wissen wie viele Psychopathen das Sturmgewehr und weitere Waffen einsatzbereit auf dem Estrich oder im Keller haben. Von diesen hätte ich mehr Angst als von Kneubühl.
  • manolo 06.03.2020 08:43
    Highlight Highlight an allle die auf meinen Like geantwortet haben - ich wollte schreiben- NICHT mehr gefährlich! Natürlich hat er geschossen, aber das machte er lt. Protokoll weil er sich in Panik befand. Für das hat er 10 Jahre abgesessen! Dieser Mann will sich nicht in den Fängen von Psychiater und Psychopharmaka behandeln lassen, die seine innere Einstellung manipulieren!
  • one0one 05.03.2020 18:10
    Highlight Highlight Ist das mittlerweile einwandfrei bewiesen dass er den Schuss abgegeben hat?
    Ich weiss nicht genau warum, aber dieser Mann, obwohl er anscheinend jemanden angeschossen hat, erhielt sehr viel Zuspruch und hatte fast schon Groupies in Biel. Ist lange her, aber ich weiss dass ich damals alles andere als ueberzuegt war dass er den Schuss abgegeben hat. Deshalb die Frage.
    • atorator 06.03.2020 18:52
      Highlight Highlight Nein, es war das Nachbarskind mit einem Kieselstein..
  • TanookiStormtrooper 05.03.2020 14:39
    Highlight Highlight Seltsame Kommentarspalte hier. Da schiesst jemand einem anderen Menschen in den Kopf und irgendwelche Idioten verteidigen den Typen auch noch. 🤷‍♂️
    • one0one 06.03.2020 09:35
      Highlight Highlight Ich würde eben gerne die aktuelle Beweislage sehen. Damals war das alles andere als klar dass Kneubühl den Schuss abgegeben hat.
      Die Polizei war damals massiv unter Druck, weitere Fehler in den Ermittlungen (die Polizei machte sich so laecherlich dass es selbst in den USA in den Medien erschien) konnten sie sich nicht leisten. Es gab Spekulationen dass der Schuss von der Polizei selber abgegeben wurde, sprich ein Unfall.

      Mich würde nur interessieren was denn nun genau dazu geführt hat dass man sich sicher ist dass der Schuss von Kneubühl abgegeben wurde. Ihr wisst es ja. Also helft mir ;)
    • Dr. Bender 06.03.2020 09:39
      Highlight Highlight weil das leider einfach nicht bewiesen ist, deshalb hat er meine Unterstützung, wie übrigens sehr viele hier in Biel.

      Man will einen mit Medikamenten zum Schweigen bringen, dies sollte einem eigentlich viel mehr zu denken geben.
      Und man sollte mal die Vergangenheit mit seiner Schwester untersuchen, ich bin überzeugt dass man danach zu einer anderen Sichtweise kommt.
  • der_senf_istda 05.03.2020 12:44
    Highlight Highlight Der Mann hat einem Polizisten in den Kopf geschossen und fühlt keine Reue deswegen, d.h. er hält Gewalt für ein legitimes Mittel. Deshalb ist er gefährlich und deshalb sollte er auch verwahrt werden.
  • manolo 05.03.2020 10:52
    Highlight Highlight Dieser Mann ist nicht gefärlich! Der wird niemandem mehr etwas zu Leide tun!
    Gefährlich aber sind aber die Psychiater und selbsternannten Experten, die in Ihm einen Mensch sehen, der für den Rest seines noch kurzem Lebens verwahrt werden soll!
    • Miracoolix 05.03.2020 12:18
      Highlight Highlight Ernsthaft? Er hat auf Polizisten geschossen, aber easy, er wollte nur spielen...würde er Abdul heissen, wären sie gleicher Meinung?
    • Bits_and_More 05.03.2020 12:30
      Highlight Highlight Woher weisst du das?
    • sambeat 05.03.2020 13:08
      Highlight Highlight Du bist wohl selbst Experte, wie?
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  • MORGLUM 05.03.2020 10:12
    Highlight Highlight Und die Kritiker demonstrieren vor dem gerichtsgebäude, sprechen von unrechtsregime. Naja er hatte auf die Polizei geachossen. Hab danach seinem Nachbar 2 wochen Obdach gewährt bis er wieder heim durfte. Und jetzt dieses Theater? Wtf.
    Benutzer Bild
  • beaetel 05.03.2020 10:06
    Highlight Highlight Herr Kneubühl ist in die Fänge der Psychiatrie geraten. Ich kenne dortige „Denkweise“, respektive Dogmen in und auswendig. Sich einer Therapie zu widersetzen heisst schlicht keine „Medikamente“ einnehmen zu wollen. Wir sprechen hier von Neuroleptika, einem Nervengift, neudeutsch Antipsychotika. Kneubühl wird sicher eine paranoide Schizophrenie angedichtet, sein Verhalten als wahnhaft interpretiert, weil er sich als Opfer der Umstände sieht. Er hat kein Haus mehr zu verteidigen, er wird daher nie mehr auf einen Menschen schiessen, die Verwahrung daher ein schlechter, teurer und unnötiger Witz.
    • iHero 05.03.2020 15:27
      Highlight Highlight In "die Fänge der Psychiatrie" ist er nur "geraten", weil er einen Menschen in den Kopf geschossen hat. Das ist ihm nicht passiert, das hat er aktiv getan. Was sagt Ihnen, dass er nicht etwas Neues zu verteidigen findet, wofür er die Anwendung von Gewalt als angemessen erachtet? Ich sehe so jemanden lieber behandelt, wenn möglich, und ansonsten verwahrt, als dass ich ihm auf der Strasse begegne.
  • Schönbächler 05.03.2020 09:46
    Highlight Highlight Kann mir mal jemand erklären wie ein Krimineller der auf die Polizei schiesst nach 10 Jahren einen Gerichtstermin noch versäumen kann? Der geniesst doch nicht etwa im ernst noch seine Freiheiten?
    • ABSO 05.03.2020 11:31
      Highlight Highlight Er sitzt seither auf eigenen Wunsch in U-haft und will da auch nicht weg. Er will nur noch alleine sein, das ist auch der Grund wieso er in U-Haft bleiben und nicht irgendwo anders untergebracht werden will. Sein fernbleiben ist für den Gerichtstermin nicht ausschlaggebend, weshalb er auch dies auf eigenen Wunsch hin darf.
    • Ohniznachtisbett 05.03.2020 12:18
      Highlight Highlight Der sitzt ein, weigert sich aber dieZelle zu verlassen
    • Entenmann 05.03.2020 12:34
      Highlight Highlight Steht ja im Artikel. Er sitzt im Regionalgefängnis Thun, weigert sich aber, an der Verhandlung teilzunehmen. Auf eine polizeiliche Vorführung wird verzichtet, weil sie das Gericht nicht als notwendig erachtet.
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