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Implantate-Skandal: Chirurg in Bern vor Gericht

Implantate-Skandal: Chirurg in Bern vor Gericht

Ein Berner Chirurg steht ab Montag wegen des Vorwurfs der schweren Körperverletzung vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland.
12.01.2026, 05:5312.01.2026, 10:41

Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, mehreren Patienten unausgereifte Bandscheibenimplantate eingesetzt zu haben.

Sie wirft dem Chirurgen weiter vor, Betroffene im Stich gelassen zu haben. Dies geht aus der Anklageschrift hervor, die der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vorliegt. Für den Chirurgen gilt die Unschuldsvermutung.

Die Verhandlungen könnten länger als eine Woche dauern. Die Urteilseröffnung ist auf den 9. Februar angesetzt. Zu Wort kommen sollen nebst dem Arzt auch Patientinnen und Patienten, ein mit der Materie vertrauter Chefarzt eines Zürcher Spitals und eine weitere Expertin.

Gemäss der zuständigen Staatsanwältin sollen die künstlichen Bandscheiben bei allen sieben vom Chirurgen operierten Patienten versagt und körperliche Schäden an der Wirbelsäule hinterlassen haben.

Die Anwältin des Chirurgen hatte die Vorwürfe vor zwei Jahren gegenüber den Tamedia-Zeitungen zurückgewiesen. Ihr Klient habe sich im Zusammenhang mit dem Fall «sowohl rechtlich als auch berufsethisch korrekt verhalten».

Ein Chirurg schliesst eine Leber an die neue Perfusionsmaschine an, die sie eine Woche am Leben erhalten kann.
Dem Chirurg wird vorgeworfen, mangelhafte Implantate vertrieben und eingesetzt zu haben. (Symbolbild)imago

Mängel bereits bei Tierversuchen

Der sogenannte Implantateskandal wurde 2018 durch ein internationales Recherche-Team mit Beteiligung von Tamedia publik. Der Chirurg soll die Entwicklung des Bandscheibenimplantats «Cadisc-L» wissenschaftlich begleitet und das Produkt zwischen 2011 und 2013 im Salem-Spital in Bern selber sieben Patientinnen und Patienten eingesetzt haben.

Die Prothese vertrieb die inzwischen Konkurs gegangene britische Firma Ranier. Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, sollen bereits Tierversuche Mängel gezeigt haben. Trotzdem kam das Produkt im Jahr 2010 auf den Markt. Europaweit soll es danach bei Dutzenden Patienten zu schweren Komplikationen gekommen sein. Später wurde das Implantat zurückgerufen.

Bereits 2019 war der Chirurg vor dem Berner Obergericht mit dem Anliegen abgeblitzt, dass sich seine Patientinnen und Patienten nicht mehr in der Öffentlichkeit äussern dürfen. (sda)

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15 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Henzo
12.01.2026 07:32registriert August 2014
Kaum eine Berufsgruppe darf so pfuschen wie es die Ärzteschaft darf, ohne wirklich Konsequenzen zu befürchten.
Ich verstehe, dass man sie schützen muss: manchmal gibt es Risiken die man eingehen muss und manchmal kann man nur aus einer Variante schlechter Optionen aussuchen. Aber wenn systematisch gepfuscht wird, dann braucht das auch hier Konsequenzen.
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stronghelga
12.01.2026 09:02registriert März 2021
Der Berner Chirurg, der ab Montag vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland wegen des Vorwurfs der schweren Körperverletzung steht, ist bekanntlich Max Aebi.
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55 Franken für eine Packung Pflaster – die Schweizer Medizin hat ein Kulturproblem
Dass Ärztinnen und Ärzte gut verdienen, ist berechtigt. Nicht aber die verbreitete Selbstbedienungsmentalität. Die Kosten im Gesundheitssystem hängen auch am Berufsethos.
440 Franken nach zehnminütiger Konsultation: Die Rechnung des Augenzentrums, das ich mit meinem Sohn besuche, fällt just in die Zeit, in der wir die Krankassenprämien fürs neue Jahr bezahlen – rund 1000 Franken mehr als fürs letzte Jahr. Vielleicht deshalb schaue ich mir die einzelnen Posten genauer an. Lauter Nummern und Bezeichnungen, die für Laien schwer einzuordnen sind. Bis auf den letzten Punkt: 110 Franken für zwei Packungen Augenpflaster.
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