Implantate-Skandal: Chirurg in Bern vor Gericht
Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, mehreren Patienten unausgereifte Bandscheibenimplantate eingesetzt zu haben.
Sie wirft dem Chirurgen weiter vor, Betroffene im Stich gelassen zu haben. Dies geht aus der Anklageschrift hervor, die der Nachrichtenagentur Keystone-SDA vorliegt. Für den Chirurgen gilt die Unschuldsvermutung.
Die Verhandlungen könnten länger als eine Woche dauern. Die Urteilseröffnung ist auf den 9. Februar angesetzt. Zu Wort kommen sollen nebst dem Arzt auch Patientinnen und Patienten, ein mit der Materie vertrauter Chefarzt eines Zürcher Spitals und eine weitere Expertin.
Gemäss der zuständigen Staatsanwältin sollen die künstlichen Bandscheiben bei allen sieben vom Chirurgen operierten Patienten versagt und körperliche Schäden an der Wirbelsäule hinterlassen haben.
Die Anwältin des Chirurgen hatte die Vorwürfe vor zwei Jahren gegenüber den Tamedia-Zeitungen zurückgewiesen. Ihr Klient habe sich im Zusammenhang mit dem Fall «sowohl rechtlich als auch berufsethisch korrekt verhalten».
Mängel bereits bei Tierversuchen
Der sogenannte Implantateskandal wurde 2018 durch ein internationales Recherche-Team mit Beteiligung von Tamedia publik. Der Chirurg soll die Entwicklung des Bandscheibenimplantats «Cadisc-L» wissenschaftlich begleitet und das Produkt zwischen 2011 und 2013 im Salem-Spital in Bern selber sieben Patientinnen und Patienten eingesetzt haben.
Die Prothese vertrieb die inzwischen Konkurs gegangene britische Firma Ranier. Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, sollen bereits Tierversuche Mängel gezeigt haben. Trotzdem kam das Produkt im Jahr 2010 auf den Markt. Europaweit soll es danach bei Dutzenden Patienten zu schweren Komplikationen gekommen sein. Später wurde das Implantat zurückgerufen.
Bereits 2019 war der Chirurg vor dem Berner Obergericht mit dem Anliegen abgeblitzt, dass sich seine Patientinnen und Patienten nicht mehr in der Öffentlichkeit äussern dürfen. (sda)
