Schweiz
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Bundesraetin Doris Leuthard, Bundesrat Didier Burkhalter, Bundesraetin Eveline Widmer-Schlumpf, Bundesrat Alain Berset, Bundespraesidentin Simonetta Sommaruga, Bundesrat Johann Schneider-Amman, Bundeskanzlerin Corina Casanova und Bundesrat Ueli Maurer posieren für ein Gruppenbild waehrend der zweitaegigen Bundesratsreise, am Freitag, 3. Juli 2015, in Magadino, Locarno im Kanton Tessin. (KEYSTONE/Ti-Press/Carlo Reguzzi)

Der Bundesrat auf seiner diesjährigen «Schulreise» in Locarno.
bild: Keystone

Bundesrat ist ein Scheissjob – trotzdem wollen ihn alle haben

Drei SVP-Kandidaten wollen am nächsten Mittwoch in den Bundesrat gewählt werden. Das Amt ist heiss begehrt, obwohl manche Magistraten an der Belastung zerbrochen sind.



Ein Bonmot bringt es auf den Punkt: «Mindestens 200 der 246 Parlamentarier denken, wenn sie am Morgen im Badezimmer in den Spiegel schauen: ‹So sieht ein Bundesrat aus›.» Wer es erfunden hat, ist nicht ganz klar. Dem früheren CVP-Generalsekretär und Politikberater Iwan Rickenbacher wird es genauso zugeschrieben wie dem SP-Doyen Helmut Hubacher. Letztlich spielt es keine Rolle. Der Satz umschreibt bestens die Faszination, die das Regierungsamt ausstrahlt.

Zehn Bewerber haben sich bei der SVP offiziell als Kandidaten für die Nachfolge von Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) angemeldet. Drei hat die Partei offiziell nominiert: Die Nationalräte Thomas Aeschi (Zug) und Guy Parmelin (Waadt) sowie den Tessiner Lega-Regierungsrat Norman Gobbi, der erst seit kurzem SVP-Mitglied ist. Die Unterlegenen haben das Verdikt mehr oder weniger gelassen akzeptiert. Mancher hofft wohl, das Parlament wähle ihn doch noch.

Bundespraesidentin Simonetta Sommaruga, Mitte, die Bundesraete Alain Berset, Ueli Maurer, Doris Leuthard, Johann Schneider-Ammann, Eveline Widmer-Schlumpf und Didier Burkhalter, im Uhrzeigersinn, sowie Bundesratssprecher Andre Simonazzi, Bundeskanzlerin Corina Casanova und Vizekanzler Thomas Helbling, von rechts, waehrend der ersten Sitzung im neuen Jahr, am Mittwoch, 14. Januar 2015 im Bundesratszimmer in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Blick in das Bundesratszimmer.
Bild: KEYSTONE

Bundesrat ist ein Traumjob. Dabei sind Bundesräte schwache Figuren. Die Schweiz leistet sich eine Schmalspur-Regierung mit nur sieben Mitgliedern. Das ist gewollt, denn ein System mit direkter Demokratie verträgt sich nur bedingt mit einer mächtigen Exekutive. Kritiker bemängeln, dass die wahre Macht bei der Verwaltung und ihren Chefbeamten liege. Wer seinen Spielraum jedoch auszunützen weiss, kann in dem Siebnergremium durchaus einiges bewegen.

Beträchtliches Ansehen

Hinzu kommt der Glanz, den der Titel Bundesrat ausstrahlt. Man ist wer, wird umworben, kann die Schweiz in der Welt vertreten. Und obwohl der Respekt vor den Magistraten geschwunden ist, geniessen sie ein beträchtliches Ansehen. 63 Prozent der Bevölkerung haben laut dem aktuellen CS-Sorgenbarometer Vertrauen in den Bundesrat. In Ländern mit repräsentativer Demokratie können Regierungen von solchen Werten meist nur träumen.

«Ein Traumjob? Sicher – aber zu einem sehr hohen Preis.» Dies sagte Franz Egle, der ehemalige Informationschef von Bundesrat Flavio Cotti, der «Neuen Luzerner Zeitung». Bundesrat ist auch ein Scheissjob. Die Arbeitslast ist enorm. Bundesräte müssen nicht nur über ihr eigenes Departement Bescheid wissen, sondern auch über die Geschäfte der anderen. Häufig beginnt ihr Arbeitstag am frühen Morgen mit Aktenstudium und endet am späten Abend an irgend einer «Hundsverlochete».

90 Stunden pro Woche

CVP-Bundesrätin Doris Leuthard bezifferte den Arbeitsaufwand auf 90 Stunden pro Woche. Diese körperliche und seelische Belastung haben längst nicht alle gut verdaut. Zwischen 1848 und 1919 verstarben fast 40 Prozent der Bundesräte im Amt, schrieb der Historiker und Bundesratskenner Urs Altermatt in der NZZ. Hauptgrund war, dass Bundesräte keine Rente erhielten. Oft arbeiteten sie sich aus finanziellen Gründen buchstäblich zu Tode.

ARCHIVE --- DER CVP-POLITIKER UND ALTBUNDESRAT ALPHONS EGLI FEIERT AM 8. OKTOBER 2014 SEINEN 90. GEBURTSTAG. ZU DIESEM ANLASS STELLEN WIR IHNEN DIESES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Bundesrat Alphons Egli bei der Eidabgabe nach seiner Wahl in den Bundesrat, aufgenommen am 8. Dezember 1982 im Bundeshaus in Bern. (KEYSTONE/Str)

Rudolf Friedrich (l.) und Alphons Egli blieben nur wenige Jahre im Bundesrat.
Bild: KEYSTONE

Später stieg die Belastung durch die zunehmende Zahl und Komplexität der Geschäfte. In den 1980er Jahren häuften sich die physischen Probleme. Der Zürcher Fritz Honegger (FDP) litt unter Herzbeschwerden, nach nur fünf Jahren trat er 1982 zurück. Sein Nachfolger Rudolf Friedrich hielt es knapp zwei Jahre aus. Der gleichzeitig mit ihm gewählte Luzerner Alphons Egli (CVP) ging nach vier Jahren «aus gesundheitlichen Gründen». Der populäre Arbeiter-Bundesrat Willi Ritschard starb 1983 nur zwei Wochen nach seiner Rücktrittserklärung an Herzversagen.

Grosse Reformen blieben aus

In der Folge wurden vermehrt jüngere Persönlichkeiten in den Bundesrat gewählt. Ausserdem kam es zu bescheidenen Reformen: Departemente wurden umstrukturiert, und bereits Ende der 1970er Jahre erhielten die Bundesräte die Möglichkeit, zwei persönliche Mitarbeiter anzustellen. Grosse Würfe aber blieben aus. Zusätzliche Staatssekretäre lehnte das Volk 1996 ab, eine Aufstockung der Regierung auf neun oder elf Bundesräte und ein mehrjähriges Bundespräsidium scheiterten im Parlament. Oder am Bundesrat selbst, der seine Macht nicht teilen oder beschränken wollte.

Ein weiteres Problem: Das Parlament tendiert dazu, mediokre Figuren zu wählen. Herausragende Politiker wie der St.Galler Kurt Furgler (CVP), dessen intellektuelle Brillanz öfters in Arroganz umschlug, schafften es nur selten. Lieber der graue Neuenburger Francis Matthey als die schillernde Genferin Christiane Brunner (1993). Lieber Otto Stich als Lilian Uchtenhagen (1983). «Die Parlamentarier gönnen den anderen Parteien keine Galionsfiguren», schreibt die «Weltwoche».

Bundespräsidenten der letzten 20 Jahre

Kein Wunder: Wenn alle glauben, sie wären für das Amt geeignet, wollen sie niemanden wählen, der offenkundig besser ist. Wobei man einräumen muss, dass die Hemmschwelle zur Wahl von überdurchschnittlichen Bewerbern in den letzten Jahren gesunken ist. Ein Grund dafür mag ein relativ neues Kriterium sein, das sich «Arena-Tauglichkeit» nennt. Wer im Fernsehen eine gute Figur macht, hat einen Startvorteil gegenüber den «grauen Mäusen».

Trotzdem bleiben Bundesratswahlen mehr oder weniger unberechenbar. Auch das macht ihre Faszination aus. Bundesrat ist ein Traumjob. Und ein Scheissjob. Und alle wollen ihn haben. 

Bundesratsfoto

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    Alle Leser-Kommentare
  • Der Rückbauer 05.12.2015 22:37
    Highlight Highlight Ein Medium, welches das Amt eines Bundesrates oder einer Bundesrätin als Scheissjob bezeichnet, ist ein Scheissmedium. Punkt.
    • shills-anonymous 06.12.2015 20:52
      Highlight Highlight weil medien nur aus 1 artikel bestehen? ist es das immer?
  • atomschlaf 05.12.2015 19:46
    Highlight Highlight Also Otto Stich würde ich keinesfalls zu den "mediokren Figuren" zählen. Er war zwar zum Zeitpunkt seiner Wahl weitgehend unbekannt, aber er gehört zweifellos zu den bedeutenderen und fähigsten Bundesräte der letzten Jahrzehnte.
    • Lightning makes you Impotent (LMYI) 06.12.2015 01:11
      Highlight Highlight Da bin ich froh, dass du das sagst. Ich liebte "Otti Stich" auch immer. Als Finanzminister einer der Besten, der die Schweiz je hatte. Solche "Schüsse" des Parlaments können eben auch "hintenraus" gehen. Wenn Sie gewusst hätten, wenn Sie da wählen, wer hätte Stich dann noch gewählt?
  • Angelo C. 05.12.2015 19:01
    Highlight Highlight Naja, Peter - mach' da bloss mal halblang 😐!

    Für 445'000 Stutz Jahresgage mit 30 Mille Spesengeld, plus einer Pension von 220 Riesen jährlich, würde ich mir u.U. schon mal (zumindest 4 Jahre lang) wacker den Arsch aufreissen. Gute Nerven und Gesundheit vorausgesetzt...

    Gewiss, viel Arbeit und bei jeder Hundsverlochete zwangsweise mit dabei, aber es weht manchmal auch der Duft der grossen weiten Welt und das Sozialprestige bei Herr und Frau Bünzli ist ganz enorm, und dies lebenslänglich 😉!
  • demokrit 05.12.2015 17:43
    Highlight Highlight Ein Scheissjob? Naja, immerhin ein überbezahlter Scheissjob, wenn es denn wirklich ein Scheissjob wäre..
    • demokrit 05.12.2015 19:57
      Highlight Highlight Unsinn: Sogar Merkel verdient weniger, ganz zu schweigen vom Amerikanischen Präsidenten. Dazu kommt auch noch die Tatsachen, dass man nach 4 Jahren vom Steuerzahler à la Blocher bis zum Ableben subventioniert wird.
    • demokrit 05.12.2015 22:49
      Highlight Highlight Oh, und nun kommt auch noch das unbedarfte Märli vom hohen Schweizer Preisniveau (sonst wird dieser Mumpitz eigentlich nur von den Pharmalobbyisten oder Bankern nachgeplappert). Vergleiche lieber einmal die Landesfläche und Verantwortung trägt sowieso kein Bundesrat noch irgend ein anderer Politiker: Die Zeche zahlt immer noch der Bürger. Auch dies sollte eigentlich aus der Staatskunde bekannt sein, zumindest, wenn man nicht gerade einen Fensterplatz erwischt hat. ;)
    • demokrit 06.12.2015 11:06
      Highlight Highlight 90 Std/Woche? "So än Chabis" kann jeder behaupten. Die Tatsache, dass jemand überhaupt mit seinem Arbeitspensum angeben muss, spricht eigentlich eher dafür, dass er eine lockere Kugel schiebt, sonst müsste er das ja gar nicht mit seinem angeblichen Arbeitspensum angeben. Die Bundesräte können sogar viele Reisli und Privatchauffeurstunden im dem Steuerzahler angelasteten Tesla verbuchen. Natürlich alles während der Arbeitszeit.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Calvin Whatison 05.12.2015 14:31
    Highlight Highlight Never ever 🔫
  • maddiepilz 05.12.2015 14:25
    Highlight Highlight würde ich niemals im leben machen wollen.
  • Noach 05.12.2015 13:44
    Highlight Highlight Ich danke Allen die dieses Schwere Amt ausüben.Ich finde sie machen einen tollen Job für unser Land.Danke!,

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