Schweiz
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epa05091443 The body of man who reportedly carried a knife as he attempted to enter a Paris police station in the Goutte d'Or area lies on floor at a shooting scene, northern Paris, France, 07 January 2016. A man has been shot dead outside a Paris police station after apparently attacking the facility, amid fears that the incident might be an act of terrorism. Luc Poignant of the police union said the man allegedly shouted 'Allah is great' as he approached the facility. The incident comes on the one-year anniversary of an Islamist attack on the offices of satirical French newspaper Charlie Hebdo that prompted three days of terror and shootings in the city, ultimately resulting in 17 civilian deaths and the deaths of three Islamists as police closed in on them.  EPA/YON VALAT

Das Ende: Polizisten erschiessen den Angreifer in Paris.
Bild: YON VALAT/EPA/KEYSTONE

Schweiz schaffte Angreifer von Paris nach fünf Monaten aus

Der Mann, der am Jahrestag des Anschlags auf die Satirezeitung «Charlie Hebdo» in Paris beim Angriff auf Polizisten erschossen wurde, hatte zuvor eine lange Geschichte als Straftäter und Asylsuchender – darunter auch in der Schweiz. Diese hatte ihn 2013 nach Italien ausgeschafft.



Mit einem Metzgerbeil und einer Sprengstoffgürtel-Attrappe stürmt der Tunesier Tarek Belgacem am Donnerstag auf Polizisten vor einem Kommissariat im Pariser Viertel Goutte d'Or. «Allahu Akbar» schreit er, die wachhabenden Polizisten schiessen. Belgacem ist tot.

Bei der Leiche wird ein Bekennerschreiben mit einer aufgemalten Fahne der Terrormiliz «Islamischer Staat» («IS») gefunden, in dem der Mann «IS»-Chef Abu Bakr al-Baghdadi die Treue schwört.

Nach Angaben des französischen Innenministers Bernard Cazeneuve handelte es sich um einen Einzeltäter. Seiner Kenntnis nach hatte der junge Mann keine Komplizen, sagte Cazeneuve am Sonntag am Fernsehen. Er habe sich wohl in mehreren europäischen Staaten aufgehalten, in Deutschland, aber auch in Luxemburg und in der Schweiz.

Inhaftiert und spurlos verschwunden

A man walks into an asylum shelter, where a man who was shot dead at a police station in Paris after a foiled attack on Thursday lived, in Recklinghausen, Germany January 10, 2016.  REUTERS/Ina Fassbender

In dieser Asylunterkunft im deutschen Recklinghausen war der Delinquent und «IS»-Sympathisant zeitweise zu Hause.
Bild: INA FASSBENDER/REUTERS

Gleichentags liess das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf vermelden, der Tunesier habe zeitweise in einer Asylbewerberunterkunft in Recklinghausen gehaust. Nach einem Hinweis der französischen Sicherheitsbehörden untersuchten Polizisten die Wohnung des Mannes. Hinweise auf weitere geplante Anschläge fanden sie keine. Nach und nach kommen Informationen zutage, die den Werdegang von Tarek Belgacem rekonstruieren lassen.

Etwa, dass er in Deutschland sieben verschiedene Identitäten nutzte. Asyl hatte er unter dem Namen Walid Salihi beantragt. Die angegebenen Staatsangehörigkeiten waren mal syrisch, mal marokkanisch, mal georgisch. Der Mann sei zudem mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten. So habe er eine einmonatige Freiheitsstrafe unter anderem in Heinsberg, Iserlohn und Bochum abgesessen. Die deutschen Landesbehörden stuften ihn als Verdachtsfall ein, doch im Dezember 2015 verschwand er spurlos aus der Flüchtlingsunterkunft.

In Frankreich hatte er sich laut Staatsanwalt bei einer früheren Kontrolle als Marokkaner ausgegeben. In einem bei ihm gefundenen Schreiben nannte er dagegen einen anderen Namen und bezeichnete sich als Tunesier.

Nach Italien ausgeschafft

Nun wird eine weitere Etappe der Odyssee des Getöteten nachgezeichnet: Wie der Tages-Anzeiger am Montagabend meldete, hatte Belgacem im Januar 2013 in der Schweiz einen Asylantrag gestellt. Das bestätigte das Bundesamt für Polizei (Fedpol) der Zeitung. «Der Asylantrag wurde abgelehnt, und der Mann wurde im Juni 2013 nach Italien ausgeschafft.»

Dies war laut der Zeitung gemäss den Schengen-Regeln möglich, weil der Mann bereits in Italien registriert worden war. Für die rund fünf Monate, während deren er sich in der Schweiz befand, bestehen laut dem Fedpol keine Hinweise, dass der Mann in terroristische Aktivitäten verwickelt war. (kad)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Blutgruppe 12.01.2016 13:47
  • Jonasn 12.01.2016 11:00
    Highlight Highlight Was sich hier überhaupt niemand überlegt ist, dass wenn nur eines dieser Länder diese Person ordentlich aufgenommen und integriert hätte, er wahrscheinlich gar nicht anfällig geworden wäre für die radikalen Botschaften des jeweiligen Imams. Wer aber jahrelang nur hin und hergeschoben wird und keine Perspektive findet, radikalisiert sich. Das steht stellvertretend für tausende. Das soll keineswegs diese Gräueltaten entschuldigen. Fürchterlich, was er gemacht hat. Es soll nur Ursachen hinterfragen.
    • Bijouxly 12.01.2016 12:10
      Highlight Highlight Naja, also wenn sich jemand mit 10 verschiedenen Identitäten in Europa anmeldet, darf man sich schon fragen, wie ernsthaft er eine Integration versucht hat. Er hätte ja in Italien bleiben können, das hat er nicht gemacht.
  • Bijouxly 12.01.2016 09:35
    Highlight Highlight Also dieser Artikel sagt uns ja offenbar, dass das System überhaupt nid funktioniert. Wenn jemand (verdächtiges!) mit 10 Identitäten einen Asylantrag stellen kann, dann ist das doch einfach kein System, oder? Biometrische Erfassung - zumindest bei Verdächtigen und Straffälligen - oder dann kann man sich den Aufwand gleich sparen.
  • Matrixx 12.01.2016 06:10
    Highlight Highlight Hört auf, diese Leute beim Namen zu nennen.
    Für mich sind sie namenslos.

    Ich bin einen Tag vor dem Angriff um die genau gleiche Zeit an diesem Gebäude vorbeigelaufen und bin immer noch schockiert, dass ich so viel Glück hatte.
    • boexu 12.01.2016 08:05
      Highlight Highlight Glück nicht von einem Polizisten erschossen oder von einer Bombenattrappe in die Luft gesprengt worden zu sein, oder wie meinst du? Ich hab heute Morgen eine Strasse überquert, wo vor 2 Monaten ein Fussgänger angefahren wurde - hurra ich lebe noch!
    • Darkglow 12.01.2016 08:48
      Highlight Highlight Sachen und Menschen von denen man sich fürchtet nicht beim Namen zu nennen schürt die Furcht nur noch mehr.
    • Matrixx 12.01.2016 09:03
      Highlight Highlight boexu, Glück, nicht 24 Stunden später dort durch zu kommen und den Angriff mitzuerleben.
    Weitere Antworten anzeigen
  • meliert 12.01.2016 04:24
    Highlight Highlight Fragt sich nun: wieviele solche "Schläfer" halten sich als Asylanten "getarnt" in der Schweiz und im übrigen Europa auf?
    • hoorli 12.01.2016 07:15
      Highlight Highlight Vermutlich sehr wenige.
    • EvilBetty 12.01.2016 08:46
      Highlight Highlight Wenn man es wüsste wären es keine Schläfer ...
    • azoui 12.01.2016 08:56
      Highlight Highlight @hoorly, vermutlich hast Du recht. Jedoch steigt mit der Anzahl der normalen Asylsuchenden, auch die Anzahl der Schläfer, was zwar nichts an der Relation "Normale" zu "Schläfer" ändert, jedoch die Möglichkeit, eines weiteren Anschlags erhöht.
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