Schweiz
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epa08375598 New York National Guardsmen load boxes of food into the back of taxi for delivery to people who are unable to leave their homes in the Kingsbridge Armory in the Bronx, New York, USA, 21 April 2020, amid the ongoing coronavirus COVID-19 pandemic. New York has set up the food delivery service in all five boroughs both as a way to provide food to those in need and also to provide income to thousands of taxi drivers who have lost the majority of their work due to the coronavirus pandemic. Drivers are paid 15 US dollar (13.8 euro) per hour to make the deliveries.  EPA/JUSTIN LANE

In New York liefern Taxis Essen an Personen aus, die ihr Haus nicht mehr verlassen können. Bild: EPA

«Win-Win-Situation»: Wie sich Taxifahrer mit Lieferdiensten über Wasser halten

Not macht bekanntlich erfinderisch: Die von der Coronakrise schwer gebeutelte Taxibranche wagt vermehrt den Schritt in Richtung Lieferservice. Und unterstütz damit nicht nur die gestressten Pöstler, sondern auch zahlreiche kleinere Unternehmen und ungeduldige Kunden.



Seit dem Ausbruch der Corona-Epidemie und der Beschliessung der Schutzmassnahmen rollt eine riesige Paketflut über die Schweiz. Sei es aus Langeweile, oder weil die Läden schlicht und einfach geschlossen sind: Herr und Frau Schweizer bestellen, was das Zeug hält. Die Post ist überfordert mit der Situation und kommt nicht nach mit Ausliefern.

Anfang April musste die Post deswegen temporär Kontingente für die 100 grössten Versandhändler einführen. Die Paketversorgung in der Schweiz war gefährdet. Bis heute brauchen Pakete zum Teil deutlich länger, um bei Empfängern anzukommen. «Wir können die schiere Menge nicht mehr bewältigen», sagte eine Post-Sprecherin zu den Massnahmen.

Taxifahrer als Paketboten

Am anderen Ende der beruflichen Auslastung steht eine Branche, die ebenfalls Dinge transportiert. Dabei handelt es sich jedoch um Personen, nicht um Pakete. Taxifahrer. Seit dem Lockdown haben diese praktisch nichts mehr zu tun. Die Flughäfen sind de facto lahmgelegt, Geschäfts- und Ferienreisende bleiben aus und auch die hiesige Bevölkerung benötigt kein Taxi mehr, um spätabends von der Bar nach Hause zu kommen.

Warum also nicht Pakete ausliefern?

Das dachten sich auch diverse Taxiunternehmen. «Seit drei Wochen liefern unsere Fahrer nun Pakete aus», sagt Christian Brühlmann, Leiter Kontaktcenter von Yourmile, dem grössten Taxivermittler der Schweiz. Rund 40 Fahrer liefern jeden Tag zwischen 200 bis 500 Pakete aus.

«Es ist eine Win-Win-Situation, sowohl für die Händler als auch für die Fahrer.»

Christian Brühlmann, Leiter Kontaktcenter Yourmile

Dabei arbeitet das Unternehmen mit einer Vielzahl an Online-Shops, hauptsächlich KMUs, zusammen. «Klein hilft Klein», sagt Brühlmann. Den Taxifahrern seien nach dem Lockdown bis zu 90 Prozent des Umsatzes weggefallen, viele seien froh um die neue Möglichkeit.

Funktionieren tut das Ganze so: Die Fahrer bekommen Routen zugeteilt, die sie abklappern. Wartezeiten haben sie keine, und die Pakete werden um einiges schneller ausgeliefert als momentan mit der Post. «Es ist eine Win-Win-Situation, sowohl für die Händler als auch für die Fahrer», sagt Brühlmann.

Finanziell soll sich das Ganze ebenfalls lohnen. Die Taxi-Pöstler kriegen eine Tagespauschale, die sich auf gleichem Niveau bewege, wie das Gehalt vor der Coronakrise.

«Die Räder müssen rollen, sonst rollt kein Rubel»

Auch der Taxiverband Zürich begrüsst die Idee der Taxi-Lieferanten. «Wir pushen diese Idee seit Ausbruch der Krise», sagt George Botonakis, Präsident des Taxiverbands Zürich.

Viele Online-Händler hätten mit dem Verband Kontakt aufgenommen, «mittlerweile haben wir die Rolle eines Verteilers übernommen.» Der Taxiverband distribuiert die Anfragen weiter an die verschiedenen Taxizentralen, die dann wiederum ihre Fahrer losschicken. Aufträge werden inzwischen in der ganzen Deutschschweiz verteilt.

Also alles rosig in der Taxibranche? Nicht ganz, sagt Botonakis.

«Die Fahrer müssen zurück auf die Strasse.»

George Botonakis, Präsident Taxiverband Zürich

Viele Fahrer, vor allem solche, die selbstständig sind, würden sich zu wenig der Krise anpassen. Nicht alle können Lieferdienste ausführen, zumal die Post nie Taxifahrer anheuern werde. «Diese Fahrer müssen zurück auf die Strasse. Es ist wichtig, sich jetzt zu zeigen», sagt Botonakis. Es gäbe immer noch Kundschaft, die von A nach B transportiert werden will. «Die Räder müssen rollen, sonst rollt kein Rubel.»

Es gäbe Taxifahrer, die sich hervorragend arrangieren, einen Spuckschutz im Auto installieren und Desinfektionsmittel kaufen. Diese würden nun verständlicherweise von der Kundschaft priorisiert. «Dann gibt es jene, die allen anderen die Schuld geben und nichts unternehmen.» Botonakis appelliert an die Selbstverantwortung der Fahrer. Ansonsten würden Viele diese Krise unternehmerisch nicht überleben.

Das Post-Dilemma

Doch wieso setzt die Post selbst nicht auf Taxifahrer als Paketboten? Laut Angaben der Post befindet sich das Paketvolumen nach wie vor auf Weihnachtsniveau.

Oliver Flüeler, Mediensprecher der Post, sagt dazu: «Das Nadelöhr liegt in den Paketzentren, nicht bei den Transporten der Pakete zu den Haushalten.»

Die riesige Anzahl an Paketen trifft in den Logistikzentren auf eine beschränkte Anzahl Mitarbeitende. Aufstocken könne man momentan nicht, da die Social-Distancing-Massnahmen sonst nicht eingehalten werden können. «Wir verarbeiten zur Zeit Weihnachtsmengen und können zum Schutz unserer Mitarbeitenden unter Corona die Mitarbeiteranzahl nicht wie zur Weihnachtszeit beliebig erhöhen.»

Eine Ausnahme gibt es jedoch: In Zermatt beliefern zurzeit zwei Ortstaxis die Haushalte mit Paketen. Dies, weil die Postautos im ansonsten autofreien Zermatt gleich gross sind wie die Taxis. «Dort bringt es uns eine gewisse Entlastung», sagt Flüeler.

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