Schweiz
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Parked planes of the airline Swiss at the airport in Zurich, Switzerland on Monday, 23 March 2020. The bigger part of the Swiss airplanes are not in use due to the outbreak of the coronavirus. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Die Swiss wartet nicht nur auf mehr Passagiere, sondern auch auf die erste verbürgte Kreditzahlung. Zumindest im Juli stieg die Buchungsnachfrage deutlich. Bild: KEYSTONE

Neue Zahlen zeigen, wie sehr es die Schweizer per Flugzeug ins Ausland lockt

Trotz drohender Quarantäne und Maskenpflicht an Bord zieht es viele Schweizer in den Sommerferien statt in die heimischen Berge ans ausländische Meer. Ob die Nachfrage weiter steigt, ist hingegen fraglich.

Benjamin Weinmann / ch media



Es ist ein erster Stresstest mitten in der Corona-Krise. Die gesamte Tourismusindustrie – vom kleinen Reisebüro bis hin zur Lufthansa-Tochter Swiss – sie alle bangen und hoffen. Denn die Sommerferien, die inzwischen in allen Schweizer Kantonen angelaufen sind, dürften erste Anzeichen geben, wie gross die Bereitschaft hierzulande ist, sich wieder in ein Flugzeug zu setzen, um Ferien im Ausland zu verbringen.

Die Passagierzahlen werden von den hiesigen Flughäfen jeweils monatlich publiziert. Ein genaues Fazit zu den Sommerferien ist also erst später möglich. Doch es gibt andere Indizien, die erste Schlüsse zum bisherigen Feriengeschäft erlauben. So hat die Flugsicherungsfirma Skyguide für CH Media ausgewertet, wie viele Flüge an den beiden Flughäfen Genf und Zürich zwischen dem 1. und 20. Juli - also inmitten der Ferien-Hochsaison – gestartet und gelandet sind.

23 Prozent im Juni, 42 Prozent im Juli

Das Resultat: Im Vergleich zur Vorjahresperiode zählten die beiden grössten Landesflughäfen insgesamt knapp 29'000 Starts und Landungen. Dies entspricht 41.5 Prozent des Flugvolumens im Vergleich zur gleichen Zeitspanne im Vorjahr. Im Juni waren es erst 23 Prozent. Damit resultiert zwar noch immer ein massives Minus von knapp 60 Prozent bei den Flügen jeglicher Art, vom Linien- bis zum Cargo- und Businessjetflug. Aber im Juni sah es zumindest bei den Passagierzahlen des Flughafens Zürich noch viel düsterer aus mit minus 93 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Zudem zählte Zürich am zweiten Juli-Wochenende am Samstag und Sonntag jeweils rund 25'000 Passagiere. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies rund einem Viertel. Somit lässt sich sagen, dass viele Leute im Hinblick auf die Ferienzeit vom Reisefieber gepackt wurden. Anstatt mit dem Camper an den Lago di Lugano oder mit dem Zug und Postauto ins Toggenburg zu fahren, zieht es sie ins Ausland. Trotz unterschiedlichen Einreisebestimmungen je nach Zielort. Trotz Maskenpflicht und trotz eingeschränktem Service an Bord.

Vor allem aber bleibt die Weiterentwicklung der Pandemie unklar und somit auch die Planungssicherheit. Schliesslich hat das Bundesamt für Gesundheit die Liste der Risikoziele diese Woche auf 42 Länder erweitert. Dazu gehört neu auch das Strandparadies Malediven. Wer aus diesen Ländern in die Schweiz einreist, muss zehn Tage in die Quarantäne.

Wien an erster Stelle

Auf Anfrage gibt der Flughafen Zürich Einblick in die Liste der beliebtesten Passagier-Destinationen im Juli gemäss Flugplanung der Airlines. Und da ist es im Vergleich zum Vorjahr zu einigen Verschiebungen gekommen (siehe Tabelle). Am meisten Flugverbindungen sind im laufenden Monat von und nach Wien geplant, gefolgt von Berlin, Belgrad, London und Mallorca. Amsterdam und Düsseldorf rangieren im Gegensatz zu 2019 hingegen nicht mehr in den Top 5.

Europäische Ziele sind besonders gefragt

Bild

Tabelle: kob Quelle: Flughafen Zürich AG

Eine Swiss-Sprecherin sagt in Bezug auf die Sommerferien, dass die Nachfrage im Europaverkehr die Erwartungen der Airline übertroffen habe. Die Auslastung sei hier beinahe auf Vorjahresniveau. Bei den Interkontinentalverbindungen seien die Buchungen hingegen noch verhaltener, genauso wie bei den Geschäftsreisenden. Gefragt seien vor allem touristische Ziele und der so genannte «Besuchsreiseverkehr» – Passagiere, die nach dem Lockdown wieder ihre Freunde und Familienmitglieder im Ausland sehen möchten.

In den Sommermonaten Juli und August bietet die Swiss 30 bis 40 Prozent ihres ursprünglichen Flugprogramms an. Zwei Drittel der 91 Flugzeuge sind laut einer Sprecherin wieder im Einsatz. Nach den Ferien dürfte das Flugvolumen allerdings wieder sinken. Dennoch hält die Lufthansa-Tochter am Ziel fest, per Ende Oktober 40 Prozent des Flugprogramms vor Corona wieder durchzuführen. Dies entspräche pro Woche 1400 Abflügen. 85 Prozent der Swiss-Destinationen sollen dann wieder angeflogen werden.

Hotelplan-Chef: «Alles steht auf sehr wackligen Beinen»

Für die Reise-Industrie sind es erste Hoffnungsschimmer auf bessere Zeiten. Doch die Frage bleibt: Reicht das? Diese Woche sagte Swiss-Chef Thomas Klühr in der SRF-Sendung «Club», dass seine Airline nicht mehr wie im März und April täglich über drei Millionen Franken verbrennt. Heute liege der Betrag deutlich unter einer Million. Angesichts der langsamen Erholung ist ein Stellenabbau allerdings unumgänglich. Zudem sind die Swiss und ihre Schwester-Airline Edelweiss auf die Staatshilfe in Form von 1.3 Milliarden Franken an verbürgten Krediten angewiesen. Und da die EU die Lufthansa-Hilfe in Deutschland noch nicht abgesegnet hat, wartet auch der Bundesrat mit der Vertragsunterschrift zu.

Katastrophal bleibt die Situation für die Reisebüros, wie Hotelplan-Chef Thomas Stirnimann im Branchenmagazin «Travel Inside» kürzlich darlegte: «Es gibt keine Planbarkeit.» Leuten, die jetzt ihre Australienreise planen möchten, könne man nicht wirklich helfen. Denn man habe keine Kristallkugel. «Alles steht auf sehr wackligen Beinen mit täglich ändernden Regeln, Vorschriften, Vernehmlassungen und Anordnungen, die jedes zarte Pflänzlein wieder vertrocknen lassen.» (aargauerzeitung.ch)

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39Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Demetria 26.07.2020 13:10
    Highlight Highlight Ich bin ja sonst gar nicht auf der Seite der Arbeitgeber, aber wer asozial genug ist für sein persönliches Vergnügen einen Virus quer durch den Kontinent zu verteilen und dann noch ins Büro zu bringen, der verdient eine Fristlose. Wer in den zahllosen Ausbeuterjobs auf Abruf arbeitet kriegt schon für viel weniger eine Fristlose: beispielsweise weil man krank wird oder den Wohnort wechselt. Legal ist das nicht, aber ohne Geld keine Justiz. Aber die Mittelschichtler dürfen natürlich mitten in der Pandemie in die Ferien, sie sind ja nicht die, die in der zweiten Welle die Existenz verlieren.
  • Andi Weibel 26.07.2020 09:45
    Highlight Highlight Wien, Hamburg, Frankfurt... Warum zum Henker fliegt man dorthin und nimmt nicht den Zug?

    Wollen wir nach Covid unbedingt die nächste Krise produzieren, dann aber so richtig?
  • CogitoErgoSum 26.07.2020 07:32
    Highlight Highlight Komme ich aus Deutschland zurück, muss ich nicht in Quarantäne. So einfach ist wohl die Logik gewisser Menschen.
  • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 26.07.2020 01:30
    Highlight Highlight Die Schweizer müssen doch den Spitzenplatz innebehalten. Man ist doch schon seit Jahr und Tag Flugweltmeister.

    Ein Land voller... 🤬
  • Erklärbart. 26.07.2020 00:06
    Highlight Highlight Wien, Belgrad und Düsseldorf gilt es etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Viele brauchen diese Flughäfen nur als Transit, z.b. nach Nordmazedonien, Kosovo oder Tirana. So kann man die Quarantäne umgehen, vorausgesetzt man reist entweder direkt ab Tirana zurück, was viele aus Nordmazedonien machen oder eben: Skopje/Ohrid/Prishtina - Wien/Düsseldorf und dann in die Schweiz.

    Istanbul geht auch. Aber anstatt 2h (Zürich-Skopje) reist man 6-7h, nämlich Zürich-Istanbul/Belgrad-Tirana und dann noch weiter nach Skopje. Belgrad geht, weil man weniger als 24h im Land ist.
  • Alcedinidae 25.07.2020 22:30
    Highlight Highlight Wer fliegt von Züri auf Genf? Dauert ja sicher länger als mit dem Zug und ist auch nicht so viel billiger.
    • türmchen 26.07.2020 00:19
      Highlight Highlight Möglicherweise der Genfer, der über ZRH nach New York fliegt. Oder der Südafrikaner der von Johannesburg via ZRH nach Genf fliegt. Nir um zwei Beispiele zu nennen. Könnte man aber auch selbst drauf kommen.
    • ikbcse 26.07.2020 04:41
      Highlight Highlight Gilt das GA dafür eigentlich? 😉
    • HartinderHard 26.07.2020 12:03
      Highlight Highlight Das sind vermutlich vor allem Passagiere die in Zürich einen Anschlussflug haben.
  • honesty_is_the_key 25.07.2020 21:06
    Highlight Highlight Passt nicht 100% zu diesem Artikel, aber ich kann es mir trotzdem nicht verkneifen: die COVID-19 Krise ist extrem brutal für die Luftfahrt- und Reisebranche und alle damit "verbundenen" (Taxifahrer, Fremdenführer, Sherpas, Restaurantmitarbeiter etc.) deren Einkommen und Ueberleben von Touristen abhängig ist. Wir hier in der Schweiz riskieren "nur" unseren Job (bin selber auch betroffen). In vielen Ländern geht es aber ums pure Ueberleben. Wenn keine Touristen kommen, dann verhungern Menschen. Mich nerven deshalb negative Kommentare wenn Menschen verreisen sehr. Nett gesagt.
    • Staedy 25.07.2020 22:19
      Highlight Highlight Aber überall ihr Viren verteilen ist dann ok.....oder mitbringen....tolle Logik.....wie ein selbstöoser Entwicklungshelfer gehe ich um den Menschen zu helfen als Tourist ins Ausöamd oder wie ein Missionar. Wir bringen diesen Menschen also das Gute. Ich lach mich gleich.
    • Völkerrechtler 25.07.2020 23:28
      Highlight Highlight Natürlich hängen viele Existenzen vom Tourismus ab...

      ...aber viele hängen z.B. auch an der Erdölindustrie...

      ...sollen wir deshalb jetzt alle mehr Autofahren...?

      Tourismus ist Tourismus und höchstens noch als Kollateralnutzen Entwicklungshilfe.

      Wer tatsächlich helfen will, kann dies auch direkt tun - ohne in der Dritten Welt Badeferien zu buchen!
    • Kruk 26.07.2020 00:29
      Highlight Highlight Das stimmt, vielerorts wurde mit dem Aufbau des Tourismus aber auch sehr viel zerstört, kulturell und auch die Lebensgrundlage der Menschen vor dem Tourismus, sei es Landwirtschaft oder Fischerei.
      Vom Tourismus profitieren tut dann oft nur ein geringer Teil und durch den Tourismus werden die Preise erhöht.
      Land wird nur noch für Grossinvestoren die Hotelpaläste bauen erschwinglich, der Bauer und der Fischer können einpacken oder finden, mit etwas Glück, eine Stelle als Kofferschlepper.
      Die Lebensmittel und das Wasser fliesst alles in die Hotels, den einheimischen Nachbarn bleibt nichts.

    Weitere Antworten anzeigen
  • micki 25.07.2020 20:51
    Highlight Highlight Ich bleib in der Schweiz. Danke Watson für die immer guten Tips was man hier doch alles sehen kann 😉 Mein Favorit bisher die Areuseschlucht
  • Bee89 25.07.2020 17:54
    Highlight Highlight Also fliegen reizt mich zur Zeit absolut null. Lieber irgendwo in der Nähe bleiben, wo man mit dem Auto hinkommt und somit flexibel ist, falls was sein sollte.
  • renko 25.07.2020 16:41
    Highlight Highlight .... und mit der Zunahme des Flugverkehrs nimmt auch die Unzulänglichkeit der SWISS wieder zu - kaum ein Flug auf dem alles rund läuft ... gerade jetzt steht die LX2157 seit 50 Minuten am Boden! Totaler Computerausfall - nichts wird serviert, keine AC

    Lieber die Airlines meiden ... die wollen nur wieder schnellstens alles rauffahren ohne aber dazu wirklich in der Lage zu sein 😉
    • Balabar 25.07.2020 17:20
      Highlight Highlight Wer auf Malle Urlaub macht, schreibt auch solche Kommentare. Iss ein Snickers.
    • HugiHans 26.07.2020 10:19
      Highlight Highlight Computerausfall? Im Flieger? Oder bei einem Dienstleister des Bodendienstes?
      Und was soll die Crew in der Luft bringen, wenn sie bereits alles am Boden servieren?
      Sorry @renko, die Erwartung des Kunden König zu sein, ist heute leider oft nicht mehr möglich. Den Könige sind häufig Narzissten denen man es nie recht machen kann ...
  • Sensei 25.07.2020 16:33
    Highlight Highlight Schön :) und das obwohl der Bundesrat massiv in die freie Wirtschaft eingriff mit dem Aufruf nach Schweiz-Ferien und die ganzen Schweizer Arbeitsplätze, die am Ausland-Tourismus hängen offenbar "vergass".
    • Völkerrechtler 25.07.2020 17:14
      Highlight Highlight Es hängen noch viel mehr Arbeitsplätze (und Leben) von der weiteren Entwicklung der Pandemie und unser aller Verhalten ab...
    • Tschowanni 25.07.2020 17:50
      Highlight Highlight Ob ich nun an einem der überlaufenen Schweizer Seen, Rücken an Rücken mit dem nächsten liege, oder an der Italienischen Riviera, macht in meinen Augen auch keinen relevanten Unterschied mehr
  • paddyh 25.07.2020 16:27
    Highlight Highlight Wieso fliegt man nach Düsseldorf im Sommer? Was gibt es da?
    • CalibriLight 25.07.2020 16:48
      Highlight Highlight Das frage ich mich auch.
      Es ist doch eher umgekehrt:

      Play Icon

    • Hans Jürg 25.07.2020 16:49
      Highlight Highlight Vor allem, warum nimmt man dafür das Flugzeug?
    • iudex 25.07.2020 16:52
      Highlight Highlight Ein nicht unbedeutender Teil dürften Zubringer für Eurowings sein.
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