Schweiz
Crans-Montana

Wegen diesen Schlupflöchern versagten Kontrollen im «Constellation»

Jacques Moretti während des eigenhändigen Umbaus des Lokals «Le Constellation».
Jacques Moretti während des eigenhändigen Umbaus des Lokals «Le Constellation».bild: facebook

Wegen diesen Schlupflöchern versagten Kontrollen im «Constellation» jahrelang

Mehrere administrative Versäumnisse führten dazu, dass der Barbetrieb im «Le Constellation» in Crans-Montana trotz wiederholter Kontrollen jahrelang unzureichend überprüft wurde. Recherchen zeigen, wie Lücken im Verfahren zentrale Risiken unbeachtet liessen.
25.01.2026, 19:2825.01.2026, 19:28

Seit der Übernahme des Lokals durch Jacques und Jessica Moretti im Jahr 2015 wurde der Betrieb mehrfach kontrolliert. Der im Untergeschoss verbaute Schaumstoff, der in der Brandnacht Feuer fing, blieb dabei jedoch unbeachtet. Wie «24 Heures» berichtet, trugen mehrere administrative Schlupflöcher dazu bei, dass der Betrieb trotz Mängeln weiterlaufen konnte.

Bereits 2015 bauten die Betreiber das frühere «Constellation» zu einer Lounge-Bar um. Die Arbeiten erfolgten ohne Baubewilligung, obwohl den Behörden bekannt war, dass Umbauten stattfanden. In dieser Phase wurde auch der später brandgefährliche Schaumstoff angebracht. Der damalige Eigentümer erklärte, für Innenumbauten sei keine Bewilligung nötig gewesen. Nach Walliser Recht sind solche Änderungen zwar grundsätzlich bewilligungsfrei, entscheidend ist jedoch deren Umfang. Ob die Arbeiten hätten gemeldet werden müssen, ist Gegenstand der laufenden Untersuchung.

Crans Montana Brand Le Constellation
Der eigenhändige Umbau im Untergeschoss der Bar «Le Constellation».Bild: Screenshot X

Kein Brandschutzkonzept verlangt

Am 26. August 2015 erteilte die damalige Gemeinde Chermignon die Betriebsbewilligung. Sie prüfte den französischen Strafregisterauszug von Jacques Moretti, der leer war, obwohl er 2008 in Annecy verurteilt worden war. Zudem bestätigte die Gemeinde seine fachliche Eignung aufgrund einer Wirteausbildung in Pully aus dem Jahr 2011.

Ein Brandschutzkonzept wurde nicht verlangt. Laut dem Berner Brandschutzexperten Urs Käser wäre ein solches üblich gewesen. Auch bei einer späteren Kontrolle im Jahr 2019 existierte kein Brandschutzkonzept. Der Waadtländer Experte Olivier Burnier hält fest, das Projekt sei nie gemeldet worden, weshalb weder eine Prüfung noch ein verpflichtendes Brandschutzkonzept erfolgt seien.

Ein Blick ins Innere der Bar Constellation vor dem Brand. An der Decke ist der schalldämmende Schaumstoff zu sehen.
Ein Blick ins Innere der Bar Constellation vor dem Brand. An der Decke ist der schalldämmende Schaumstoff zu sehen.bild: imago

Eingeschränkte Kontrollen und fehlende Pläne

Ende 2015 wurde eine Veranda angebaut, dafür lag eine Baubewilligung vor. Die brandschutzrechtliche Stellungnahme des Kantons Wallis bezog sich ausschliesslich auf diesen Anbau. Der restliche Betrieb, insbesondere das Untergeschoss, wurde nicht geprüft. Jacques Moretti wurde dabei als verantwortlich für die Qualitätssicherung im Brandschutz eingesetzt. Ob er über die nötigen Kenntnisse der Schweizer Vorschriften verfügte, ist unklar.

Während der Arbeiten verlangte das kantonale Feuerinspektorat Gesamtpläne des Lokals. Diese wurden laut Recherchen von RTS und «NZZ am Sonntag» nie eingereicht. Der Kanton erklärte, die Gemeinde habe den Beginn der Arbeiten nicht gemeldet, weshalb davon ausgegangen worden sei, dass sie nicht ausgeführt wurden. Die Veranda wurde dennoch gebaut und entwickelte sich in der Brandnacht zur tödlichen Falle.

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Die Anwälte der Morettis weisen die Vorwürfe gegen ihre Mandanten zurück.Bild: keystone

Mängel bekannt, Risiko übersehen

Bei Kontrollen in den Jahren 2018 und 2019 stellte die Gemeinde verschiedene Mängel fest, darunter bauliche Probleme, fehlende Schulungen und keine Evakuationsübungen. Der Betrieb durfte unter Auflagen weitergeführt werden. Der Schaumstoff wurde in den Berichten nicht erwähnt. Nach 2019 fanden keine weiteren Kontrollen mehr statt, die nächste war für das Frühjahr 2026 vorgesehen.

Jacques Moretti erklärte später, er habe selbst einen Brandtest durchgeführt und sei von der Rauchentwicklung überrascht gewesen. Der Schaumstoff wurde dennoch nicht ersetzt. Die Ermittlungen müssen nun klären, wer die Verantwortung trägt. Nach Walliser Recht liegt diese primär beim Betreiber, aber auch Eigentümer und Behörden haben Aufsichtspflichten. Beschuldigt sind derzeit Jacques und Jessica Moretti. Die Staatsanwaltschaft schliesst nicht aus, das Verfahren auf weitere Personen auszuweiten. (mke)

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Die beliebtesten Kommentare
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Kaffee
25.01.2026 20:34registriert Januar 2026
Existiert im Wallis eine Verfahrensanweisung bzgl des Genehmigungsverfahrens von Gaststättenbetrieben?
Qualitätsmanagement, Standards... Irgendetwas?

Diese "das habe ich nicht gewusst" - Einstellung ist gruselig.
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watsoninan
25.01.2026 20:10registriert November 2019
"Jacques Moretti erklärte später, er habe selbst einen Brandtest durchgeführt und sei von der Rauchentwicklung überrascht gewesen."

Uff... Der genaue Wortlaut seiner Aussage könnte für ihn noch problematisch sein.

Denn: "Ob er über die nötigen Kenntnisse der Schweizer Vorschriften verfügte, ist unklar."
Natürlich nicht. Ist das etwa die Anforderung an ein Wirt!?

Dadurch wird seine Aussage etwas problematisch, wenn diese wirklich so oder ähnlich gefallen ist.
Er wusste zumindest ob der starken Rauchentwicklung, welche alleine schon problematisch ist. Das macht es für ihn nicht einfacher...
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ABWESEND
25.01.2026 22:14registriert September 2024
für mich einfach immer noch unbegreiflich, was da für ein totales Behördenversagen herrscht.

dieser Betrieb hätte nie aktiv tätig sein dürfen.

ja, die Besitzer haben es verbaut und lieber aus Profit alles missachtet, was es zu missachten gab. aber hätte die Behörde hier ihre Pflicht vollzogen, hätten niemals Kunden in dieses Lokal gehen können.

ich hoffe sehr, dass es in diesem Fall auch für Behörde und Gemeinde harte Strafen gibt. sie sind mit ihrem Versagen genau so schuldig, wie dies die Besitzer sind.
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