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Die Digitalisierung erhielt dank der Coronakrise einen Schub.
Die Digitalisierung erhielt dank der Coronakrise einen Schub.bild: shutterstock

TV ist König in Schweizer Stuben – aber wohl nicht mehr lange

Digitalisierungsschub und Homeoffice-Effekt: Viel mehr Schweizerinnen und Schweizer nutzen Smartphone und Laptop, zudem erlebt bargeldloses Bezahlen mit dem Handy einen markanten Wachstum. Doch auch Netflix, Spotify und die Social-Media-Plattformen legen zu.
01.09.2020, 16:3001.09.2020, 17:31

Wie steht es um die Mediennutzung in der Schweiz? Die Studie Digimonitor erhebt seit 2014 jährlich die Nutzung von elektronischen Medien und Geräten in der Schweiz. In der heute veröffentlichten Ausgabe 2020 wird ein Digitalisierungsschub und Homeoffice-Effekt festgestellt.

Die wichtigsten Resultate in der Übersicht

  • Digitalisierungsschub bei elektronischen Geräten: Smartphone-User und Laptop-Nutzung nehmen stark zu
  • Alle Social Media Plattformen legen zu. Sogar Facebook erholt sich wieder. TikTok wächst momentan am schnellsten.
  • Netflix knackt mit 400'000 neuen Nutzern die 2 Millionen Grenze. Klassisches Fernsehen hat noch knapp dreimal so viele Zuschauerinnen und Zuschauer.
  • Spotify verzeichnet 300'000 neue Nutzer und hat neu 2 Millionen User.. Das Radio noch fast dreimal so viele.
  • Sprunghafter Anstieg im Corona-Jahr beim bargeldlosen Bezahlen mit dem Handy. 1.8 Millionen Personen bezahlen ihre Einkäufe bargeldlos mit dem Smartphone.
  • Schweizer Bezahl-App Twint ist Marktleader vor Apple Pay oder Google Pay.

So viele Smartphones wie noch nie

Die Smartphone-User in der Schweiz haben innert Jahresfrist markant zugenommen. 600'000 Personen nutzen neu ein Smartphone. Im Jahr 2020 haben nun 5,6 Millionen Personen mit dem Smartphone jederzeit und überall Internetzugang (von 80% auf 88% der Gesamtbevölkerung).

Vor allem die ältere Bevölkerungsgruppe der Über-55-Jährigen (von 54% auf 71%) und die Männer (von 79% auf 90%) nutzen vermehrt ein Smartphone.

Egal ob jung, alt, Mann, Frau: Das Smartphone wird immer wichtiger.
Egal ob jung, alt, Mann, Frau: Das Smartphone wird immer wichtiger.Bild: Shutterstock

Deutlich mehr Laptops

Auch bei den Laptops gibt es einen deutlichen Zuwachs. Eine halbe Million Schweizerinnen und Schweizer nutzen neu mindestens gelegentlich einen Laptop (von 4.3 auf 4.8 Millionen). Im Jahr 2020 nutzen zum ersten Mal mehr Personen einen Laptop (76%) als einen Desktop-PC (69%). (Grafik 2) Auch bei der Laptop-Nutzung haben vor allem die Männer (von 70% auf 82%) und die Über-55-Jährigen (von 45% auf 57%) zugelegt.

Wer erinnert sich noch an diese Zeit? Da waren Laptops noch Utopie.
Wer erinnert sich noch an diese Zeit? Da waren Laptops noch Utopie.bild: shutterstock

TV-Gerät bleibt vorne

Das TV-Gerät ist und bleibt das meistgenutzte elektronische Gerät in der Schweiz. 92% der Gesamtbevölkerung sitzen mindestens gelegentlich vor der «Kiste» (5,9 Millionen Personen). Radio-Geräte werden von 82% der Bevölkerung genutzt (5,2 Millionen).

Radio wird von knapp der Hälfte der Bevölkerung (47%) auch über andere Geräte gehört: über das Smartphone (24%), übers TV-Gerät (24%), auf dem PC/Laptop (20%) oder dem Tablet (4%). Jeder Siebte nutzt das Medium gar täglich.

Auffallend auch: Netflix legt beim Anteil der täglichen Nutzer am deutlichsten zu (7% 2019, jetzt 13%), was fast einer Verdoppelung entspricht. Auch Spotify gehört zu den grossen Gewinnern (10% 2019, jetzt 17%).

Netflix knackt die 2-Millionen-Grenze

Netflix wächst weiter und gewinnt 400'000 Zuschauer dazu, was jetzt ein total von 2,2 Millionen Nutzer macht. Zwar gab es von 2018 bis 2019 einen ähnlichen Wachstumsschub, aber trotzdem hat Netflix während der Corona-Krise nochmals deutlich zugelegt.

Die Zunahme in den letzten Jahren ist sowieso bemerkenswert: Waren es 2015 noch 5% der Bevölkerung über 15 Jahren, sind es 2020 schon 35%. Noch extremer ist das Wachstum bei den 15- bis 24-Jährigen. Drei Viertel schauen in jener Altergruppe mindestens ab und zu Netflix.

Die neueren Video-Dienste wie Disney+ (5%), Twitch (5%), Apple TV Plus (4%) oder Amazon Prime (2%) liegen aber noch weit hinter der Nutzung von YouTube (74%) oder Netflix (35%).

Auch Kinos werden trotz Netflix und Corona weiterhin besucht. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung war in den letzten 6 Monaten mindestens einmal im Kino. Noch beliebter ist Kino bei den Jüngeren: 70% der Personen unter 25 Jahren gehen pro Halbjahr mindestens einmal ins Kino, ein Grossteil davon mehrmals.

Spotify: Bezahl-Abos bei den Jungen im Vormarsch

Spotify gewinnt im letzten Jahr 300'000 neue User. Die Hälfte davon ist über 55 Jahre alt. Damit nutzen jetzt zwei Millionen den Dienst, wovon 1,2 Millionen dafür bezahlen. Bereit für ein Bezahl-Abo sind vor allem die 20- bis 30-Jährigen Nutzer.

Trotz Musikstreaming bleibt Radio in der Schweiz beliebt. Mit 5,7 Millionen Personen hat Radio fast dreimal so viele Hörerinnen und Hörer wie Spotify. Auch jüngere Personen hören weit verbreitet Radio. Mehr als 80% der Personen unter 25 Jahren hören Radio, nicht ganz die Hälfte sogar täglich.

So ungefähr sah Spotify in den 1980er Jahren aus.
So ungefähr sah Spotify in den 1980er Jahren aus.bild: shutterstock

TikTok der Social-Media-Überflieger

2020 scheinen die Schweizerinnen und Schweizer mehr Zeit für Social Media zu haben. Alle Social Media Plattformen gewinnen neue Nutzer hinzu. Facebook und Instagram erzielen je 350'000 neue User. Damit erholt sich Facebook vom Einbruch im letzten Jahr. Mit 3,0 Millionen nutzt nun nicht ganz die Hälfte der Gesamtbevölkerung (46%) wenigstens ab und zu Facebook.

2,1 Millionen oder ein Drittel (33%) der Bevölkerung ist gelegentlich auf Instagram. Instagram ist vor allem bei den jungen Personen unter 25 Jahren beliebt: 82% der Jüngeren nutzen Instagram, nur noch 34% Facebook.

Das steilste Wachstum weist TikTok aus. Die Anzahl «TikTokerinnen» und «TikToker» hat sich gegenüber dem Vorjahr fast verfünffacht. Von den total 370'000 TikTok-Usern in der Schweiz sind die meisten noch keine 25 Jahre alt, weiblich und in Ausbildung. Jede dritte Frau unter 25 Jahren «tiktokt» (34%). Bei der Gesamtbevölkerung ist TikTok aber noch nicht angekommen: nur 6% nutzen ab und zu TikTok.

Smartwatches legen zu, Smart Speaker nicht

Das Tragen einer Smartwatch wächst um 200'000 Nutzer. Nun tragen knapp 700'000 Personen (11%) eine Smartwatch am Handgelenk. Nur die sprachgesteuerten Lautsprecher haben nicht vom Boom bei den elektronischen Geräten profitiert. Wie im Vorjahr sprechen weniger als 3% der Bevölkerung wenigstens gelegentlich mit einem Smart Speaker wie Amazon Echo, Google Home oder Apple HomePod. Das entspricht nur 160'000 Personen in der Schweiz.

Sprunghafter Anstieg beim Bezahlen mit dem Handy

Ein deutlicher Anstieg zeigt sich beim Einsatz des Smartphones, um kontaktlos Einkäufe zu bezahlen. Das bargeldlose Bezahlen mit Handy wächst in allen Bevölkerungsgruppen.

Die Nutzung ist jedoch stark abhängig vom Alter, Geschlecht und Einkommen: je jünger, je männlicher und je höheres Einkommen, desto eher werden Einkäufe mit dem Handy bezahlt.

Rund 650'000 Personen haben im Corona-Jahr das bargeldlose Bezahlen mit Handy neu für sich entdeckt. 1,8 Millionen Personen (28%) in der Schweiz nutzen nun mobile Bezahlmöglichkeiten (2019 noch nicht ganz 1,2 Millionen).

Rund ein Drittel der Schweizer Bevölkerung nutzt mindestens gelegentlich mobile Bezahldienste wie Twint, Apple-, Google- oder Samsung-Pay. Die grosse Mehrheit davon nutzt die Schweizer App Twint.

Daten und Quelle
Die Studie Digimonitor erhebt seit 2014 jährlich die Nutzung von elektronischen Medien und Geräten in der Schweiz. Die Daten sind repräsentativ für die gesamte Bevölkerung in der Deutsch- und Westschweiz ab 15 Jahren, weil auch Offliner und Personen ohne Festnetzanschluss befragt werden. Die Telefonbefragung fand von Anfang April bis Ende Mai 2020 statt. Im Auftrag der Interessengemeinschaft elektronische Medien IGEM und der WEMF befragte das Link Institut 1’759 Personen, davon 1’008 in der Deutschschweiz und 751 in der Romandie. Das Vertrauensintervall liegt bei maximal +/- 2.3 Prozentpunkten.Die Resultate stehen IGEM-Mitgliedern kostenlos zur Verfügung. Nicht-Mitglieder können die Studie für CHF 5000.- beziehen. Mehr Infos auf www.igem.ch.

(fox)

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15 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Suchlicht
01.09.2020 19:36registriert August 2015
Interessant finde ich den Vergleich Teletext vs. Twitter. Die Reichweite von Twitter in der allgemeinen Bevölkerung wird m.E. massiv überschätzt bzw. die Twitterblase ist doch kleiner, als gedacht.
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Digitalrookie
01.09.2020 18:37registriert September 2017
Teletext? Das gibt's noch? Dann bin ich als Boomer ja nicht mehr "up to date", denn auf der Apple TV-Box finde ich weit und breit keine solche Funktion...
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