Schweiz
Energie

Bund wollte Solarpanels an Schweizer Autobahnen: Bis heute gibt es keine

Solaranlage Autobahn A5 Yverdon Juli 2025
An der A5 bei Yverdon-les-Bains im Kanton Waadt hat es geklappt: Im Juli 2025 wurden hier Solarpanels entlang der Autobahn installiert – wenn auch nicht im Rahmen der Offensive. Bild: keystone

Nicht so einfach wie gedacht: Solarstrom von der Autobahn lässt auf sich warten

Entlang von Autobahnen soll Solarstrom produziert werden. Das Projekt wurde 2022 lanciert. Doch bis heute ist noch nichts umgesetzt. Die zuständigen Unternehmen trafen auf unerwartete Hürden.
30.03.2026, 10:3230.03.2026, 11:37

Die damalige Umweltministerin Simonetta Sommaruga hat 2022 die Solaroffensive lanciert. Die Idee: Autobahnabschnitte mit Solarpanels zu überdachen oder Solaranlagen an Lärmschutzwänden zu installieren. Damit hätte Strom bis zu 140 Gigawattstunden pro Jahr respektive für 38'000 Haushalte produziert werden sollen. 350 Lärmschutzwände und 100 Rastplätze standen dafür zur Verfügung.

Nun läuft die Frist für die Umsetzung der Anlagen bald ab. Viele Firmen hatten sich für die Projekte beworben, umgesetzt ist bis heute aber nichts, wie die NZZ schreibt. Drei Projekte haben zwar eine Baubewilligung, Solarpanels sucht man dort aber vergeblich.

«Die Installation solcher Anlagen ist deutlich komplexer und aufwendiger, als wir erwartet haben.»

Auf das grosse Interesse bei der Lancierung der Solaroffensive hat sich Ernüchterung eingestellt. «Unsere Projekte werden nicht weiterverfolgt», heisst es etwa bei Energie 360°, das Pläne für 75 Standorte in den Kantonen Aargau, Solothurn und Bern hatte.

Ein E-Autos wird an einer Schnelladestation des Betreibers GoFast auf dem Autobahn-Rastplatz Oftringen Ost geladen, fotografiert am Donnerstag, 14. Juli 2022. Die fuenf Meter hohe Stahldachkonstruktio ...
Energie 360° hat Erfahrung mit Solar: Diese E-Auto-Schnellladestation an der A1 von der Tochterfirma GoFast ist mit Solarpanels ausgestattet.Bild: KEYSTONE

Noch nicht ganz aufgegeben hat das Unternehmen Rhiienergie, das Lärmschutzwände an der A13 mit Solarpanels versehen wollte. Doch auch hier räumt man ein: «Die Installation solcher Anlagen ist deutlich komplexer und aufwendiger, als wir erwartet haben.»

Das Problem: Die Panels können nicht einfach an den Lärmschutzwänden aufgehängt werden. Damit die Tragfähigkeit gewährleistet bleibt, wären bauliche Massnahmen nötig. Eine einheitliche Lösung gibt es nicht, schreibt die «NZZ».

Hinzu kommt die veränderte Marktsituation. Bei der Lancierung des Projekts war gerade der Ukraine-Krieg ausgebrochen, die Strompreise schnellten damals in die Höhe. Mittlerweile hat sich der Markt wieder etwas erholt, weshalb die Solaranlagen an den Autobahnen kaum mehr wirtschaftlich wären.

Abnehmer fehlen

Schliesslich stellt sich auch die Frage, wer den Strom dann abnimmt, sollte er einmal doch produziert werden. Eine Einspeisung ins Netz lohnt sich nicht. Und das Gesetz sieht vor, dass nur Unternehmen in Frage kommen, die über 100'000 Kilowattstunden pro Jahr verbrauchen.

Bei Rhiienergie hat man einen anderen Vorschlag: Das Bundesamt für Strassen (Astra) soll den Strom direkt abnehmen und damit Tunnelbelüftungen oder Strassenbeleuchtungen betreiben. «Da bei Eigenverbrauch keine Netzgebühren anfallen, wäre dieser Strom auch vergleichsweise günstig», erklärt Geschäftsführer Christian Capaul gegenüber der Zeitung.

Laermschutzwaende aus Holz schuetzen die Bewohner der nahgelegenen Haeuser vor dem Laerm der Autobahn A1, fotografiert am 24. Juni 2021 in Safenwil, Kanton Aargau. Teile der Laermschutzwand bestehen a ...
An der A1 gab es schon vor der Solaroffensive des Bundes Photovoltaik-Anlagen, zum Beispiel hier in Safenwil AG.Bild: keystone

«Wir erwarten, dass der Bund seine Vorbildfunktion bei den Erneuerbaren wahrnimmt und den an Autobahnen produzierten Sonnenstrom selber abnimmt», fordert auch Thomas Nordmann, Chef von TNC Consulting. Doch das Astra winkt ab. Dies, weil es selbst Solaranlagen auf Tunnelzentralen und Nationalstrassen-Galerien plant, um damit die eigene Infrastruktur zu betreiben.

Dennoch zeigt man beim Astra Verständnis für die unerwarteten Hürden. Es habe sich gezeigt, dass die Umsetzung anspruchsvoll sei und ein Teil der Projekte deshalb nicht fristgerecht umgesetzt werden könne. «Wir haben die betroffenen Unternehmen kontaktiert, um den Projektstand sowie das Interesse an einer Verlängerung der Reservationsfrist zu klären», erklärt Sprecherin Martina Wirth der NZZ. Die Firmen sollen damit mehr Zeit für die Umsetzung erhalten. (vro)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Solar-Elektroauto Lightyear One
1 / 8
Solar-Elektroauto Lightyear One
quelle: lightyear
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Die herzigste Solaranlage der Welt steht in China
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
26 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
El Vals del Obrero
30.03.2026 11:47registriert Mai 2016
Man weiss nicht, wer den Strom abnehmen soll, will aber trotzdem neue AKWs bauen.

Sobald es um Energie geht, sind plötzlich die "bürgerlichen" und rechten die eigentlichen Kommunisten.
418
Melden
Zum Kommentar
avatar
Price31
30.03.2026 11:55registriert Dezember 2020
So wird das aber nichts mit der Energiewende!
320
Melden
Zum Kommentar
avatar
neoliberaler Raubtierkapitalist
30.03.2026 10:49registriert Februar 2018
Photovoltaikstrom gibt es bei gutem Wetter im Überfluss. Er rechnet sich nur noch, wenn man ihn grossmehrheitlich selbst verbrauchen kann und sich so den teuren Netzstrom und Netzentgelte spart.
223
Melden
Zum Kommentar
26
Die grossen Probleme beim Bau der vier letzten AKWs in Europa
Die Schweiz kann auch ohne neue Atomkraftwerke genug Strom im Winter produzieren. Zu diesem Schluss kommen 50 Energieexperten der Axpo in einer neuen Studie. Ohne Effort geht es aber nicht. Die Solar- und vor allem die Windstromkapazität muss im grossen Stil ausgebaut werden.
Zur Story