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ETH-Analyse: Es hat genug Platz für Solar und Windkraft in der Schweiz

Blick auf die Baustelle von "Alpin Solar", aufgenommen am Donnerstag, 19. August 2021, in Linthal. Der Stromkonzern Axpo baut an der Muttsee-Staumauer die groesste alpine Solaranlage der Sch ...
Blick auf «Alpin Solar», die Solaranlage der Axpo an der Muttsee Staumauer mit fast 5000 Solarmodulen. Die Anlage produziert pro Jahr 3,3 Millionen Kilowattstunden Strom.Bild: keystone

ETH-Analyse zeigt: Es hat genug Platz für Solar und Windkraft in der Schweiz

Drei Jahre haben Wissenschafter aus verschiedenen Bereichen ein Projekt vorangetrieben, das die CO2-Emissionen auf null bringen will. Das Fazit: Erneuerbare Energien funktionieren ohne Beeinträchtigung der Artenvielfalt.
10.03.2026, 04:3810.03.2026, 04:38
Bruno Knellwolf
Bruno Knellwolf

Weg vom Erdöl bis 2050 lautet die Mission. Die Zeit drängt, um auf Null zu kommen, braucht es nun ganz viel Speed. Speed2Zero heisst dann auch eine Initiative führender Schweizer Universitäten und Institute unter Leitung der ETH Zürich, die dabei helfen soll. «Unser Projekt hat zum Ziel, Klima, Energie und Biodiversität gemeinsam zu bearbeiten», sagt Reto Knutti, Klimatologe an der ETH Zürich.

Es gehe darum, das Wissen in konkrete Handlungsmöglichkeiten zu übersetzen und Hilfsmittel bereitzustellen. Die Schweiz sei eines der innovativsten und reichsten Länder mit ausgezeichnet ausgebildeten Arbeitskräften. Trotzdem komme das Land Schweiz nicht schnell genug vorwärts, weil es an Bündelung des Wissens und der Umsetzung fehle.

Die ersten Resultate von «Speed2Zero» zeigen das Potenzial von neuen Technologien, wie der CO₂-Einlagerung im Boden oder pflanzenbasierten Dämmstoffen. Ausserdem haben Modelle das europäische Stromnetz und das Klima gleichzeitig berechnet und zeigen, dass man das Energiesystem der Zukunft gegen extreme Wetterereignisse absichern muss.

Webtool, um Orte für Solar- und Windenergieanlagen zu finden

Für jedermann abrufbar ist das interaktive Webtool Swiss-Solar-Wind-Explorer der ETH Zürich. «Es ermöglicht eine Analyse anhand verschiedener Kriterien aus den Kategorien Energie, Biodiversität und Landschaft für Freiflächen-Photovoltaik und Windenergie», erklärt Marc Preusser von der ETH.

Das Tool berücksichtigt gesetzliche Vorgaben, technische Einschränkungen sowie Aspekte wie Biodiversität und Landschaft. «Damit können Nutzerinnen und Nutzer auf Gemeindeebene nachvollziehen, welche Flächen grundsätzlich für Photovoltaik oder Wind geeignet erscheinen und wo Zielkonflikte bestehen», sagt Preusser.

Im Bereich Energie geht es zum Beispiel um Wind- oder Sonnenertrag und technische Voraussetzungen wie zu steile Hangneigungen oder ein ungeeigneter Untergrund. Bei der Biodiversität werden Schutzgebiete und ökologisch wertvolle Flächen als Kriterien einbezogen. Im Bereich Landschaft spielen unter anderem das Landschaftsbild und sensible Räume eine Rolle. Der Explorer eignet sich vor allem für eine erste, strategische Einschätzung.

Wichtig: Der Explorer zeigt vor allem auch, dass es ein genügend hohes Potenzial von erneuerbarer Energie gibt, und man dafür weder auf Schutzgebiete noch auf andere für die Biodiversität besonders wertvolle Gebiete zurückgreifen muss. «Photovoltaik und Windenergie können in Gebieten gebaut werden, in denen sie nur geringe Effekte auf die Artenvielfalt haben», sagt Altermatt.

Die Baustelle des alpinen Solarkraftwerkes Madrisa Solar, aufgenommen am Freitag, 8. August 2025, in Klosters. Madrisa Solar ist ein alpines Projekt der Gemeinde Klosters, EKZ und Repower. Die Madrisa ...
Die Baustelle des alpinen Solarkraftwerkes Madrisa Solar in Klosters mit 3170 Solartischen, die 2027 Strom liefern sollen.Bild: keystone

«Eine weitere Erkenntnis von ‹Speed2Zero› ist, dass die Akzeptanz einer Kombination von Photovoltaik und Landwirtschaft grösser ist als jene der Photovoltaik in den Bergen», erklärt Knutti. Es zeigt sich zudem, dass über 50 Prozent der benötigten erneuerbaren Energien auf bestehenden Infrastrukturen gebaut werden können: zum Beispiel Photovoltaik auf Dächern und über Parkplätzen. Ganz reichen wird das nicht, in der Landwirtschaft und in den Alpen wird ebenfalls zugebaut werden müssen, um auf fossile Treibstoffe verzichten zu können.

Bei «Speed2Zero» sind die Modelle darauf ausgerichtet, nicht nur die aktuelle Situation zu berücksichtigen. Diese neuen Modelle zeigen mit der Verrechnung von Klima-, Energie- und Artenschutzszenarien, wo in Zukunft die besten Schutzgebiete entstehen müssen.

Beste Beschreibung der Artenvielfalt in der Schweiz

Entwickelt wurde zudem ein Modell, welches das aktuelle und zukünftige Vorkommen von 7500 Tier- und Pflanzenarten zeigt. Wo sie verschwinden oder sich ausbreiten werden, und wo welche Flächen wichtig sind, um das Verschwinden zu verhindern. «Das Modell ist wohl eine der umfangreichsten Beschreibungen der Artenvielfalt in der Schweiz», sagt Altermatt.

Das Projekt Speed2Zero wird wegen der Sparmassnahmen des Bundes nicht direkt weitergeführt. «Aber viele Ideen leben in anderen Projekten weiter», sagt Knutti. Die Themen Energie, Biodiversität und Klima müssten gemeinsam bearbeitet und in die Praxis übersetzt werden. «Auch wenn die Themenkonjunktur im Moment von Geopolitik, Sicherheit oder KI dominiert wird», sagt Knutti. Langfristig sei es günstiger, unabhängig von Öl und Gas zu sein, weil das der Umwelt nütze, und Innovation und Wertschöpfung im eigenen Land ermögliche.

«Die heutigen Massnahmen zur Umsetzung sind aber ungenügend, wir werden schon die Ziele für 2030 nicht erreichen», sagt der ETH-Klimatologe. Zudem wolle die Schweiz einen substanziellen Anteil im Ausland kompensieren – obwohl klar sei, dass die meisten dieser Projekte nicht leisten, was sie versprechen. Oder auch ohne Schweizer Geld realisiert worden wären, sagt Reto Knutti.  Wenn wir jedoch eine sichere Energieversorgung in der Schweiz wollten, müsse man auch die dafür notwendige Infrastruktur wie Solar- und Windanlagen akzeptieren. (aargauerzeitung.ch)

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