Am Freitag ist die Bewerbungsfrist für Schweizer Städte abgelaufen, die den Eurovision Song Contest (ESC) im nächsten Jahr austragen wollen. Nach Nemos Sieg ist die Schweiz respektive die SRG 2025 Veranstalterin. Dossiers eingereicht haben die Städte Bern, Genf, Basel und Zürich. So stehen ihre Chancen.
Die Kandidatur: Die Bundesstadt will den ESC in der Neuen Festhalle austragen und Nebenveranstaltungen in Biel. Bern rechnet mit Kosten von 40,4 Millionen Franken, davon 27 Millionen Franken für die Sicherheit. Diese will die Stadt an den Kanton überwälzen – und der wiederum grösstenteils an den Bund. Dieser soll mindestens 16 Millionen Franken berappen.
Die Vorteile: Bern liegt zentral und ist der Heimatkanton von Nemo. Die Stadt bewirbt ihr Konzept als nachhaltig und redimensioniert. Im politischen Prozess ist Bern relativ weit: Das Stadtparlament wird am 4. Juli über die Beteiligung der Stadt in der Höhe von 7 Millionen Franken entscheiden. Das kantonale Parlament tagt allerdings erst wieder im September.
Die Nachteile: Die Neue Festhalle soll erst am 31. März 2025 fertiggestellt werden – just dann, wenn sie für die ESC-Produktion schon zur Verfügung stehen muss. Dieses Risiko dürfte der SRG und der European Broadcasting Union (EBU) zu gross sein, abgesehen davon, dass die EBU eine deutlich grössere Halle mit einer Kapazität von mindestens 15'000 Zuschauern ins Pflichtenheft geschrieben hat. Diese Anforderung wird keine Halle erfüllen, auch nicht das Zürcher Hallenstadion. Das spezielle Layout des ESC nimmt nämlich viel Fläche weg. Die EBU bevorzugt dennoch auch wegen der Ticketeinnahmen eine möglichst grosse Arena. Ein weiterer Nachteil der Bewerbung: Dass Bundesgelder fliessen, ist eher unrealistisch. Eine Beteiligung des Bundes stehe «nicht im Vordergrund», sagt Sprecher Christoph Lenz vom Eidgenössischen Departement des Innern. Schliesslich generiere der ESC eine hohe Reichweite. Der Bundesrat werde sich «zu einer allfälligen konkreten Anfrage» äussern.
Fazit: Ein ESC in Bern scheint unwahrscheinlich.
Die Kandidatur: Offiziell vorstellen wird Basel-Stadt die Kandidatur erst nächste Woche. Bereits bekannt ist, dass er entweder auf die St.Jakobshalle setzt oder auf eine Austragung im Fussballstadion. Auch Basel rechnet mit Kosten in zweistelliger Millionenhöhe.
Die Vorteile: Basel-Stadt ist finanzkräftig und will den ESC unbedingt. Das kantonale Parlament kann anders als jene der Städte Zürich und Bern hohe Beträge bewilligen, ohne dass diese einem obligatorischen Referendum unterstehen. Für ein solches würde keine Zeit bleiben - wie in allen Städten.
Die Nachteile: Die Überdachung des Fussballstadions gilt vielen Branchenexperten als unrealistische Lösung. Die St.Jakobshalle müsste wegen ihrer eher tiefen Dachlast verstärkt werden. In beiden Fällen blieben – ähnlich wie in Bern – Ausführungs- und Terminrisiken.
Fazit: Grössere Chancen als Bern, Basel bleibt aber eher Aussenseiter.
Die Kandidatur: Die zweitgrösste Stadt der Schweiz will den ESC in den Palexpo-Hallen austragen. Genf sei «die internationale Stadt schlechthin», heisst es in einer Mitteilung der Behörden vom Freitag. Sie verfüge über die ideale Infrastruktur, sei eine sehr aktive Kulturstadt und sei erfahren in der Ausrichtung internationaler Grossveranstaltungen. Die kantonalen und städtischen Exekutiven wollen zusammen 30 Millionen Franken investieren.
Die Vorteile: Die Messehallen sind riesig, der Flughafen Genf liegt in Gehdistanz zum Austragungsort. Zudem verfügt Genf nach Zürich über die höchsten Hotelkapazitäten der Schweiz. Das Argument, dass die Stadt als Sitz vieler internationaler Organisationen die Werte des Wettbewerbs vertritt, ist nicht von der Hand zu weisen. Ausserdem hat nicht nur das Westschweizer Fernsehen RTS, sondern auch die EBU als Mitveranstalterin ihren Sitz in Genf.
Die Nachteile: In eine Messehalle müsste ein Konzertsaal eingebaut werden. Zudem können die Parlamente von Stadt und Kanton frühestens Anfang September respektive Ende August über eine Finanzierungsvorlage entscheiden, denn beide sind schon in der Sommerpause.
Fazit: Klarer Mit-Favorit.
Die Kandidatur: Zürich will den ESC im Hallenstadion austragen. Die Stadt ist bereit, 20 Millionen Franken zu investieren und die wohl hohen Kosten der Stadtpolizei nicht zu verrechnen. Der Kanton will 5 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds beisteuern sowie Leistungen der Kantonspolizei im Umfang von 3 Millionen Franken. Gemunkelt wird, dass Zürich Tourismus viele Dienstleistungen nicht verrechnen wird.
Die Vorteile: Das Hallenstadion ist die grösste Indoor-Halle der Schweiz, in der schon etliche TV-Produktionen stattgefunden haben. Die Produktionsabteilung des SRF, die den Anlass produzieren könnte, liegt praktisch gegenüber – ein logistischer Vorteil. Zudem stehen die Flächen der angrenzenden Messe zur Verfügung. Zürich hat am meisten Hotelbetten, den grössten Flughafen und am meisten Erfahrung mit Grossevents wie der Street Parade, der Leichtathletik-EM 2014 oder der diesjährigen Rad-WM. Der politische Prozess ist weit: Das Stadtzürcher Parlament entscheidet am 3. Juli über den ESC-Betrag, der Kantonsrat könnte das Geschäft ebenfalls noch vor den Sommerferien behandeln.
Die Nachteile: Basel-Stadt könnte wegen höherer Budgetkompetenzen seines Parlaments mehr Geld investieren als Zürich, Genf bewirbt sich als internationaler. Dass die Zürcher Bewerbung keinen Zustupf an die Produktionskosten der SRG vorsieht, könnte ins Gewicht fallen. Ob der Anti-Zürich-Reflex eine Rolle spielt, ist schwer zu beurteilen.
Fazit: Favorit – die grösste Konkurrenz heisst Genf. (aargauerzeitung.ch)
Klar, den Bernern reichen die 1,2 Milliarden der anderen Kantone nicht