Hitze: SVP-Nationalrat Burgherr will Bewilligung für Klimaanlagen abschaffen
Die Schweiz ächzt unter Hitze – und der Aargauer SVP-Nationalrat Thomas Burgherr reagiert mit einer neuen Forderung. Er will den Einbau von Split-Klimaanlagen in der Schweiz massiv erleichtern.
Der 63-Jährige hat dazu eine parlamentarische Initiative eingereicht. Künftig sollen solche Anlagen ohne Bewilligung installiert werden dürfen.
Holzbau-Unternehmer Burgherr begründet seinen Vorstoss mit der Hitze und den steigenden Temperaturen in Wohnungen, Büros, Hotels und Industriebetrieben. «Die Schweizer Wirtschaftsleistung leidet unter nicht gekühlten Räumen», schreibt er in seinem Initiativtext.
Konzentration leidet, Unfallgefahr steigt
Arbeitnehmer würden wegen der Hitze in Schlafzimmern unausgeschlafen am Arbeitsplatz erscheinen. In den Büros sinke wegen der hohen Temperaturen die Konzentration. Und in Industriebetrieben werden Unfälle wegen der Hitze wahrscheinlicher. Burgherr blickt auch auf die Tourismusbranche: Hotelgäste seien wegen schlecht klimatisierter Zimmer unzufrieden.
Split-Geräte bestehen aus zwei Einheiten, die durch eine dünne Leitung miteinander verbunden sind: Das Innengerät im Gebäude bläst gekühlte Luft aus. Das Aussengerät, oft an der Fassade angebracht, gibt Wärme im Freien ab.
Kantone mit unterschiedlichen Anforderungen
Der Einbau von Klimageräten in Gebäude sei heute oft nur mit einer Bewilligung möglich. Die Kantone stellen bauliche Anforderungen zu Brand- und Lärmschut, aber auch zum Wärmeschutz von Räumen oder technische Anforderungen an die Energieeffizienz der Klimageräte.
Weil feste Klimaanlagen oft bewilligt werden müssen, greifen viele Haushalte und Firmen zu mobilen Geräten, schreibt Burgherr. Diese sind für einige hundert Franken im Baumarkt zu haben. Doch sie sind ineffizient – und haben einen sehr hohen Stromverbrauch. «Dieser Missstand soll behoben werden», schreibt der SVP-Politiker.
Der Nationalrat verweist zudem auf technische Fortschritte. Moderne Klimageräte würden heute nicht mehr grundsätzlich als schlecht für die Umwelt gelten.
Genug Strom dank Solaranlagen vorhanden
Durch Klimaanlagen steigt zwar der Stromverbrauch. Dieses mögliche Gegenargument greift Burgherr gleich selbst auf, um es zu entschärfen. Es gebe inzwischen «unproblematische Kältemittel». Und dank der vielen Photovoltaikanlagen sei im Sommer doch genügend Strom vorhanden.
Seine Initiative fordert konkret, dass der Einbau von Split-Klimaanlagen ohne Bewilligung möglich wird. Zudem soll die heute geltende Obergrenze von 12 Watt Kühlleistung pro Quadratmeter aufgehoben werden. Der Bundesrat soll die Möglichkeit erhalten, Ausnahmen in einer Verordnung festzulegen.
SP-Nationalrätin: Andere Massnahmen sinnvoller
Burgherrs Forderung stösst bei SP-Nationalrätin Gabriela Suter nicht auf Zustimmung. Sie sieht zwar ebenfalls Handlungsbedarf wegen der Hitze. Die Bewilligungspflicht grundsätzlich infrage zu stellen, sei aber der falsche Weg.
«Gerade wegen möglicher Lärmbelastungen für die Nachbarschaft müssen Klimaanlagen auch künftig möglichst nicht störend aufgestellt werden», sagt Suter. Auswirkungen solcher Anlagen müssten weiterhin geprüft werden. Zudem seien für Vorschriften im Gebäudebereich in erster Linie die Kantone zuständig. Sie müssten über «eine allfällige massvolle Lockerung entscheiden».
Burgherrs Hinweis auf die steigende Produktion von Solarstrom im Sommer weist Suter nicht zurück. Trotzdem sei es energie- und gesundheitspolitisch sinnvoller, Gebäude so zu bauen oder zu sanieren, dass sie sich gar nicht erst stark aufheizen.
Klimaanlagen würden künftig «leider wohl nötig sein», etwa in Gebäuden mit besonders vulnerablen Menschen. Als nachhaltigere Lösung sieht Suter jedoch den passiven Hitzeschutz – mit Beschattung, Begrünung, hellen Materialien und einer kompakten Bauweise. «Das spart Energie und verursacht keinen zusätzlichen Lärm», sagt sie. In Neubauten setzt Suter zudem auf reversible Wärmepumpen, die im Sommer effizient kühlen können.
Ob Burgherrs Klimagerät-Offensive Erfolg hat, ist offen. Zuerst müssen die zuständigen Kommissionen entscheiden, ob sie dem Vorstoss überhaupt grünes Licht geben. Dann könnte das Parlament eine Gesetzesänderung ausarbeiten. (schweizheute.ch)
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