Schweiz
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Als würde er noch einmal bei uns vorbeischauen: Peter Liechti. Bild: EPA/KEYSTONE

Zürich nahm Abschied von Peter Liechti

Trauerfeier für einen Lichtblick



Draussen war es schön und drinnen war es traurig. Denn im übervollen Zürcher Filmpodium an der Nüschelerstrasse waren sie am Mittwochmittag noch einmal zusammengekommen, die Fans und Freunde und Weggefährten von Peter Liechti, der am 4. April verstorben war. Der Regisseur mit dem Liechti-Blick. Der Lichtblick. 

Der Schauspieler Stefan Kurt («Akte Grüninger») las aus Liechtis Essays, und eine beschwichtigende Heiterkeit legte sich über den Saal. «Ich mag die Hässlichkeit, solange sie erstens nicht protzig, zweitens nicht gemein und drittens keine Frau ist», hatte Liechti einmal geschrieben. Und über das «Drama des Schweizer Films», das sich «in der Entdramatisierung seiner Exponenten» zeige. Nämlich in all den Filmschaffenden, die sich nach ersten Erfolgen sofort in zahme, verständnisvolle Onkel und Tanten der Nation verwandeln würden. Dass sich in der Schweiz also unvermeidlich eine «Frühvergreisung der Stars» einstellen würde, diese geistige «Frühpensionierung», die sich Reife nennt. Mit grosser Wahrscheinlichkeit sassen ein paar der gescholtenen Pensionisten mit im Saal.

Schnitzel, Wein und viele Würste

Acht Schnitzel, erzählte der junge Regisseur Benny Jaberg, seien ihm und Liechti einst aus Versehen in München aufgetischt worden, und natürlich hätten sie alle acht gegessen. Und Jean Perret, der ehemalige Leiter des Dokumentarfilmfestivals in Nyon, der «Visions du réel», erzählte, wie er und Liechti einmal in Japan einen buddhistischen Mönch besucht hatten, der einen vorzüglichen französischen Weinkeller besass. «Peter war alles andere als ein Griesgram, stattdessen schlug er Funken in die Dunkelheit», sagte Jaberg mit belegter Stimme, und da stieg es einem in die Augen, das Wasser, das man bisher mit Lachen hatte bändigen können.

Dass Liechtis letzter filmischer Blick sein engster bleiben musste, ist angesichts der Anekdoten aus aller Welt umso trauriger. Er ging nämlich, so erzählte Perret, nur noch gerade aus seinem Spitalfenster hinaus. Was er dort sah, hat er für sein Projekt «Dedications» gesammelt. Vollenden konnte er es nicht mehr.

Musiker spielten Musik aus seinen Filmen, etwa die «Six Melodies» von John Cage aus «Vaters Garten», Filmstills wurden gezeigt, und es wurde einem weit ums Herz, man folgte  Liechti in eine surreale, lichte Welt hinaus. Dorthin, wo sich die Endlichkeit des Lebens in einer Unendlichkeit der Bilder aufzulösen scheint. Dorthin, wo Peter Liechti jetzt vielleicht ist.

Drinnen war es schön und traurig, draussen war es schön. Und als alle genug Reden gehört hatten, ging es gemeinsam in die Gessnerallee. Wo viele Würste warteten. Wie es Peter Liechti, dem gebürtigen St. Galler, gewiss ganz gut gefallen hätte.

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