DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Der Pfingst-Rueckreiseverkehr Richtung Norden staut sich auf der Autobahn A2 vor dem Suedportal des Gotthard-Tunnels bis auf sechs Kilometer mit einer Wartezeit von etwa anderthalb Stunden, hier auf der Hoehe der Raststaette

Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs würde auch den Individualverkehr entlasten.

Anstatt mit Bus und Zug fahren mehr Menschen mit dem Auto – das will der Bund jetzt ändern

Der Bund will das Autofahren unattraktiver machen, damit mehr Menschen auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen.



Wer nutzt wann, wo und für welchen Zweck ein bestimmtes Verkehrsmittel? Am Mittwoch haben der Verband öffentlicher Verkehr (VöV), der Informationsdienst für den öffentlichen Verkehr (Litra) zusammen mit dem Bundesamt für Raumentwicklung (Are) eine Studie vorgestellt, die den Modalsplit im Personenverkehr der Schweiz unter die Lupe genommen hat.

Nach einer Wachstumsphase bis 2005 stagnierte der Anteil des öffentlichen Verkehrs am gesamten Personenverkehrsaufkommen seit zehn Jahren, wie Zahlen des Bundesamts für Statistik belegen. 13 Prozent der Verkehrswege würden (Stand 2015) im öV zurückgelegt, beim motorisierten Individualverkehr (MIV) betrage der Anteil 50 Prozent. Auf zurückgelegte Kilometer übertragen beträgt der öV-Anteil laut der Studie 28 Prozent, gegenüber 65 Prozent beim MIV.

Zeitliche und regionale Unterschiede

Aufgrund der Erkenntnisse aus der Studie haben Litra-Präsident Martin Candinas und VöV-Direktor Ueli Stückelberger Massnahmen skizziert, wie der öV-Anteil nach Jahren der Stagnation wieder auf Wachstumskurs gebracht werden kann. Um griffige Massnahmen zur Steigerung des öV-Anteils vorschlagen zu können, legte die Studie einen speziellen Fokus auf regionale und zeitliche Unterschiede bei der öV-Nutzung. Diese sind zum Teil beträchtlich, wie die Resultate zeigen.

Wenig überraschend sei, dass öffentliche Verkehrsmittel in dicht besiedelten Agglomerationen deutlich reger genutzt würden als in periurbanen oder in ländlichen Gebieten. Hoch sei der Nutzungsanteil mit Werten von deutlich über 20 Prozent namentlich im «goldenen Dreieck» zwischen Basel, Bern und Zürich, während dieser in Graubünden, in der Zentralschweiz, im Wallis, Tessin und in der Westschweiz wesentlich tiefer liege.

Laut der Studie sind nicht nur topografische Gründe und die Angebotsqualität für diese Unterschiede verantwortlich. Eine Rolle spielten auch die Mentalität und sonstige Präferenzen der Nutzer. Dies offenbare sich beim Direktvergleich der beiden periurbanen Räume Oberes Baselbiet und Gros-de-Vaud bei Lausanne. In der Deutschschweizer Region würden öffentliche Verkehrsmittel wesentlich stärker genutzt als im französischsprachigen Pendant.

Markante Unterschiede bei der Wahl der Verkehrsmittel zeigten sich auch im zeitlichen Vergleich und bei unterschiedlichen Verwendungs-Hintergründen: So stiegen etwa viele öV-Pendlerinnen und -Pendler aufs Auto um, wenn sie sich, vornehmlich an den Wochenenden, in ihrer Freizeit fortbewegen.

Massnahmen für ländliche Regionen

Litra und VöV leiten aus der Studie nun Forderungen für die Erhöhung des öV-Anteils ab. Namentlich postulieren sie eine «gute Koordination von Raum- und Verkehrsplanung», wie sie an der Medienkonferenz vom Mittwoch sagten. Gefordert werden insbesondere Ausbaumassnahmen ausserhalb der grossen Agglomerationen, auf die sich die Verkehrspolitik heute fokussiere.

Wichtig sei des weitern, die Stellung des öffentlichen Verkehrs in der Freizeitmobilität zu stärken. Hier sei neben den öV-Betrieben nicht zuletzt auch die Tourismusbranche gefordert, so die öV-Verbände.

Unter dem Strich wollen Litra und VöV, dass der öV-Anteil die Ziele der Verkehrsperspektiven des Bundes bis 2040 übertrifft. Dieses Grundszenario geht von einem Wachstum des öV-Anteils auf 23 Prozent aus. Um dieses Ziel zu übertreffen, sollten laut Studie auch eine «Verschlechterung der Bedingungen des konkurrenzierenden Verkehrsmittels», also des Privatautos, in Betracht gezogen werden. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

OMG! So sieht der Ferienstau in Beijing aus

Die SBB renoviert die Züge aus den 90ern

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

UNO-Folterexperte Nils Melzer: «Der Fall Assange ist wie ein dunkles Familiengeheimnis»

Der Schweizer Jurist Nils Melzer überwacht für die UNO das Folterverbot und hat ein Buch über seine Untersuchung zum Fall des Wikileaks-Gründers Julian Assange geschrieben. Dessen Rechte seien massiv verletzt worden, sagt Melzer. Und warnt vor der «gefährlichen» PMT-Vorlage, die am 13. Juni zur Abstimmung kommt.

Sie erheben in Ihrem Buch schwere Vorwürfe gegen westliche Staaten im Umgang mit Julian Assange. Was hat Sie bei Ihrer Untersuchung am meisten schockiert?Nils Melzer: Die Erkenntnis, dass der Rechtsstaat offenbar auch in westlichen Demokratien vollkommen ausgehebelt werden kann. Ich habe in den letzten 20 Jahren oft in Kriegs- und Krisengebieten gearbeitet und viele schwere Rechtsverletzungen gesehen. Aber ich habe immer daran geglaubt, dass in den westlichen Demokratien wenigstens noch der …

Artikel lesen
Link zum Artikel