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politbox

Mit Politbox die Jungen an die Urne locken. Gut gemeint – aber ist das Service Public? Bild: politbox

«Das ist reine Provokation»: Verband Schweizer Medien schwärzt SRG wegen «Politbox»-App beim Bakom an

Mit der Quiz-App «Politbox» will die SRG Junge für Politik begeistern. Der Verband Schweizer Medien ist gar nicht erfreut. Er hat die App beim Bakom gemeldet – weil sie nicht konzessionskonform sei.



Gehört das Entwickeln von Spiele-Apps zum Service Public? Bereits beim Lancieren der SRG-App «Politbox» vor vier Tagen musste sich Entwickler Konrad Weber dieser Frage stellen. «Ja», sagte er damals gegenüber watson. «Es gehört zum Auftrag der SRG, einen aktiven Beitrag zur politischen Informationsvermittlung und Meinungsbildung beizutragen.»

Das sieht der Verband Schweizer Medien anders. Er hat am 4. Mai Anzeige beim Bundesamt für Kommunikation (Bakom) eingereicht. «Die App ist in unseren Augen eine klare Konzessionsverletzung», begründet Verbandsdirektorin Verena Vonarburg den Schritt.

Sendebezug – ja oder nein?

Die vom Bakom entwickelten Richtlinien für das Online-Angebot der SRG legen fest, dass Inhalte mit Sendungsbezug einen direkten zeitlichen und thematischen Bezug zu redaktionellen Sendungen oder Sendeteilen aufweisen müssen. Online-Inhalte ohne Sendungsbezug sind nur als «Textbeiträge in den Sparten News, Sport und Regionales/Lokales» erlaubt, heisst es auf der Website der SRG.

«Die ‹Politbox›-App hat überhaupt keinen Sendebezug, sondern wird von der SRG auch als eigenständiges neues digitales Angebot angepriesen», sagt Vonarburg. «Die gebührenfinanzierte SRG verletzt aber nicht nur die Konzession, sondern konkurrenziert und bedroht private Anbieter», befürchtet Vonarburg. 

Umfrage

Politbox-App und Bustour: Sinnvoll oder übertrieben?

  • Abstimmen

627

  • Unterhaltsam aber trotzdem sinnvoll, finde ich gut!64%
  • Teuer und übertrieben. Dafür erhält die SRG keine Punkte von mir. 20%
  • Interessiert mich nicht. Aber die Antwort will ich sehen.16%

Und zwar mit massivem Ressourcen-Aufwand: SRG-Redaktoren aus allen Sprachregionen haben sich 320 Fragen ausgedacht und übersetzt. Zusätzlich tourt das «Politbox»-Team mit einem Bus durch die Schweiz und schaltet Live-Sendungen. Zu den Kosten nimmt die SRG keine Stellung. «Politbox» werde aus dem regulären SRG-Budget zu den Wahlsendungen 2015 finanziert, heisst es auf Anfrage.

Entwickler Konrad Weber (links) auf «Politbox»-Tour.

«Reine Provokation»

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die SRG mit einem Online-Angebot in die Schusslinie bugsiert. Die App zur Fussball-WM war wegen zu langer Texte nicht konzessionskonform, wurde vom Verband Schweizer Medien beim Bakom angezeigt und musste in der Folge von der SRG angepasst werden. «Dass die SRG offenbar gezielt Konzessionsverletzungen in Kauf nimmt, ist reine Provokation», sagt Vonarburg.

SRF-Mediensprecher Stefan Wyss widerspricht. Die SRG unterbreite dem Bakom eine Produktion nur, wenn Unsicherheiten über die Zulässigkeit bestünden. «Das war hier nicht nötig», sagt Wyss. Das «Politbox»-Quiz und die darin enthaltenen Umfragen seien wesentlicher Bestandteil der «Politbox»-Live-Sendungen vor Ort – daher sei die App auch vor der ersten Sendung lanciert worden. «Der Sendebezug liegt also auf der Hand», sagt Wyss. Ohne «Politbox»-Quiz und «Politbox»-Umfragen, die Kern und roter Faden der Live-Sendung seien, würde die Grundlage der «Politbox»-Sendungen entfallen.

Martin Candinas, CVP-Nationalrat und Mitglied des Befürworterkomitees des neuen Gesetzes über Radio- und Fernsehen (RTVG), sagt: «Im Grundsatz begrüsse ich sämtliche Bestrebungen der SRG, die Jungen an die Urne zu locken.» Doch die SRG müsse mit solchen Angeboten vorsichtig umgehen. «Und ob das Programm konfessionskonform ist oder nicht, muss das Bakom entscheiden», sagt Candinas. 

Beim Bakom heisst es, man habe den Hinweis erhalten und prüfe nun, ob die App den Konzessionen entspreche.

«Politbox»

«Politbox» wurde in Zusammenarbeit mit der Agentur Liip mit Sitz in Fribourg und Zürich im Hinblick auf die National- und Ständeratswahlen im Herbst 2015 entwickelt. Zehn Kategorien mit je 32 Fragen zu Politik, Umwelt oder Mobilität stehen zur Auswahl. Unter Zeitdruck müssen hintereinander acht Fragen beantwortet werden – je schneller man ist, desto mehr Punkte gibt's.

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • blerim.bunjaku 10.05.2015 13:48
    Highlight Highlight Eine gute Kopie der Schweizermacher-App
    https://itunes.apple.com/de/app/id960993220?mt=8
  • nay 09.05.2015 07:06
    Highlight Highlight Der Standartsatz "konkurrenziert die Privaten" ist nichts anderes als eine im Neid gesagte Lüge. Kein Privatsender hat ein solches Angebot auf den Markt gebracht. Und kein Privatsender hat das Sendungsangebot der SRG. Und das hat nicht nur mit der BILLAG zu tun. Die Kleinen würden wohl auch mit mehr Geld kein brauchbares Angebot produzieren können.
  • Thomas Binder 08.05.2015 23:57
    Highlight Highlight Dass sie ihre eigene Peinlichkeit nicht realisieren, ist Teil der bemitleidenswerten Persönlichkeitsstruktur notorischer Neider.
  • tomdance 08.05.2015 23:51
    Highlight Highlight Ach Gott. Schon wieder eine Neideingabe. Die Verleger sollen doch bitte erst ein solches Angebot anbieten. Dann kann wieder über Konkurrenz geklagt werde. Die Musikindustrie ist vor Jahrzehnten mit der gleichen Verhinderungstaktik auf die Nase gefallen. Die Verleger werden das gleiche Schicksal haben - sofern nicht endlich etwas kluges aus dieser Ecke kommt.
  • The_Doctor 08.05.2015 19:58
    Highlight Highlight Streng bürokratisch betrachtet hat der Verband Schweizer Medien vielleicht sogar recht.
    Allerdings sollten die Privaten statt mit solchen Neidaktionen lieber mal mit überzeugenden Produkten glänzen. Bei der SRG erhalte ich für meine überteuerten Gebühren zumindest einen Gegenwert. Von den privaten kommt ausser heisse Luft diesbezüglich recht wenig.
    • saukaibli 08.05.2015 21:41
      Highlight Highlight Hey, das ist doch nicht wahr, du vergisst vollkommen so hochwertige Sendungen wie "die Bachelorette", "Bauer ledig sucht" oder "ESO-TV".
  • koala 08.05.2015 19:48
    Highlight Highlight Die Kritik ist vollumfänglich gerechtfertigt. Mich stört auch die Kommentarfunktion auf den SRG Seiten. Das sind nicht Aufgaben, die von der öffentlichen Hand finanziert werden sollten. Wieso kein einfaches Medienarchiv, wie das das ZDF zum Beispiel macht.
  • Can 08.05.2015 19:23
    Highlight Highlight Die App macht Lust auf politisches Wissen, hat aber paar gravierende technische Hürden. U.a. beim Auswahl-Riegel (Siehe Bild). Da kann man unmöglich die richtige Antwort angeben, da beim Heben des Fingers die Zahlen teilweise um hundert Werte verschoben werden. #ungeil
    Benutzer Bild
    • Konrad Weber 08.05.2015 21:09
      Highlight Highlight @can Danke für den Hinweis! Ist uns auch aufgefallen und sollte sich mit dem Update, das nächste Woche folgen wird, hoffentlich verbessern.
  • ricardo 08.05.2015 19:23
    Highlight Highlight "konkurrenziert und bedroht private Anbieter"
    Verstehe ich jetzt nicht genau? Worin denn genau? Mir kommt trotz intensivem Ueberlegen kein vergleichbares Angebot privater Veranstalter in den Sinn.
    Und sogar der Sendebezug ist gegeben, handelt es sich doch um ein ergänzendes Angebot zu den Wahlsondersendungen.
  • cLiam 08.05.2015 18:58
    Highlight Highlight Ich finde die SRG muss auf anderen Plattformen aktiv sein. Vor allem wenn sie ein junges Publikum ansprechen will.
  • Cyman 08.05.2015 18:40
    Highlight Highlight «Die gebührenfinanzierte SRG verletzt aber nicht nur die Konzession, sondern konkurrenziert und bedroht private Anbieter» - Was für ein Quatsch! Welche Privaten haben denn eine ähnliche App lanciert und werden deswegen verdrängt?
    • buco 08.05.2015 23:08
      Highlight Highlight Genau. Es kommt mir vor, wie die "Privaten" wollen vor allem Geld scheffeln mit wenig Gegenleistung. Trotz ärgerlicher Pflichtgebühr, die SRG bietet zum halben Preis ein x-faches an Leistung. Auch wenn dann und wann halt im Massstab der einen oder andern "totaler Schrott" vorkommt.
  • SomeoneElse 08.05.2015 17:58
    Highlight Highlight Der Verband Schweizer Medien würde sich besser mal um einen GAV kümmern, statt solche Neidanzeigen zu lancieren...

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