Schweiz
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Die kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren unternehmen Schritte zur Umsetzung der Istanbul-Konvention, die Gewalt gegen Frauen bekämpft. (Symbolbild)

Weibliche Opfer von häuslicher Gewalt werden oft von Frauenhäusern abgewiesen – aus Platzmangel. Bild: KEYSTONE

Zu wenig Platz: Frauenhäuser müssen Gewaltopfer abweisen

Wenn Männer ihre Frauen bedrohen, bieten Frauenhäuser Schutz. Trotz internationaler Abkommen fehlen aber Plätze. Polizeidirektoren-Präsident Urs Hofmann fordert nun mehr Mittel.

Pascal Ritter / ch media



Männer, die ihre Freundinnen, Frauen und manchmal auch ihre Kinder töten, schockieren die Schweiz. Alleine im Kanton Zürich töteten Männer in diesem Sommer mindestens acht Frauen. Seit am Montag vor einer Woche ein 37-Jähriger seine von ihm getrennt lebende Ehefrau in Dietikon erstach, hat das Thema eine neue Dringlichkeit.

Der mutmassliche Täter hatte zuvor schon zugeschlagen, war der Polizei bekannt und hatte zeitweise ein Kontaktverbot. Hat die Polizei versagt oder stehen ihr zu wenig Mittel zur Verfügung?

Trügerische Sicherheit durch Fussfesseln

In der «Schweiz am Wochenende» forderte die Präsidentin des Polizeibeamtenverbandes, Johanna Bundi Ryser, Präventivhaft für akut gefährliche Männer. In der «Sonntagszeitung» forderten linke und rechte Politiker, dass Kontaktverbote, die gegen gewalttätige Männer ausgesprochen wurden, mittels live überwachter Fussfesseln durchgesetzt werden.

Bisher wurden zwar Fussfesseln eingesetzt, diese aber nicht in Echtzeit ausgewertet.

Der Aargauer Regierungsrat Urs Hofmann anlaesslich der Medienkonferenz zum Jahresrueckblick 2013 der Aargauer Kantonspolizei, am Freitag, 28. Maerz 2014, in Aarau. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Urs Hofmann, Präsident der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren fordert mehr Mittel für Frauenhäuser. Bild: KEYSTONE

Urs Hofmann, Aargauer Regierungsrat und Präsident der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD), ist skeptisch, ob ständig überwachte Fussfesseln tatsächlich einen effektiven Schutz bieten. «In der kleinräumigen Schweiz ist es kaum möglich, Zonen zu definieren, die so weit auseinanderliegen, dass die Polizei bei der Verletzung eines Annäherungsverbotes schnell genug vor Ort wäre.» Solche Fussfesseln bergen laut Hofmann die Gefahr, dass sich bedrohte Personen in falscher Sicherheit wiegen. «Effektiver wäre es, die Möglichkeiten zur Inhaftierung bei Fortsetzungsgefahr auszudehnen», sagt KKJPD-Präsident Hofmann.

Frauen müssen mit ihren Kindern ins Hotel flüchten

Offenbar ist es schwierig, gewalttätige Männer aus dem Verkehr zu ziehen. Fussfesseln bergen ein Restrisiko und Präventivhaft verstösst gegen die in einem Rechtsstaat gegebene Unschuldsvermutung.

In gewissen Fällen bleibt betroffenen Frauen darum nur noch die Flucht in ein Frauenhaus. Solche befinden sich meist an einem nicht weitherum bekannten Ort und verfügen über ein Betreuungsangebot für Frauen und deren Kinder. Sie sind grösstenteils gratis. Allerdings verfügt die Schweiz über zu wenig Plätze in solchen Notunterkünften. «Die Frauenhäuser in der Schweiz leiden unter Überbelegung», sagt Christine Hüttinger vom Frauenhaus St. Gallen.

«Es braucht mehr Mittel für Frauenhäuser. Sie können die Arbeit der Polizei erleichtern.»

Immer wieder müssen sie und ihr Team Frauen abweisen. In der Regel organisieren sie für die Frauen eine Unterkunft in einem anderen Kanton. Es komme aber auch vor, dass bedrohte Frauen in einem Hotel übernachten müssen. «Das ist problematisch, weil dort die Betreuung sowohl der Frauen als auch der Kinder fehlt», sagt Hüttinger. Zudem sei die Sicherheit nicht gewährleistet.

Die Nachfrage nach Unterbringungsplätzen nimmt laut Hüttinger tendenziell zu. Gleichzeitig würden die Fälle komplexer. Immer öfter meldeten sich Frauen, die mehrfach traumatisiert seien. «Zur Bedrohung durch den Partner kommt zum Beispiel Fluchterfahrung hinzu oder eine Traumatisierung in der Kindheit», sagt Hüttinger. Das Gleiche gelte für die Kinder der Frauen. Häufig seien sie verhaltensauffällig. Beides führe dazu, dass die Betreuung intensiver und die Aufenthaltsdauer im Frauenhaus länger wird.

Die Schweiz müsste doppelt so viele Frauenhäuser haben

Die Probleme aus St. Gallen lassen sich auf andere Kantone übertragen. Der Mangel an Frauenhaus-Plätzen bringt nicht nur bedrohte Frauen in Schwierigkeiten, er verstösst auch gegen die Istanbul-Konvention des Europarates, welche das hiesige Parlament im Juni 2017 gutgeheissen hat. Sie besagt, dass auf 10 000 Einwohner eine Unterbringungsmöglichkeit vorhanden sein sollte. Die Schweiz verfügt nicht einmal über die Hälfte der nötigen 800 Plätze.

Dabei würden mehr Frauenhäuser auch die Arbeit der Polizei erleichtern. «Fühlt sich eine Frau von einem Mann bedroht, die Polizei kann ihn aber nicht festnehmen, weil er noch keine Tat begangen hat, bieten Frauenhäuser effektiven Schutz», sagt KKJPD-Präsident Hofmann. Darum fordert der Sozialdemokrat mehr Mittel für Frauenhäuser, damit diese mehr Plätze anbieten können. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Meyer Andrej 03.09.2019 09:46
    Highlight Highlight Toll zu wenig Schwimmbäder, zu wenig Frauenhäuser, aber gleichzeitig muss man den Superreichen die Steuern senken, man muss den Firmen die Steuern senken, es ist beschämend. Dazu kommt noch die strafrechtliche Haltung gegen gewalttätige Leute, die Gesetze müssten im Schnellverfahren durchgreifen, Ausschaffung oder noch besser in den Knast im Ausland. Aber eben humanitäre Gründe, Härtefallklausel, man könnte ko...en!
  • Ophelia 03.09.2019 09:20
    Highlight Highlight Es ist fürchterlich, dass in unserer Gesellschaft Femizide, die Kultur aus welcher sie entstehen und ihre Folgen noch oft (bewusst?) nicht als strukturelles Phänomen, sondern viel zu oft als tragische Einzelfälle gehandhabt werden.

    Einen gut recherchierten Artikel von Watson über dieses Thema würde ich mir sehr wünschen.
  • Jesus Quintana 03.09.2019 08:58
    Highlight Highlight Hauptsache unsere bürgerlichen Kantonsregierungen konnten ein paar Tausend Franken sparen...
    Wir sollten uns als Gesellschaft vermehrt gegen Abbaumassnahmen wehren. Sei es wie hier bei den Frauenhäusern, aber auch bei Spitälern, dem Service Public, der Altersvorsorge etc.
  • ...naja... 03.09.2019 08:36
    Highlight Highlight Es kann doch nicht sein, dass die Opfer in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden, indem sie sich verstecken müssen, ihr Zuhause verlassen und die Täter weitermachen können wie bisher.

    Wir brauchen gesetzliche Grundlagen um Opfer wirklich zu schützen.
  • koks 03.09.2019 08:31
    Highlight Highlight Immerhin finanziert der Staat einige Frauenhäuser. Öffentlich finanzierte Männerhäuser gibts nämlich gar nicht. Wenn mehr öffentliches Geld für Frauenhäuser, dann bitte auch mal für Männerhäuser.
  • WID 03.09.2019 08:05
    Highlight Highlight 1. Der Staat muss die Mittel erhöhen.
    2. Der Staat muss die Täter dafür zur Kasse bitten.
  • Menel 03.09.2019 07:51
    Highlight Highlight Fällt sowas nicht unter Terror?
  • Fairness 03.09.2019 07:35
    Highlight Highlight Was/wo gibt es denn noch etwas ohne Dichtestress? Mich würde mal eine ehrliche Gesamtrechnung der Zuwanderungs- und Asylpolitik interessieren. Dass die Kultur einen Unterschied macht, zeigen die Statistiken deutlich. Übervolle Gerichte, Gefängnisse usw. und nach den Steuersenkungen noch mehr auf dem Buckel des Mittelstandes.
    • snowleppard 03.09.2019 13:21
      Highlight Highlight Machen Sie mal Urlaub in China. Sie werden feststellen, wir haben hier nix Dichtestress :-)
      Bei der Politik bin ich bei Ihnen. Maximal 20% Ausländer-Anteil pro Land in Europa wäre eine faire Lösung. Die meisten sind eh Wirtschaftsflüchtlinge und wenig Humanitäre-Flüchtlinge. Was Afrika betrifft macht die Agrar-Politik der EU die Agrar-Wirtschaft in Afrika kaputt. Aber die Sesselfurzer der EU denken nicht daran - nur ans Geld ! Nicht an die Menschen. Das sollte verkehrt rum sein !
    • who cares? 03.09.2019 14:38
      Highlight Highlight Welche Statistiken?
  • SIEGLINDE 03.09.2019 06:27
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte formuliere deine Kritik sachlich und beachte die Kommentarregeln.
    • michiOW 03.09.2019 07:12
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
  • india_s 03.09.2019 06:18
    Highlight Highlight Einmal mehr zeigt sich wo unsere Politiker ihre Prioritäten setzen. Bald sind Wahlen, werden die Schweizer ein Zeichen setzen? Wäre schön ..
    • Eskimo 03.09.2019 06:45
      Highlight Highlight Du meinst dass man die Dinge endlich beim Namen nennt? Gewalt gegen Frauen ist vorallem ein kulturelles Problem. Aber gemäss linken Kreisen stimmt das alles nicht. Kriminalität sei rückläufig... Dumm nur dass die Bevölkerung da andere Erfahrungen macht.
    • michiOW 03.09.2019 07:13
      Highlight Highlight Was soll denn die Polizei anders machen? Wo entnehmen Sie dem Text, dass dies keine Priorität hat?
    • india_s 03.09.2019 10:07
      Highlight Highlight @michiOW - weil es zuwenig Plätze hat, dies ist eine politische Entscheidung. mit der Polizei hat das gar nichts zutun
  • Nurmalso 03.09.2019 05:48
    Highlight Highlight Hmm vielleicht sollten wir einen oder zwei Kampfjet verkaufen und dafür ein paar Frauenhäuser aufmachen wäre doch irgendwie intelligenter die Probleme zu lösen welche wir haben, bevor wir uns auf Probleme vorbereiten welche wir bekommen könnten.
    • Ribosom 03.09.2019 06:15
      Highlight Highlight Für unsere Kampfjets bekommt man noch den Schrottpreis, so alt sind sie.
      Geld hat der Bund genug, um Frauenhäuser zu bauen. Es dauert einfach viel zu lange bis sich etwas ändert, wie so alles in der Politik.
    • SIEGLINDE 03.09.2019 06:30
      Highlight Highlight Ja das ist Richtig man muss einfach das gesamte Denken der Politik neu strukturieren und sich neu erfinden wie das System ausgedient hat habens auch die ALTPARTEIEN
    • michiOW 03.09.2019 07:09
      Highlight Highlight Wieso sollte man Geld von der Armee dafür wegnehmen?
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