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ARCHIV - ZUM SDA TEXT BSD044 VON HEUTE, 25. APRIL, BEZUEGLICH DER VOLKSABSTIMMUNG

VBS-Vorsteher Ueli Maurer anlässlich der Medienkonferenz vom 25. April zum Rüstungsgeschäft Gripen im Medienzentrum des Bundeshauses in Bern.  Bild: KEYSTONE

Aufschrei 2.0 

Wie Maurers «Occasions-Gate» junge Frauen zur Gripen-Abstimmung bringen soll

Die Grünen behaupten, Ueli Maurer vergleiche Frauen mit Gebrauchtgegenständen. Dabei tut er das nur mit seiner eigenen Frau. Und das nicht zum ersten Mal. Die Gripen-Gegner wollen mit der Geschichte die kritischen Frauen zur Abstimmung mobilisieren. 

Gross ist die Aufregung um eine Bemerkung, die Verteidigungsminister Ueli Maurer anlässlich eines Auftritts in Zug gemacht hat. Maurer warb für die Gripen-Beschaffung, indem er die zu ersetzenden 30-jährigen Tiger-Jets mit Haushaltsgegenständen verglich. Gemäss Zentral+ fragte Maurer ins Publikum, wieviele Gebrauchtgegenstände in einem Haushalt nach 30 Jahren noch zu gebrauchen seien. Die Antwort gab er gleich selbst: «Bei uns sind das nicht mehr viele, ausser natürlich die Frau, die den Haushalt schmeisst.» 

Die jungen Grünen forderten per Communiqué eine Entschuldigung Maurers, der grüne Armeekritiker und GSoA-Vorstand Jo Lang forderte gar den Rücktritt des Verteidigungsministers und die Twitter-Gemeinde diskutiert Maurers Fehltritt unter dem Hashtag «#GebrauchtBR». Gestützt auf die Tweets und Facebook-Einträge der politischen Akteure verbreiteten seit Sonntagabend auch die Massenmedien Schlagzeilen, wie: «Maurer vergleicht Frauen mit Gebrauchtgegenständen». Das ist weder richtig noch neu. Bereits einen Tag zuvor sagte Maurer an einer Werbeveranstaltung für den Gripen in Holziken (AG), seine Frau sei das einzige, das nach 30 Jahren in seinem Haushalt noch funktioniere. 

Frauen sollen mobilisiert werden

Mit der Gleichsetzung von Maurers Ehefrau mit allen Frauen nutzen die Grünen die Äusserungen des Verteidigungsministers geschickt aus, um im Abstimmungskampf gegen den Gripen möglichst viele Frauen zu mobilisieren. Deren Ablehnung gegenüber dem Finanzierungsfonds für das neue Kampfflugzeug ist gemäss der ersten gfs-Umfrage besonders hoch und liegt bei 59 Prozent, während nur 44 Prozent der befragten Männer Nein sagen wollen. Auf Twitter erklärte die grüne Nationalrätin Aline Trede die Frauen bereits vor dem Occasions-Gate zum Zünglein an der Waage in der Gripen-Abstimmung. 

«Äusserung geschickt für Mediensturm ausgenutzt»

Für die Politologin Michelle Beyeler von der Universität Bern ist das Vorgehen der Gripen-Gegner nachvollziehbar. Der erwähnte «Altherrenwitz» drücke eine abfällige Haltung gegenüber der Hausfrau aus, degradiere eine typisch weibliche Rolle und sei somit sexistisch, was es der Gripen-Gegnerschaft ermögliche, den Spruch mit einer besonders scharfen Verurteilung und einem «Mediensturm» für die eigene Kampagne auszunutzen.

Das kann laut Beyeler Wirkung zeigen. «Ich nehme an, dass durch die Debatte zusätzliche Proteststimmen gewonnen werden können: Proteststimmen gegen einen Bundesrat, der ein Geschäft auf diese Weise verkauft», sagt Beyeler. Allerdings beziehe sich die Wirkung eher auf die Mobilisierung als auf die bereits weit fortgeschrittene Meinungsbildung. «Der Witz richtete sich an die, die der Gripen-Beschaffung in der Tendenz zustimmen, nämlich Ältere und Männer. Er wird besonders von denjenigen negativ aufgenommen, die sowieso eher Nein sagen werden: Jüngere und Frauen», sagt Beyeler. 

«Keine abstimmungstaktischen Hintergedanken»

Andreas Lustenberger, Co-Präsident der jungen Grünen, weist taktische Überlegungen im Hinblick auf die Gripen-Abstimmung von sich. «Wir haben von unserer Basis soviele Reaktionen von Erstaunen bis Empörung über Maurers Chauvi-Spruch erhalten, dass wir reagieren wollten», sagt Lustenberger. Selbst wenn Maurers Frau nichts dagegen hätte, wenn er sich öffentlich über sie lustig macht, sei es «tragisch», dass ein gewählter Magistrat mit solchen Witzen Lacher generieren müsse. «Ausserdem geht dieser Spruch nicht nur seine eigene Frau etwas an sondern alle Frauen, denn er transportiert Maurers Wertehaltung diesbezüglich ziemlich klar», sagt Lustenberger. 

Die Pilotenfraktion im Nationalrat um Thomas Hurter und Roland Borer (SVP), die sich für den Gripen engagieren, ist ob der jüngsten Wendung in der Gripen-Saga nicht amüsiert. «Ich sage dazu nichts», teilt Hurter per SMS mit und Borer verdrängt allfällige Auswirkungen für die Abstimmung: «Ich habe heute morgen mit meiner Assistentin darüber geredet. Sie wird trotzdem für den Gripen stimmen. Als Frau. Als emanzipierte Frau!»

Maurer selbst oder die Kommunikationsabteilung des VBS haben zur Stunde noch nichts zu den Äusserungen des Verteidigungsministers verlauten lassen.



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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Chamudi 01.05.2014 08:53
    Highlight Highlight Also mir hat der Witz gefallen. Man kann ihn beidseitig verwenden.
  • Migu Schweiz 29.04.2014 02:46
    Highlight Highlight Also mir gefällt dieser Gripen, ich finde wir sollten diesem fond einrichten.
  • cicero 28.04.2014 23:29
    Highlight Highlight cavete! man soll die frauen nicht unterschätzen. sie können dem ueli die suppe am 18. mehr als nur versalzen ... möge er sich derweil auf gesellschaftlichem parkett verbessern und den knigge als bettlektüre zur hand haben. salvete!
  • papparazzi 28.04.2014 20:42
    Highlight Highlight Meine Frau stimmt auch JA für den Gripen und ich habe schon ein JA für den Gripen per Post abgesendet. ut (dp)
  • Miautsch 28.04.2014 17:13
    Highlight Highlight ich bin weiblich, unter 25 und werde trotzdem JA stimmen! :-)
    • Danieljoseph 28.04.2014 18:07
      Highlight Highlight Sie stimmen ja auch nicht darüber ab, ob sie Ueli mögen oder nicht? Uelis "Witz" ist simpel und einfach daneben.
    • Miautsch 28.04.2014 20:40
      Highlight Highlight uuuuh, wie schlimm, richtig dramatisch! nur weil er ein br ist, wird das nun von den Gegnern gehypt. wegen dem nun seine Absetzung zu fordern ist, wie die ganze Diskussion, völlig unnötig. Wetten, dass andere Parteien auch schon solche Äusserungen gemacht haben?
      Werfe den ersten Stein der ohne Sünde ist!!
  • Nick Lachen 28.04.2014 14:41
    Highlight Highlight Das ist weder richtig noch neu, schreiben Sie? Wenn es nämlich schon mehrfach vorgekommen ist, dann ist doch leider wahr.
  • John Smith 28.04.2014 13:47
    Highlight Highlight Ich glaube nicht, dass sich viele Wähler von diesem Fauxpas beeinflussen lassen. Jedoch freue mich schon jetzt auf die Analysen am Tag nach der Abstimmung, wonach Maurer die Wähler mit seiner Frauenfeindlichkeit verloren haben soll.
  • Balthasar Glättli 28.04.2014 13:41
    Highlight Highlight Der Altherren-Schenkelklopf-Humor von Ueli Maurer ist offensichtlich Teil seines neuen Standart-Auftritts. Jedenfalls war Zug kein Einzelfall: vgl. http://www.balthasar-glaettli.ch/2014/04/28/ueli-maurer-und-die-frauenwitze/
    Benutzer Bild
    • Nick Lachen 28.04.2014 14:42
      Highlight Highlight Gut, dass Sie sich wehren. Sie machen mir Eindruck, auch mit Ihrer Veröffentlichung Ihrer Daten. Da soll doch mal die SVP einhaken, die immer so auf Freihheit pocht.
    • Balthasar Glättli 29.04.2014 17:00
      Highlight Highlight Danke Grufti, das ist einer meiner Standard, ääh.. Standart-Fehler!!

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