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20 Minuten erscheint nächste Woche zum letzten Mal auf Papier

Eine Träne für «20 Minuten»: Es war ein Zeitgeistphänomen aus der Vorinternet-Ära

Die Gratiszeitung erscheint nächste Woche zum letzten Mal auf Papier. Die Bezahlzeitung lebt weiter.
21.12.2025, 20:5021.12.2025, 20:50
Matthias Ackeret, Verleger «Persönlich» / ch media
Eine Frau greift die Printausgaben der Pendlerzeitung 20 Minuten, am Dienstag, 17. Juni 2025, in Zuerich. Wie der Herausgeber TX-Group heute informiert wird die Printausgabe von 20 Minuten per Ende 20 ...
Das wars: Am Dienstag werden die Boxen zum letzten Mal gefüllt.Bild: keystone

Am nächsten Dienstag erscheint die letzte Printausgabe von «20 Minuten». Obwohl sich die Zeiten änderten, bleibt ein Moment der Melancholie: «20 Minuten» war mehr als nur eine Zeitung. Es war ein Zeitgeistphänomen aus der Vorinternet-Ära, das am Ende vom Zeitgeist überholt wurde: Pendler lesen längst keine Pendlerzeitungen mehr.

1999 vom norwegischen Verlagshaus Schibsted gegründet, wurde es schon bald zu einem Publikumserfolg und für die grossen Verlagshäuser mit ihren Bezahltiteln zur Konkurrenz. 2003 setzte der damalige Tamedia-CEO Martin Kall den Schibsted-Verlag mit «Kriegsrhetorik» («Bilanz») unter Druck und drohte mit der Lancierung einer eigenen Pendlerzeitung «Express». Schibsted verkaufte. Anschliessend wurde aus «20 Minuten» dank einer schweizweiten Expansion und dem heute noch bestehenden Internetauftritt eine absolute Cashcow, vom «Express» hörte man nie mehr etwas.

Kurz vor dem Start besuchte ich als einer der wenigen Journalisten mit Projektleiter Sacha Wigdorovits die damalige «20 Minuten»-Druckerei in Vorarlberg. Meine Berufskollegen, meist Bedenkenträger, sahen im Gratisblatt bereits das Ende des Journalismus. Zu Unrecht, war doch das Pendlerblatt ein erfolgreiches Unterfangen, mögliche News-Deprivierte an ein seriöses Medium zu binden. Allein schon deswegen gebührt ihr eine Träne.

Das Absurde: mit «20 Minuten» verschwindet die berühmteste Pendlerzeitung, «Metro», «Cash daily», «.ch», «News», «heute» und «Blick am Abend» taten dies vorher. Die angegriffenen Bezahlzeitungen hingegen existieren immer noch. Was den «20-Minuten»-Claim bestätigt: «Lesen macht sexy!» Selbst, wenn es kostet. (bzbasel.ch)

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76 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Mr. Pingu
21.12.2025 21:13registriert Oktober 2022
Vor-Internet‐Ära? Die Internet-Ära ist seit den 90ern. Bei Windows 3.1 benötogte es noch einen separaten ZCP Stack. Spätestens seit Win95 hat die Internet-Ära begonnen. 20 Minuten ist somit definitiv NICHT aus der Pre-Internet-Ära. Wenn, dann die Pre-Mobile-Internet-Ära. GPRS, EDGE und HSDPA/HSUP - also die 2G-Mobile Internet Protokolle... in DIESER Zeit hat die 20 Min begonnen.
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gulf
21.12.2025 21:41registriert März 2020
also ich habe schon e - mails geschrieben und das Internet benutzt, als 20 minuten noch nicht existierte ....
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rötzpötz
21.12.2025 21:30registriert März 2014
Pfui TX- Group!
Was hier als notwendiger Strukturwandel verkauft wird, ist in Wahrheit ein klassisches Beispiel von Rendite-Maximierung auf dem Rücken der Mitarbeitenden. 20 Minuten war und ist eine finanziell hervorragend laufende, weitgehend unabhängige Marke. Dass man trotzdem 80 Vollzeitstellen streicht und die Printausgabe einstellt, hat weniger mit fehlender Wirtschaftlichkeit zu tun als mit der Gier nach dem letzten Prozentpunkt Gewinn innerhalb eines renditegetriebenen Medienkonzerns.
Die TX Group presst ein bewährtes Produkt aus, bis nichts mehr übrig bleibt. Schämt euch!
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