Schweiz
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A man walks behind a poster to support the purchase of Gripen fighter jets at the central railway station in Zurich May 2, 2014. Switzerland will vote May 18 in a referendum on the purchase of 22 Gripen fighter jets from Swedish defence firm Saab. The text on the poster reads

Bild: Reuters

Campaigning-Profi Perron zur Gripen-Kampagne 

«Das war die schlechteste Abstimmungskampagne aller Zeiten»

Der Campaigning-Profi Louis Perron sieht keine Chance mehr, die Gripen-Kampagne zu retten. Und erklärt, welche Fehler am schlimmsten waren.

03.05.14, 13:05 15.07.14, 16:13
Louis Perron, aufgenommen am Freitag 25. Februar 2011.

© art4press/Michele Limina

Politologe und Politberater Louis Perron am Zürcher Bahnhof Stadelhofen. Bild: ZVG

Herr Perron, in rund zwei Wochen stimmen wir über den Gripen ab. Wie wird die Abstimmung ausgehen? 
Das weiss ich nicht. Aber ich glaube, es gibt eher ein Nein. 

Wie viel würden Sie darauf wetten?
Nicht grad 1000 Franken, aber ein paar gute Flaschen Wein. 

Wie kommen Sie zu Ihrer Prognose?
Die Pro-Kampagne war von Anfang bis jetzt einfach lausig. Wenn man sich die Ereignisse vor Augen führt, von den Wirrungen um den Kampagnenlead, der Involvierung von Saab, dem «Rundschau»-Interview, dem Frauenwitz bis hin zu den Lobbying-Enthüllungen kann man sagen: es war die schlechteste Abstimmungskampagne aller Zeiten. Falls es ein Ja geben sollte, dann wäre das trotz der Kampagne und nicht wegen der Kampagne. 

Louis Perron 

Der promovierte 37-jährige Politologe dirigiert mit Perron Campaigns Wahl- und Abstimmungskämpfe in der Schweiz und im Ausland. Vor seiner Selbständigkeit arbeitete Perron bei der Politberatungsfirma The Mellman Group in Washington. Perron ist in den Abstimmungskampf um den Finanzierungsfonds für den Kauf der Gripen-Kampfflugzeuge vom 18. Mai nicht involviert. 

Aber bei den Reduit-Nostalgikern findet alles Anklang, wo Ueli Maurer dabei ist, nicht? Er war ein fescher Radfahrer.
Ja, aber die Zielgruppe der Unentschiedenen, bei denen die Meinung im Verlauf einer Abstimmungskampagne gewonnen werden kann, liegt bei der Frage der Flugzeugbeschaffung in der bürgerlichen Mitte. Und diese haben die Befürworter nicht abgeholt. Ueli Maurers Gebrauchsgegenstand-Witz und auch die «Rundschau»-Schelte mag zwar im eigenen Lager noch gut ankommen. Aber bei der moderaten bürgerlichen Mitte eher nicht. Und um die geht es. Die eigene Klientel hat die SVP bei dieser Abstimmung sowieso im Sack. Die Linke ist ohne nennenswerte Ausnahmen dagegen. Ueli Maurer hat sich ja auch persönlich sehr engagiert. Ich bin mir nicht sicher, ob das eine clevere Strategie ist. Er ist ein Politiker, der sehr polarisiert, also Mühe hat, Leute über das eigene Lager hinaus zu überzeugen. 

Aber ein paar konservative CVPler aus dem Wallis kann er doch mit träfen Sprüchen gewinnen, nicht? 
Nicht nötig. Die sind sowieso auf der Pro-Seite. Aber die SVP kann zusammen mit Rechtsabweichlern aus der CVP und der FDP vielleicht ein bisschen mehr erreichen als 30 Prozent. Aber für eine Mehrheit reicht es nicht, und die ist bei einer Abstimmung nötig. Es ist eine häufige Falle, dass man in Kampagnen vor allem die eigenen Leute glücklich macht. Es geht um die liberale bürgerliche Mitte und die spricht auf Altherrenwitze nicht an. Eine saubere und sachliche Argumentation wäre da wirkungsvoller. 



Die ist aber schwieriger zu transportieren.
Nicht unbedingt. Herr und Frau Schweizer sind für Argumente sehr offen und stimmen auch mal gegen das eigene Portemonnaie, wenn man sie argumentativ überzeugen kann. Man muss aufzeigen, dass man alle Alternativen in Betracht gezogen hat und nun diejenige zur Auswahl steht, die am sinnvollsten ist oder das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis bietet. Und das hat die Befürworterseite in diesem Abstimmungskampf meiner Meinung nach bis jetzt verpasst. Stattdessen hat man etwa mit dem Notvorrats-Interview des Armeechefs auf die Angst-Karte gesetzt und die Abstimmung für oder gegen den Gripen zur Grundsatzfrage «Für oder wider die Armee?» hochstilisiert.  

Umfrage

Sind Sie für den Kauf des Gripen?

  • Abstimmen

1,009 Votes zu: Sind Sie für den Kauf des Gripen?

  • 27%Ja, weil wir einen neuen Kampfjet brauchen.
  • 4%Ja, weil der Gripen ein guter Flieger ist.
  • 69%Nein, wir brauchen den Kampfjet nicht.

A Saab Jas Gripen F Demonstrator jet performs during a flight show of the Swiss air force in Axalp near Meiringen, Switzerland, Thursday, October 11, 2012. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Bild: KEYSTONE

Aber der Angst-Trumpf ist stark, da stimmen Sie zu, oder?
Ja, das stimmt schon. In den USA sagt man, dass Angst, Wut und Hoffnung Leute in Kampagnen mobilisiert. Vor vielen Jahren, als es um die Beschaffung des FA-18 ging, hat diese Schiene auch ganz gut funktioniert. Doch heute ist die Gesellschaft an einem anderen Ort. Über die gesamte Kampagne gesehen muss bei den Leuten das Gefühl zurückbleiben, dass sich hier mit ihrem Geld ein paar Piloten und Luftwaffenoffiziere ein neues Spielzeug kaufen wollen. 

Nebst Ueli Maurers Altherrenwitz haben auch die geleakten schwedischen Botschafter- Depeschen dem Gripen schlechte PR besorgt. Welchen Einfluss kann das zu diesem Zeitpunkt im Abstimmungskampf haben? 
Es gibt in einer Abstimmungskampagne fünf bis zehn wichtige Momente. Dies ist einer von ihnen und sicher kein guter. 

Wenn Sie nun zum jetzigen Zeitpunkt in die Abstimmungskampagne der Befürworter einbezogen würden, als Feuerwehrmann quasi, um das Steuer noch herumzureissen, wozu würden Sie raten?
Ich würde ein solches Mandat ablehnen. Von mir aus gesehen ist der Patient tot, da brauche ich nicht zu operieren beginnen.

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Kar_Mac 08.05.2014 21:45
    Highlight Ein sehr guter Artikel. Der Vergleich mit dem toten Patienten bringt es völlig auf den Punkt! Ich finde, dass mit der Angstmacherei der Befürworter völlig an der Realität vorbei politisiert wird. Diese pflastern jetzt voller Panik die Plakatwände mit lächerlichen Postern zu und denken, dass damit noch etwas gerettet werden kann…
    0 0 Melden
  • sophie_m 07.05.2014 17:01
    Highlight perron hat recht, in dieser kampagne jagt wirklich ein fauxpas den nächsten! blattmann, maurer und der schwedische botschafter als clowns der nation... bleibt zu hoffen, dass dies für einmal die mehrheit des schweizer stimmvolks ebenso sieht, und dem ja-lager am 18. mai die quittung verpasst!
    0 0 Melden
  • Rolandsky 05.05.2014 02:18
    Highlight Perron ist und bleibt ein Ploderi, mit «Hauptquartier» im Zürcher Seefeld... Wo er in einem Büro ein Zimmer gemietet hat.
    0 0 Melden
  • Nicoscore 03.05.2014 22:23
    Highlight Louis Perron sagt, von der FDP würden nur ein paar "Rechtsabweichler" zustimmen. Die Parole sagt da etwas ganz anderes. Das nur als kleiner Hinweis.

    Sektion/Kantonalpartei Parole Datum
    FDP.Die Liberalen Schweiz Ja 29.3.14
    FDP.Die Liberalen Frauen
    Ja 19.2.14
    Jungfreisinnige Schweiz Ja 5.4.14
    Aargau Ja 3.4.14
    Appenzell Ausserrhoden Ja 23.4.14
    Bern Ja 23.4.14
    Baselland Ja 10.4.14
    Basel-Stadt Ja 1.4.14
    Fribourg
    Genève Ja 20.3.14
    Glarus
    Graubünden Ja 7.4.14
    Jura Ja
    Luzern Ja 10.4.14
    Neuenburg Ja 19.3.14
    Nidwalden Ja 17.4.14
    Obwalden
    St. Gallen Ja 3.4.14
    Schaffhausen Ja 10.4.14
    Solothurn
    Schwyz Ja 15.4.14
    Thurgau Ja 15.4.14
    Ticino
    Uri
    Vaud Ja 13.3.14
    Wallis
    Zug
    Zürich Ja 27.3.14

    3 4 Melden
  • Zeit_Genosse 03.05.2014 21:12
    Highlight Pleiten, Pech und Pannen. Man darf da schon mal ehrlich sein. Bisher war die Kampagne, wenn es denn jemals eine gab, schrott. Trotzdem ist das Resultat noch nicht klar, was mich erstaunt. Darf denn ein so schlecht vorbereitetes Geschäft von der Bevölkerung noch gutgeheissen werden? Es ist nicht zu spät mit einem Nein dieses Rüstungsgeschäft in der Finanzierung und beim Typenentscheid zurückzuweisen und dem Volk eine seriöse, transparente und überarbeitete Variante vorzulegen. Das Volk hat das verdient nach all diesen Pannen.
    6 2 Melden
    • Fätze 04.05.2014 08:09
      Highlight "Das Volk hat Sicherheit verdient und sonst nichts zu melden."?!
      Dieser Satz sagt schon alles...
      10 1 Melden
    • Zeit_Genosse 04.05.2014 09:02
      Highlight @david707
      Doch, das Volk hat etwas zu melden, weil wir ja nicht nur über die Finanzierung (Fond) abstimmen, sondern weil der Typenentscheid "Gripen" explizit erwähnt ist und mit einem Ja zum Finanzierungsfond der Typ unwiderruflich bestätigt wird. Um bei ihrem Beispiel zu bleiben. Wenn die Polizei sich Pfeil und Bogen anschaffen wollte und dies mit intransparenten Methoden uns als geeignet verkaufen möchte, dann müssen wir uns melden und zwar mit einem Nein. Dann ist der Weg für eine saubere Evaluation von geeignetem Material offen.
      2 1 Melden
    • Zeit_Genosse 04.05.2014 15:32
      Highlight @grufti
      Lesen die den Abstimmungstext nochmals. Es geht um die Finanzierung des Gripen über den Fond. Es geht nicht nur um die Finanzierung irgend eines Kampfflugzeugs, sondern explizit auch um die Wahl des Typs (Gripen) durch die Finanzierungsvorlage. Bei einem Ja müsste dieser Flieger angeschafft werden, ansonsten könnte man die Vorlage nachträglich anfechten. Gegen die Finanzierungsart habe ich nichts (@david707), aber die Typenevaluation stinkt mit all den Pannen. Diese Evaluation sähe ich gerne nochmals vom Parlament seriös gemacht und überarbeitet. Die Politik ist beim Typ in eine Sackgasse gefahren und keiner traut sich zu Fragen, ob es in anbetracht der vielen Informationen und Ereignisse immer noch das beste Flugzeug für die ca. 3Mia ist. Und was die Aufgabe des Volkes betrifft, ist in einer direkten Demokratie zum Glück vieles möglich. Wir alle wollen eine sichere Schweiz und sauber geführte Evaluationsprojekte (die Chronologie der Evaluation ist nicht Schweiz-Like und weitere Fehler wie beim IT-Projekt, wo Mio. in den Sand gesetzt wurden, sind im VBS gut möglich).
      3 2 Melden
  • _mc 03.05.2014 20:58
    Highlight die gripen diskussion ist unterdessen obsolet. das ding ist tot.
    meldet euch wieder mit euren vaterland-rufen wenns um die drohnen geht.. aber da ist ja dann noch der hanspeter thür..!
    2 1 Melden
  • boewinnie 03.05.2014 18:07
    Highlight logisch, dass herr perron nicht involviert ist .... deshalb sein frust-beitrag
    1 6 Melden
  • thebest1001 03.05.2014 14:30
    Highlight Ähm wie wärs wenn watson mal neutral berichten würde? Vielleicht auch mal ein Gripenbefürworter zu Wort kommen lassen? Wenn ich in der Suchfunktion nach Gripen suche, kommen nur Gripen kritische Artikel. Es geht ja immerhin um die Zukunft unseres Landes...
    9 17 Melden
  • mauchmark 03.05.2014 14:08
    Highlight Der Campaigning-Profi (?) Louis Perron lässt einen entscheidenden Faktor ausser acht: Die Gripen-Gegner haben bisher nicht nur eine äusserst wirkungsvolle und fehlerfreie Kampagne abgeliefert. Die Armeegegner haben auch endlich begriffen - nach unzähligen schmerzlichen Abstimmungsniederlagen - dass es alles andere als klug ist, mit der Armeeabschaffungs-Organisation GSoA, für eine Schweiz ohne Armee zu kämpfen. Zu offensichtlich waren da immer die eigentlichen primären Absichten. Besonders brutal wurde das bei der GSoA Initative "Ja zur Aufhebung der Wehrpflicht" vor Augen geführt, die letztes Jahr vom Volk mit wuchtigen 73.2% Nein abgeschmettert wurde. Daher war es absolut die richtige und logische Entscheidung, die GSoA aus der "Gripen Nein" Abstimmungs-Kampagne zu verbannen. Um so das eigentliche Ziel - eine Schweiz ohne Armee - erfolgreich zu verschleiern.
    9 11 Melden
  • Androider 03.05.2014 13:30
    Highlight Die Antwort von Perron auf die letzte Frage ist einfach nur top! :D
    9 7 Melden
    • Wiederkehr 03.05.2014 14:00
      Highlight Soso..... dann weiss so ein studierter Lümmel wieder alles zum Voraus? Wie bei der Minarett, Ausschaffungs und Masseneinwanderungsinitiative? Und nachher reibt Ihr Euch die Augen?
      6 13 Melden
    • Surfdaddy 03.05.2014 21:21
      Highlight Wenn ein Chef nicht über Sachkenntnis verfügt, sollte er wenigstens seine Fachexperten zu Rate ziehen.

      Leider ist der Chef, ein extrovertierter Bauernsohn und macht die wirklichen Experten unter ihm maultet!

      Jetzt kriegt die Schweiz die Rechnung von sieben Jahren katastrophaler Arbeit aus Bundesbern. Klar wird NEIN gestimmt, aber nicht, weil man gegen oder für eine gute Landesverteidigung ist, sondern weil die Verantwortlichen einen katastrophalen Job hingelegt haben...

      Ich wette 68% NEIN und der Rest kann mich mal...
      0 1 Melden
    • Wiederkehr 04.05.2014 07:23
      Highlight @ Grufti: Perron hat nicht recht. Er ist der studierte Lümmel. Nicht Du. Vor dem zweiten Weltkrieg wussten auch alle Experten dass es nie mehr Krieg gibt
      1 1 Melden
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