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Bild: SWISS PRESS PHOTO

Jetzt will der Hornkuh-Rebell die Zeitumstellung abschaffen

Die führenden Köpfe der Initiative zur Abschaffung der Zeitumstellung haben am Samstag ihre Argumente dargelegt. Sie führen Jahrtausende alte Gewohnheiten ins Feld.
14.04.2019, 03:32

Die Initiative «Ja zur Abschaffung der Zeitumstellung» war am Dienstag im Bundesblatt publiziert worden. Künftig soll demnach ganzjährig die mitteleuropäische Zeit gelten.

Am Samstag nun legten die Luzerner SVP-Nationalrätin Yvette Estermann und Hornkuh-Initiant Armin Capaul als Mitglieder des Initiativkomitees vor Medienvertretern in Interlaken ihre Argumente dar. Die Zeitumstellung bringe seine innere Uhr durcheinander, sagte Bergbauer Capaul. Auch für Bauernhöfe funktioniere die Sommerzeit nicht – man könne nicht früher heuen, wenn Schatten oder Tau auf einer Wiese liege.

Estermann führte ferner das Hormonsystem ins Feld, das durch Hell und Dunkel beeinflusst werde. Jahrtausende alte Gewohnheiten könne man nicht einfach umschalten, «ohne dass gesundheitliche Probleme auftauchen», sagte sie zu Keystone-SDA Video.

Die Initianten haben nun bis am 9. Oktober 2020 Zeit, die für das Zustandekommen nötigen 100‘000 Unterschriften zu sammeln. Die Ausführungsbestimmungen müssten im Jahr nach der Annahme in Kraft gesetzt werden.

EU geht voran

Ob es überhaupt eine Volksabstimmung braucht, ist ungewiss. Im März hat sich das EU-Parlament nämlich für die Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen. Findet der Plan die Zustimmung der Mitgliedstaaten, könnten die Uhren im Oktober 2021 ein letztes Mal umgestellt werden.

Wollen die Zeitumstellung abschaffen: Yvette Estermann und Armin Capaul.
Wollen die Zeitumstellung abschaffen: Yvette Estermann und Armin Capaul.bild: keystone

Den einzelnen Ländern soll es aber freigestellt sein, ob sie die Sommer- oder die Winterzeit beibehalten wollen. In der EU-Umfrage hatte sich eine grosse Mehrheit für eine dauerhafte Sommerzeit ausgesprochen.

Schweiz macht's nach

Das Eidgenössische Institut für Metrologie (Metas) teilte nach dem Entscheid des EU-Parlaments mit, die Schweiz verfolge die Entwicklung in den Nachbarländern und werde sorgfältig prüfen, ob eine allfällige Anpassung der Zeitregelung sinnvoll und im Interesse der Schweiz sei.

Das entspricht der bisherigen Politik des Bundes. Obwohl das Volk die Sommerzeit 1978 mit fast 84 Prozent Nein verworfen hatte, führte der Bundesrat die Zeitumstellung nach einem Entscheid des Parlaments 1981 ein. Für die Koordination mit den Nachbarländern führte er damals wirtschaftliche Gründe ins Feld.

In der Begründung einer Motion aus dem Jahr 2016 hatte Estermann auf die wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung verwiesen. Sie machte damals auch die hohe Zustimmung zur Abschaffung der Zeitumstellung in der EU geltend. In einer globalisierten Welt, in der die Leute auf Flugreisen regelmässig die Uhr umstellten, sei das Argument der «Zeitinsel Schweiz» nicht mehr stichhaltig. (sda)

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Armin Capaul bleibt Hornkuh-Rebell

Video: srf

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61 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Halb Wissen
14.04.2019 07:22registriert August 2017
Nutzlose Initiative.
Wir werden uns der Eu anpassen. Alles andere ist Blödsinn.
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Händlmair
14.04.2019 07:11registriert Oktober 2017
Diese Initiative ist so Sinnvoll wie Masern!
Die EU wird sowieso die Zeitumstellung abschaffen. Da braucht es keine hellseherische Fähigkeiten um zu wissen, dass die Schweiz sofort nachziehen wird. Hier geht es vermutlich nur darum, dass sich Frau Estermann profitieren möchte und Herr Capaul ist zu naiv zu begreifen, dass er nur dafür Ausgenutzt wird.
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DogiDog
14.04.2019 03:50registriert April 2019
Eine Initiative die keiner braucht und viele unnötige Kosten verursacht... Aber ist ja bei der SVP nichts neues...
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61
An diesen Anblick sollten wir uns möglichst schnell gewöhnen

Optisch macht sich unser Energieverbrauch hierzulande nur partiell bemerkbar. Zum Beispiel im Tessin mit der riesigen Verzasca-Staumauer oder in Teilen des Mittellandes, wo die Dampfsäulen der AKWs Beznau, Gösgen und Leibstadt die Ortsbilder prägen – oder auf der A13 vor Chur. Dort produziert das fast 120 Meter hohe Windkraftwerk Haldenstein jährlich 4,5 GWh Strom.

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