Schweiz
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Der Wahlsonntag war in Frauenhand. bild: watson

Das Bundeshaus wird weiblicher: Wie diese 5 Frauen am Wahlsonntag für Aufsehen sorgten

Zu den Gewinnern der gestrigen Wahlen gehören nicht nur die Klimaparteien, sondern auch die Frauen. Das Bundeshaus wird deutlich weiblicher. 5 Frauen erzählen.



Sie prägten neben der grünen Welle den Wahlkampf: die Frauen. Bisher haben sie im Nationalrat knapp einen Drittel der Sitze belegt, im Ständerat sogar nur 13 Prozent. Nach dem gestrigen Sonntag sitzen 85 Frauen im Nationalrat. Beim Ständerat kommt es in mehreren Kantonen zu einem zweiten Wahlgang. Aber auch dort dürften in Zukunft mehr Frauen einsitzen.

Der gestrige Tag war demzufolge nicht nur für die Grünen ein Erfolg, sondern auch für die Frauen. Diese 5 sorgten am gestrigen Wahlsonntag für Aufsehen.

Monika Rüegger, neu gewählte SVP-Nationalrätin, Obwalden

Die frisch gewaehlte Obwaldner Nationalraetin Monika Ruegger, SVP, freut sich ueber ihre Wahl anlaesslich der Eidgenoessischen Nationalratswahlen am Sonntag 20. Oktober 2019 in Sarnen. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Monika Rüegger feiert am Sonntag ihren Wahlerfolg in Sarnen. Bild: KEYSTONE

Die Wahl von Monika Rüegger ist gleich in doppelter Hinsicht bemerkenswert. Nicht nur konnte die Präsidentin der SVP Kantonalpartei den einzigen Nationalratssitz im Kanton nach acht Jahren wieder zurück in die Hand der SVP bringen, auch ist sie die erste Frau überhaupt, die Obwalden im nationalen Parlament repräsentiert.

«Es ist überwältigend. Mir war bewusst, dass meine Kandidatur nicht ganz einfach wird. Schliesslich ist der Kanton Obwalden eine Hochburg der Christlichdemokraten. Dass es jetzt geklappt hat, freut mich sehr», sagt Rüegger am Sonntagabend nach ihrer Wahl. Das Ergebnis war in der Tat äusserst knapp. Ihr Vorsprung vor dem CVP-Kandidaten Peter Krummenacher betrug lediglich 87 Stimmen.

«Ich wurde gewählt, weil ich volksnah bin und auf die Leute zugehe.»

Monika Rüegg

Dass sie die erste Frau ist, die für den Kanton in den Nationalrat geht, stehe für sie nicht im Vordergrund, sondern sei ein erfreulicher Nebeneffekt. Während dem Wahlkampf habe sie viele positive Rückmeldungen insbesondere von Frauen aber auch von Männern erhalten, die ihr sagten, dass es schön sei, wenn der Kanton auch mal von einer Frau vertreten werde.

Alles in allem glaube sie aber nicht, dass es den Wählerinnen und Wählern in Obwalden um die Frage Frau oder Mann gegangen sei. «Ich wurde gewählt, weil ich volksnah bin und auf die Leute zugehe. Ich setze mich seit zehn Jahren als Kantonsrätin für die Obwaldnerinnen und Obwaldner ein. Das haben sie gemerkt.»

Adèle Thorens und Ada Marra, Spitzenanwärterinnen für den Ständerat, Waadt

Ada Marra, gauche, candidate du Parti socialiste (VD) au Conseil des Etats, Adele Thorens, droite, candidate Les Verts (VD) au Conseil des Etats, et dans les coulisses du plateau de l'emission speciale

Ada Marra (SP) und Adele Thorens (Grüne) freuen sich über ihre Pole-Position für die Ständeratswahl. Bild: KEYSTONE

Der Kanton Waadt hat die Nase in Frauenanliegen immer ein bisschen vorne. Der Kanton hätte uns Frauen das Stimmrecht bereits 1959 gegeben. Und dieses Jahr wählten die Waadtländer fünf Frauen an ihre Spitze (den Regierungsrat). Auch gestern zeigten die Waadtländer wieder einmal Pioniergeist: Zwar hat es mit dem Frauenrutsch im Stöckli (noch) nicht ganz geklappt. Aber: Auf den Spitzenplätzen liegen mit der grün-roten-Allianz zwei Frauen; Adèle Thorens (Grüne, 39,9% der Stimmen) und Ada Marra (SP, 39,66% der Stimmen). Marra und Thorens hatten im Wahlkampf gemeinsame Sache gemacht und ein einziges Ticket aufgestellt.

Auf den dritten Platz kam der FDPler Olivier Français. Er stellt sich zur Wiederwahl und hätte eigentlich vom Bisherigenbonus profitieren können – wäre da nicht die Klimabewegung, die Thorens in die Hände spielt. Die Klimabewegung ist in der Romandie im Kanton Waadt am stärksten.

Nun kommt es am 10. November zum zweiten Wahlgang. Die Chancen für die zwei linken Frauen stehen entsprechend gut. Adèle Thorens: «Ich freue mich extrem, vor allem, weil sich die Wähler für unser Frauenticket ausgesprochen und in einem Block links gewählt haben. Ada liegt ja nur mit einigen hundert Stimmen hinter mir.» Die Klimajugend habe Wirkung gezeigt, sagt Thorens weiter. Dank ihr geschehe hier ein «enormer Wechsel».

«Dass nun zwei Frauen auf den Pole-Positionen für das Waadtländer Stöckli sind, ist ein starkes Zeichen.»

Adele Thorens

Nebst dem Klima stand die diesjährige Wahl im Zeichen der Frauenbewegung. Hierzu sagt Thorens: «Dass nun zwei Frauen auf den Pole-Positionen für das Waadtländer Stöckli sind, ist ein starkes Zeichen. Wir zeigen, dass das sehr gut geht – die Leute stehen hinter uns.»

Jetzt stehen nochmals drei Wochen intensive Kampagne auf dem Programm, bevor es im November zum zweiten Wahlgang kommt. Wie will Thorens auch diesmal überzeugen? «Wir machen weiter wie bisher. Das heisst, wir gehen auf die Waadtländer zu, verbringen Zeit mit ihnen auf dem Markt, an ihren Arbeitsplätzen, sprechen mit Bio-Bauern .... Wir haben ja nicht wie andere hunderttausende Franken für eine Kampagne zur Verfügung.»

Klappt es im November, stünden bei ihr drei grosse Dossiers auf dem Plan: Das CO2-Gesetz, der Ausstieg der Schweiz bei den Pestiziden – «die Schweiz muss dringendst weg davon, es braucht einen fundierten Plan, um den Bauern dabei zu helfen» – und die Förderung der Kreislaufwirtschaft.

«Ich freue mich, dass die Linke gestärkt ist», so SP-Frau Ada Marra. Die Grünen und die SP teilten viele Werte und Ansichten. «Wichtig ist, dass wir die bürgerliche Mehrheit im Parlament brechen.»

Gegen 22 Uhr geht es für beide Frauen in Richtung ihrer Stämme im Stadtzentrum von Lausanne. Eine grosse Party gibt es jedenfalls bei der SP noch nicht. Marra: «Zum feiern ist es noch zu früh. Wir haben ein Rendez-Vous in drei Wochen.»

Lisa Mazzone, Grüne Spitzen-Anwärterin für den Ständerat Genf

Carlo Sommaruga, gauche, parti Socialiste (PS) et Lisa Mazzone, Les Verts, arrivent tout sourire apres avoir pris connaissance des projections, ce dimanche 20 octobre 2019 a Geneve Uni Mail le lieu de depouillement centralise des bulletins de vote du canton de Geneve et des resultats, lors de la journee des elections federales 2019 au Conseil National et au Conseil des Etats. (KEYSTONE/Martial Trezzini)

Lisa Mazzone mit dem zweitplatzierten Sozialdemokraten Carlo Sommaruga. Bild: KEYSTONE

Die Grünen sind im ganzen Land auf Erfolgsspur – auch in Genf schafft es Lisa Mazzone auf den Spitzenplatz fürs Stöckli.

Mazzone liegt mit 41'757 Stimmen vorne, gefolgt vom Sozialdemokraten Carlo Sommaruga, der 38'344 Stimmen macht. Auf dem dritten Platz steht auch hier ein FDPler, Hugues Hiltpold mit 23'424 Stimmen.

Für das absolute Mehr reichte es aber gestern nicht. Mazzone zeigte sich dennoch erfreut und extrem berührt: «Ich kann es fast nicht glauben. Merci, merci an alle Genfer.» Für sie ist das Ergebnis «ein deutliches Signal für die Klima- und Frauenbewegung». Erstens zeigten die Resultate, dass die Klimabewegung nicht nur – wie von manchen prophezeit – auf der Strasse stattfinde. Weiter: «Wir erleben hier etwas Historisches, ein Momentum – nicht nur für die Grünen, sondern auch für die Frauen. Und ich bin so glücklich, das zu erleben.»

«Das Ergebnis ist ein deutliches Zeichen für die Klima- und Frauenbewegung.»

Lisa Mazzone

In den nächsten drei Wochen sei es nun zentral, die Wähler daran zu erinnern, dass es ihre Unterstützung nochmals braucht: «Wir werden bereits ab Morgen wieder Kampagne machen, auf die Strasse gehen und die Leute mobilisieren. Denn es steht extrem viel auf dem Spiel. Wir stehen vor der Herausforderung des Jahrhunderts!»

Das Zwischenresultat hat Mazzone an diesem Sonntagabend dennoch bereits ein bisschen gefeiert. An einem «riesigen Tisch mit 20 Personen.»

Manuela Weichelt-Picard, neu gewählte ALG-Nationalrätin, Zug

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Die 52-Jährige schrieb mit ihrer Wahl am Sonntag Geschichte. bild: watson

«Mir hend e Frau!», hallt es durch den Raum, als das Resultat verkündet wurde. Ein Schrei der Erlösung so scheint es, in Zug wurde noch nie eine Frau ins Bundeshaus gewählt. Und jetzt haben sie eine. Die 52-jährige Manuela Weichelt-Picard von der Alternative – Die Grünen Zug (ALG) schafft es mit 6292 Stimmen als erste Zuger Frau am Sonntag in den Nationalrat.

Weichelt wurde 2007 bereits als erste Frau in den Zuger Regierungsrat gewählt. Zwölf Jahre lang war sie die einzige Frau im Gremium. Nun, knapp 12 Jahre später, schreibt Weichelt erneut Politikgeschichte in Zug.

«Ich habe wahnsinnige Freude und kann kaum beschreiben, wie stolz ich bin, die erste Frau zu sein, die nach Bern gewählt wird. Dafür haben wir jahrelang gekämpft», sagt Weichelt an der Wahlfeier der ALG in Zug. Warum brauchte es so lange, bis einer Frau diesen Durchbruch gelang? «An den Frauen lag es nicht. Es hatte immer gute Kandidatinnen. Aber besonders bei den Bürgerlichen hatten es die Frauen sehr schwer. Im letzten Moment wurden sie jeweils auf die schlechten Listenplätze gesetzt», sagt Weichelt-Picard.

Bei diesjährigen Wahlen war das anders. Bei der SVP Zug war Brigitte Wenzin Widmer auf dem dritten Listenplatz und auch bei der FDP gehörte Claudia Benninger Brun mit dem zweiten und Sussi Hodel mit dem vierten Platz zu den Spitzenkandidaten.

«Ich habe wahnsinnige Freude und kann kaum beschreiben, wie stolz ich bin, die erste Zuger Frau zu sein, die nach Bern gewählt wird.»

Manuela Weichelt-Picard

Die frisch gewählte Nationalrätin ist sich sicher: Auch der Frauenstreik hat zu ihrer Wahl beigetragen. «Es haben mehr als 600 Leute gestreikt – für Zug ist das sehr viel.» Während des Wahlkampfs hätte sie jedoch gemerkt, dass es vielen nicht bewusst gewesen sei, dass noch nie eine Frau für Zug im Parlament sass. «Die meisten waren aber der Meinung, dass jetzt höchste Zeit dafür sei.»

Manuela Weichelt-Picard im Interview

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Video: watson

Nebst dem Klimawandel ist das Thema Gleichstellung ganz klar eines der Hauptanliegen der zweifachen Mutter. «Es gibt noch viele Dinge, die in Sachen Gleichstellung verbessert werden müssen.» Sie zählt die Lohnungleichheit auf, gemeinsame Elternzeit, die Unterbesetzung der Frauen in Spitzenpositionen und die fehlende finanzielle Unterstützung bei der Kinderbetreuung.

Die 52-Jährige ist in Schaffhausen aufgewachsen und erst 1991 nach Zug gezogen. Zuvor lebte sie in der Stadt Zürich und erlebte beim Umzug nach Zug einen Rückschritt. Auf einmal sei sie wieder mit «Fräulein» angesprochen worden. «Ich dachte mir: Das gibt’s wohl nicht!»

Die damaligen Grünen, die sich «Frische Brise» nannten, hätten ihr ein Willkommensgeschenk in den Briefkasten gelegt. Und sie habe sich gedacht: «Wenn ich dort keine Leute finde, die ähnlich denken wie ich, geh ich wieder aus dem Kanton Zug.» Scheint, als hätte es sich für sie gelohnt, in Zug zu bleiben.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Things will be different when I take over the worl 21.10.2019 19:47
    Highlight Highlight Diese Frauen machen mir Freude. Diese Frauen sind ein Lichtblick in der Finsternis, neben all diesen erbärmlichen Faschisten, wie Trump, Orban oder Kerdogan, die sonst so auf der Welt rumgeistern.
  • Mutbürgerin 21.10.2019 16:51
    Highlight Highlight Liebe Frauen, hütet Euch vor CVP Politikern.

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