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Schweiz
Gesellschaft & Politik

«Arena» zu Gesundheitskosten: Rösti ärgert sich über Branchenverbände

Werden sich nicht einig: Christoph Kilchenmann, stellvertretender Direktor Santésuisse, und Pius Zängerle, Direktor Curafutura.
Werden sich nicht einig: Christoph Kilchenmann, stellvertretender Direktor Santésuisse, und Pius Zängerle, Direktor Curafutura.screenshot: srf

SVP-Rösti liest den ewigen Blockierern in der Gesundheits-«Arena» die Leviten

Eine Lösung für die steigenden Kosten im Schweizer Gesundheitswesen gibt es nur, wenn man zusammenspannt. Die Hand darauf wollten sich die Branchenvertreter in der SRF-«Arena» dann doch nicht geben.
11.06.2022, 01:3611.06.2022, 12:32

Nach 45 Minuten reichte es Albert Rösti. Mit beiden Händen stützte er sich auf sein Rednerpult, schaute streng und sagte: «Jetzt ist wirklich Zeit, dass ihr hier nicht mehr verteidigt, was mal war. Sondern dass ihr euch die Hand gebt und sagt: ‹Wir brauchen innerhalb dieses Jahres eine Zusammenarbeit.›»

Video: srf

Die zwei Adressaten dieses Rüffels standen ruhig, lächelten etwas verlegen. SRF-Moderator Sandro Brotz gab sich beeindruckt: «Ich habe Herrn Rösti in diesem Studio oft grantig gesehen, doch das war jetzt der Höhepunkt, was ich schon von ihm erlebt habe.»

Dass sich Rösti ärgerte, konnte man dem SVP-Nationalrat nicht verübeln. Schliesslich stand das Thema im Fokus, das wohl der gesamten Schweizer Bevölkerung Bauchschmerzen bereitet: die hohen Gesundheitskosten. Seit Jahren steigen sie ungebremst an. Im Coronajahr lagen die gesamten Kosten im Gesundheitswesen bei 83.3 Milliarden Franken.

Damit sind viele verschiedene Probleme verbunden. Zum einen die ebenfalls steigenden Krankenkassenprämien. Dann die hohen Medikamentenpreise, ein veraltetes Tarifsystem, über das die Ärzte ihre Leistungen abrechnen, eine unfaire Kostenaufteilung, und und und... Der Rattenschwanz, den das kranke Schweizer Gesundheitssystem nach sich zieht, ist lang. Und die Lösung: leider ausser Sichtweite.

Darum lud Brotz sie am Freitagabend alle in die SRF-«Arena»:

  • Gesundheitspolitikerinnen und -politiker, nebst Rösti waren dies Flavia Wasserfallen, SP-Nationalrätin und Präsidentin Dachverband Patientenstellen, Christian Lohr, Nationalrat Die Mitte und Mitglied Gesundheitskommission, und Andreas Faller, Berater im Gesundheitswesen und FDP-Mitglied.
  • Vertreter der Krankenkassenverbände mit Christoph Kilchenmann, stellvertretender Direktor Santésuisse, und Pius Zängerle, Direktor Curafutura.
  • Den Vorstand des Schweizer Ärzteverbandes mit Urs Stoffel, Facharzt für allgemeine Chirurgie.
  • Der stellvertretende Direktor Bundesamt für Gesundheit BAG, Thomas Christen.

Fast schon ein Gipfeltreffen. Kein Wunder also, dass die Luft dick war. Denn während immer mehr Leute in der Schweiz unter den hohen KK-Prämien leiden, streiten die verschiedenen Akteure der Branche unentwegt über Reformvorschläge. Ohne sich einig zu werden.

Röstis Tadel richtete sich denn auch an jene zwei Player, die sich mit ihrer gegenseitigen Blockadehaltung gerade wenig Freunde machen: Christoph Kilchenmann, stellvertretender Direktor von Santésuisse und Pius Zängerle, Direktor von Curafutura – beides Krankenkassenverbände, die eigentlich dieselben Interessen vertreten, sich jedoch lieber diametral widersprechen.

Im Zentrum steht die Ausgestaltung des neuen Ärztetarifsystems Tardoc. Es ist eines der wichtigsten Geschäfte der Legislatur. Es geht um über 12 Milliarden Franken jährlich aus der Grundversicherung. Schon drei Mal hat der Bundesrat den Vorschlag für das neue System zurückgewiesen und Nachbesserungen verlangt. Zuletzt vergangene Woche. Rösti sagte in der «Arena», nun gehe es eben darum, die Vorschläge der beiden Branchenverbände zu kombinieren, sodass die Kosten möglichst gesenkt werden.

Video: srf

Doch die Antwort der beiden Branchenverbandvertreter liess die Hoffnung auf ein rasches Vorrücken schwinden. Kilchenmann von Santésuisse sagte, er sei erleichtert, dass der Bundesrat den Tardoc jetzt nochmals gestoppt hat. Denn nach dem jetzigen Vorschlag würde der neue Tarif die Prämienzahlenden nicht entlasten – im Gegenteil, er würde sogar zu mehr Kosten führen.

Damit war Zängerle von Curafutura natürlich nicht einverstanden. Das sei eine harte Aussage, fand er. Immerhin waren sich die beiden dann doch einig, dass nicht die eine oder andere Tarif-Art die bessere sei, sondern nun eine gemeinsame Entwicklung nötig sei.

Video: srf

Zum von Rösti gewünschten Handschlag zwischen dem Santésuisse- und Curafutura-Vertreter kam es zuletzt dann aber doch nicht. Ersterer sagte, etwas verkniffen zwar, aber immerhin wohlwollend gestimmt, ja, man sei bereit, hier mitzuschaffen. Zweiterer wollte kein Versprechen abgeben: «Wir machen in den nächsten 12 Monaten das, was möglich ist.»

Zwar wollte Brotz im zweiten Teil der Sendung den Fokus auf die zwei politischen Initiativen lenken, die derzeit im Parlament diskutiert werden: jene zur Kostenbremse der Mitte und die Prämienentlastung der SP. Doch die Politiker blieben hinter ihren Pulten die Zaungäste der Sendung. Es drehte sich alles um die Branchenvertreter. Sie waren es, die den Ton angaben. Und ihr Auftritt machte klar: Werden sie sich nicht einig, wird die Politik noch lange ein Problem haben.

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185 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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OrDa84
11.06.2022 05:57registriert August 2021
Warum bestimmt hier das Parlament nicht einfach eine Lösung, die die Bürger entlastet? MUSS man denn auf die Branchenverbände oder deren Vorschläge warten? Wäre mir neu, dass das so in der Verfassung steht.
Problem dürfte hier, wie so oft, die Lobby im Bundeshaus sein.
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N. Y. P.
11.06.2022 05:29registriert August 2018
«Wir machen in den nächsten 12 Monate das, was möglich ist.»

Frei übersetzt: Es interessiert uns im Prinzip überhaupt nicht, dass die Kosten explodieren. Ständig dieses Theater. Die Leute sollen ihre Prämien bezahlen und ansonsten ruhig sein.
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*Diesisteinzensurportal*
11.06.2022 02:03registriert Oktober 2018
Wenn die sonst so viel gescholtenen SVP-Vertreter in der Arena als Stimme der Vernunft auftreten ist es wohl wirklich höchste Zeit nach einer echten und praktikablen Lösung zu suchen. Eine Lösung, welche der Bevölkerung, die ja von den Politikern und Verbänden vertreten werden, zugute kommt. Allez - faites un effort!
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