DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Das Logo der PR- Kommunikationsagenture Burson-Marsteller AG am Mittwoch, 6. Mai 2015 in Zuerich. Ein kasachischer Politiker soll laut der NZZ ueber 7000 Franken fuer eine Interpellation im Schweizer Parlament bezahlt haben, die von Burson-Marsteller verfasst und von der Berner FDP-Nationalraetin Christa Markwalder eingereicht wurde.  (KEYSTONE/Anthony Anex)

Twitter-Feed manipuliert? Krisenkommunikator Burson-Marsteller. Bild: KEYSTONE

Burson-Marsteller: «Führend» in der Krisenkommunikation – aber in der Kasachstan-Affäre schon zweimal gepatzt

Zuerst schaltete die Kommunikationsagentur Burson-Marsteller die falsche Stellungnahme auf ihre Homepage auf, dann verschwanden kritische Tweets aus dem Feed. Gute Krisenkommunikation geht anders.



«Bleibe transparent: Einige grössere Unternehmen sind unter Beschuss gelangt, als herauskam, dass Posts nachträglich gelöscht wurden.» Dieser Satz steht auf der Homepage von Burson-Marsteller Switzerland. Das Unternehmen berät Firmen und Personen in der Krisenkommunikation. 

Erstaunlich genug, dass der Twitter-Feed von Burson-Marsteller (BM) Switzerland selbst seit ein paar Tagen den Eindruck vermittelt, intransparent zu sein.

Kritik und Häme im Twitter-Feed

Seit Beginn der Kasachstan-Affäre war der Feed auf der Homepage des Unternehmens gefüllt mit Kritik und Häme über Burson-Marsteller. Dann plötzlich waren kritische Bemerkungen und die Häme verschwunden. Es erscheinen vor allem noch belanglose Meldungen von BM-Mitarbeitern – oder Auslandsmeldungen.

Filtert die Agentur kritische Stimmen aus dem Feed heraus? Werden selektiv Tweets gelöscht? Burson-Marsteller-Chef Matthias Graf bestreitet dies gegenüber watson:

«BM Switzerland hat nie irgendwelche kritischen oder hämischen Tweets gelöscht.»

Der auf der Website angezeigte Twitterfeed sei «seit jeher» eine Suche, über die sämtliche Tweets von @BMSwitzerland und einiger Mitarbeiter publiziert würden. 

Twitter-Feed wurde geändert

Allerdings, so räumt der CEO ein, habe BM Switzerland unabhängig von der «Kasachstan-Affäre» am 6. Mai (genau an dem Tag, als die Sache aufflog) einem externen Dienstleister den Auftrag gegeben, einen ausgeschiedenen Mitarbeiter aus der Suche zu entfernen. 

«Dabei wurde die Suche unsachgemäss so verändert, dass während einiger Stunden nicht mehr nur die Tweets von @BMSwitzerland und der Mitarbeiter angezeigt wurden, sondern auch sämtliche Tweets in denen @BMSwitzerland und die Mitarbeiter erwähnt werden.»

Als man dies bemerkte, sei die ursprüngliche Form des Feeds aber wiederhergestellt worden, beteuert Graf. Das heisst: Die ursprüngliche Twitter-Policy von BM wurde genau dann manipuliert, als die Affäre Kasachstan hochkochte, die kritischen Tweets wurden sichtbar, dann wieder entfernt. Die betroffenen Tweets seien aber weiterhin sichtbar.

Der zweite Patzer?

Es wäre nicht das erste Mal, dass das Kommunikationsunternehmen in der Affäre Kasachstan patzte: Zwei Twitter-User bemerkten ebenfalls am vergangenen Mittwoch, dass die ursprüngliche Stellungnahme von Burson-Marsteller zum Fall Kasachstan kurz nachdem sie aufgeschaltet worden war, wieder von der BM-Frontseite verschwunden war:

Knapp drei Stunden später war die Stellungnahme wieder da – allerdings in einer anderen Version. In der ersten Version distanzierte sich BM deutlich von Senior Adviser und Lobbyistin Marie-Louise Baumann. Im später aufgeschalteten Communiqué wird Baumann keine Schuld zugewiesen.

«Gefahr eines grossen Vertrauensverlustes»

Zur Erinnerung: Unter Punkt 7 im Blogeintrag von BM mit dem Titel Welchen Einfluss hat Social Media in einer Krise? steht: 

«Postings zu löschen, die einem missfallen oder unangenehm sind, ist ein gewagtes Unterfangen und die Gefahr eines grossen Vertrauensverlustes sehr gross. Es ist bei Weitem die bessere Variante, Fehler zuzugestehen, transparent zu bleiben, aber auch gegebenenfalls den Sachverhalt richtig zu stellen.»

Die Vorgaben von Burson-Marsteller zeigen, was theoretisch gute Krisenkommunikation über Social Media wäre. In der Praxis sieht es offensichtlich etwas anders aus.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

«Über Social Media tragen Rechtsextreme ihre Ideologien in die Mitte der Gesellschaft»

Andre Wolf ist Faktenchecker bei der österreichischen Rechercheplattform Mimikama. In seinem Buch «Angriff auf die Demokratie» schreibt er über die Gefahren rechtsextremer Netzwerke, die das Internet unterwandern.

Herr Wolf, in Ihrem Buch schreiben Sie, dass seit Beginn der Pandemie intensiver Fake News verbreitet werden und der Hass im Netz zugenommen haben. Warum?Andre Wolf: Dieses Phänomen kann man immer dann beobachten, wenn etwas passiert, das viele Menschen betrifft und das Thema stark medial aufgegriffen wird. Im Fahrwasser der Berichterstattung tauchen dann viele Falschmeldungen auf. Das passierte schon 2015 bei der Flüchtlingskrise. Oder immer, wenn es islamistisch-motivierte Terroranschläge …

Artikel lesen
Link zum Artikel