Schweiz
Gesellschaft & Politik

Venezuela: Kritik an Schweizer Reaktion Entführung Maduros

«Das schadet der Schweiz enorm» – Kritik an Schweizer Reaktion zur Entführung Maduros

Der Bundesrat will allfällige Vermögen des venezolanischen Präsidenten sperren. Linke Schweizer Aussenpolitiker kritisieren, dass die Reaktion der Regierung auf den Machtwechsel zu wenig stark ausfällt.
06.01.2026, 09:1006.01.2026, 15:53
Léonie Hagen / ch media

Die USA haben in der Nacht von Freitag auf Samstag Venezuela angegriffen und den Staatschef Nicolás Maduro gefangen genommen. Er soll nun in New York vor Gericht gestellt werden.

epa12622845 (FILE) - Venezuelan President Nicolas Maduro participates in an event commemorating Indigenous Resistance Day in Caracas, Venezuela, 12 October 2025 (reissued 03 January 2026). US Presiden ...
Venezuelas Staatschef wurde in der Nacht auf Samstag von den USA entführt.Bild: keystone

Der Bundesrat reagiert darauf verhalten. Die Schweiz rufe zur Zurückhaltung, Deeskalation und Einhaltung des Völkerrechts auf, schreibt das Schweizer Aussendepartement am Samstag auf dem Kurznachrichtendienst X. Am Montag hält der Bundesrat eine ausserordentliche Sitzung ab. Und sperrt allfällige Vermögenswerte des venezolanischen Präsidenten auf Schweizer Konten.

Molina: «Das unterscheidet sich kaum von einem Angriffskrieg»

Damit ergänze die Schweiz bestehende Sanktionen gegen Venezuela, schreibt der Bundesrat. Mit Maduros Machtverlust könnte Venezuela versuchen, unrechtmässig gewonnene Gelder zurückzuverlangen. Die Sperrung von Maduros Geldern soll das langfristig ermöglichen. Mitglieder der amtierenden Regierung von Venezuela sind von der Sperrung nicht betroffen.

Fabian Molina, SP-ZH, stellt eine Frage zum Kriegsmaterialgesetz, an der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 2. Dezember 2025 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Vall ...
Die Schweiz schwäche ihre Position, indem sie die Handlungen der USA nicht kritisiert, sagt SP-Nationalrat Fabian Molina.Bild: keystone

Sie sei «irritiert» davon, dass der Bundesrat kaum Kritik an den USA übe, sagt Grünen-Nationalrätin Christine Badertscher. Es sei zwar sinnvoll und grundsätzlich auch üblich, allfällige Vermögenswerte bei einem Machtwechsel zu sperren. Allerdings lägen hier klar völkerrechtswidrige Handlungen seitens der USA vor, welche die Schweiz kaum benenne. Die Schweiz sei zwar auch wegen der laufenden Zollverhandlungen von den USA abhängig: «Aber wenn wir uns nicht stärker für das Völkerrecht einsetzen, schadet das unserem Ruf als Ort des internationalen Rechts.»

Die Schweiz sage damit im Prinzip zur Lage in Venezuela nur eines, findet Fabian Molina (SP): «Wir haben hier übrigens noch dreckiges Geld». An sich sei das eine relativ gewöhnliche Massnahme. Dass man als Land nicht mehr dazu zu sagen habe, schade der Schweiz aber enorm.

Schliesslich werde Venezuela nun von US-Truppen umzingelt und Trump schliesse auch eine Bodenoffensive nicht aus. Das unterscheide sich kaum von einem Angriffskrieg, wie ihn Russland führe, so Molina. Deshalb brauche es umgehend eine Verurteilung und Massnahmen, um die internationale Ordnung zu wahren.

Schneider-Schneiter: «Wir sollten nichts leichtfertig riskieren»

Weniger eindeutig sieht Mitte-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter die Lage. Das Statement des Aussendepartements sei zwar «diplomatisch formuliert». Inhaltlich stelle der Bundesrat aber klar fest, dass Völkerrecht verletzt worden sei. Sie habe Verständnis, dass die Schweiz zurückhaltend bleibe, sagt Schneider-Schneiter. Schliesslich stehe mit den laufenden Zollverhandlungen auch für die Schweiz viel auf dem Spiel: «Das sollten wir nicht leichtfertig riskieren.» Der Bundesrat müsse sich vertieft mit der Situation auseinandersetzen und sorgfältig prüfen, was zu tun sei – wie das die europäischen Länder auch täten. Dann werde er sich auch deutlich äussern, ist sich Schneider-Schneiter sicher.

Elisabeth Schneider-Schneiter, Mitte-BL, spricht waehrend der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 12. Dezember 2024 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Mitte-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter.Bild: keystone

Ganz anders beurteilt SVP-Fraktionspräsident Thomas Aeschi die Situation. Der Fehler sei schon entstanden, als die Schweiz die nicht durch den UNO-Sicherheitsrat abgestützten Sanktionen der EU gegenüber Russland einseitig übernahm.

Thomas Aeschi, Fraktionspraesident SVP Schweiz und Nationalrat SVP-ZG, spricht waehrend der Delegiertenversammlung der Schweizerischen Volkspartei SVP, fotografiert am Samstag, 25. Oktober 2025 in Wim ...
SVP-Fraktionspräsident Thomas Aeschi.Bild: keystone

Damit habe die Schweiz die jahrhundertealte Neutralität verletzt, so Aeschi. «Mit der Neutralitätsinitiative, über die das Volk im Herbst anstimmt, kehrt die Schweiz zur immerwährenden und umfassenden Neutralität zurück», sagt er. Aeschi fordert, dass sich der Bundesrat zukünftig aus Konflikten heraushalte und Zurückhaltung zeige – in jedem Fall. (aargauerzeitung.ch)

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Das ist Nicolas Maduro
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Das ist Nicolas Maduro

Seinen letzten Auftritt hatte Nicolás Maduro am Donnerstag. In der Nacht auf Samstag, den 3. Januar, wurde er von den USA entführt.

quelle: keystone / miguel gutierrez
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US-Angriff auf Venezuela
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221 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Dragonlord
06.01.2026 09:57registriert Juli 2016
"Aeschi fordert, dass sich der Bundesrat zukünftig aus Konflikten heraushalte und Zurückhaltung zeige – in jedem Fall."
Und stattdessen die Reichen und Mächtigen (Oligarchen) über unsere Zukunft verhandeln lassen? Das sind keine gewählten Volksvertreter, das sind priviligierte Menschen, welche ihren Kompass für Menschlichkeit weitestgehend verloren haben.
Das Recht des Stärkeren bringt Unterdrückung, Ungerechtigkeit, Armut und Krieg für die Mehrheit. Das ist nicht nachhaltig. Die SVP wird unsere Schweizer Seele verkaufen. Der kleine Mann wird dafür bezahlen müssen.
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Ragl
06.01.2026 09:58registriert Juli 2015
So sicher wie das Amen in der Kirche und das Begrapschen der Ministranten:
Die SVP zieht wieder die Karte „jahrhundertealte Neutralität“ --> Reflex statt Denken.
Geschichte als Ausrede.
Neutralität als Tarnkappe fürs Wegducken.

...und während die Realität sich bewegt, bleibt man stehen und nennt das Haltung.

Wie oft noch dieselbe Platte, bis man merkt, dass Stillstand keine Tugend ist?
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banda69
06.01.2026 10:04registriert Januar 2020
Der SVPler hat vergessen zu erwähnen: "Neutralität ist das höchste Gut. Aber Gschäftli machen, das geht immer."
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