IT-Chaos: Rund 145'000 Arbeitslose bangen aktuell um ihr Geld
Eine IT-Umstellung bei den Arbeitslosenkassen verursacht derzeit erhebliche Probleme. Ein Grossteil der derzeit rund 145'000 Arbeitslosen ist davon betroffen, wie der Tages-Anzeiger schreibt. Noch ist unklar, ob alle Versicherten ihr Geld im Januar fristgerecht erhalten werden.
Auslöser des Debakels ist das neue IT-System Asal 2, das von allen 33 Arbeitslosenkassen zur Auszahlung der Taggelder genutzt wird. Das 200-Millionen-Franken-Projekt wurde zum Jahreswechsel vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) eingeführt.
Betroffene haben bereits ihre Wohnungen verloren
Das Chaos rund um die Arbeitslosengelder ist für einige Betroffene existenzbedrohend. Das berichtet eine Mitarbeiterin der Telefonzentrale einer Arbeitslosenkasse gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Aufgrund der Umstellung haben manche Arbeitssuchende bereits im Dezember kein Geld erhalten.
Zwei Betroffene hätten sogar ihre Wohnungen verloren und meldeten sich aus Notunterkünften bei der Telefonzentrale, nachdem sie im vergangenen Monat ihre Miete nicht mehr bezahlen konnten. Zudem beträgt die Wartezeit bei Anrufen derzeit bis zu einer Stunde.
Im November informierten die Arbeitslosenkassen die Arbeitssuchenden darüber, dass die Formulare für die Taggelder wegen der bevorstehenden Systemumstellung eine Woche früher als üblich eingereicht werden müssten. Einige hätten diese Information nicht verstanden, sagt eine Mitarbeiterin:
Sie fügt hinzu, dass insbesondere alleinerziehende Mütter von der aktuellen Situation betroffen seien.
Finanzkontrolle mahnte Seco zuvor
Bei der letzten Überprüfung des IT-Systems im Mai 2025 stellte die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) gemäss dem Tages-Anzeiger Mängel fest. So fehlte ein Konzept für die Migration der Daten aus dem alten System. Zudem lag zu diesem Zeitpunkt noch kein Prüfbericht zur Einsatzfähigkeit der entwickelten Software vor. Ebenfalls ungeklärt war, ob das Seco über ausreichend interne Fachkompetenz verfügte, um den Übergang reibungslos umzusetzen. Die EFK hielt dazu fest:
Seco fordert auf, Vorschüsse zu bezahlen
Das Seco habe technische Probleme zunächst gegenüber Tamedia abgestritten, später aber erklärt, man arbeite «mit Hochdruck» an einer Lösung, heisst es im Bericht. Den fristgerechten Auszahlungen sollten die auch am Wochenende anhaltenden Probleme nicht im Wege stehen. Auf Nachfrage räumt das Seco jedoch ein: Verzögerungen könnten «nicht vollständig ausgeschlossen werden».
Intern kommuniziert das Seco anders. In einer E-Mail an die Arbeitslosenkassen vom Freitagabend heisst es: «Bitte gewährt bei anspruchsberechtigten Versicherten Vorschüsse.» Offenbar ist dem Seco bewusst, dass der Ansturm die Mitarbeitenden der Kassen stark belastet: Künftig sollen Träger bei fehlerhaften Abrechnungen nicht haftbar gemacht werden. Ausserdem kündigt das Seco in derselben Mail für Februar eine «teilweise automatisierte Abrechnung von einfachen Zahlungen» an.
Die Berner Ständerätin Flavia Wasserfallen (SP) reichte am Samstag in der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit einen Antrag ein. Dieser fordert das Seco auf, die Kommission in der Sitzung Anfang dieser Woche «über das Ausmass der Probleme zu informieren» und darzulegen, «wie sie behoben werden sollen». (fak)
