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Kollaps-Warnungen und Lockdown-Forderungen – die 7 wichtigsten Corona-Entwicklungen

Die Spitäler warnen vor einem Kollaps, der oberste Gesundheitsdirektor will Verschärfungen und Gesundheitsminister Berset spricht über neue Massnahmen ab Freitag. Wir geben einen Überblick.
14.12.2020, 04:2114.12.2020, 06:12

Falls du das vergangene Wochenende auf News verzichtet hast, findest du hier den Überblick zu den neuesten Corona-Entwicklungen in der Schweiz.

>>> Weitere News zum Coronavirus findest du im Liveticker.

Sommaruga verteidigt spätes Handeln

Weil die Fallzahlen der Infektionen mit dem Coronavirus nicht sinken haben verschiedene Ostschweizer Kantone schärfere Corona-Massnahmen beschlossen. Die St.Galler Regierung verordnete etwa, dass Ansammlungen von mehr als zehn Personen im öffentlichen Raum, namentlich auf Plätzen, Spazierwegen und in Parkanlagen verboten sind.

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga.
Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga.Bild: keystone

Dieselbe Regel gilt in den Kantonen Thurgau und Appenzell Ausserrhoden. Die am Freitag vom Bundesrat verabschiedeten Massnahmen zur Eindämmung des Virus begrüssen die drei Kantone.

Dabei gibt es von verschiedenen Seiten auch die Kritik am Bundesrat, dass er zu spät gehandelt habe. Darauf antwortete Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga in den Zeitungen «Le Matin Dimanche» und «SonntagsZeitung»: «Hätte der Bundesrat früher gehandelt, wäre das nie akzeptiert worden. Denn die Unterschiede zwischen den Kantonen waren zu gross. Heute ist die Situation überall besorgniserregend, weshalb wir uns wieder einschalten», sagte sie.

Spitäler warnen vor Kollaps

Für viele Mediziner gehen Massnahmen des Bundesrates zu wenig weit. Fünf Schweizer Universitätsspitäler haben diese Woche laut der «SonntagsZeitung» eine Warnung bezüglich der Situation mit Coronavirus-Patienten an Bundesrat Alain Berset gesendet. In einem Brief hätten sie «grosse Besorgnis zur aktuellen Lage» geäussert.

Die Betten in den Intensivstationen würden knapp, das Pflegepersonal sei an seiner Belastungsgrenze angelangt und seit Oktober hätten die Unispitäler mehr als 4000 Operationen verschoben. Die Spitaldirektoren befürchten, dass es nach Weihnachten zu einer dritten Coronavirus-Welle kommt und, dass das Spitalwesen kollabieren könnte. In ihrem Brief an Berset verlangen sie ein strengeres Eingreifen des Bundesrates.

Streng bedeutet in diesem Fall, dass das Unispital einen Lockdown fordert – die schweizweite Schliessung von Restaurants, Läden, Museen, Kultur- und Sporteinrichtungen. Auch Skifahren müsse verboten werden.

Engelberger will Verschärfung

Auch der Präsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren, Lukas Engelberger, forderte am Sonntag in einem Tamedia-Interview strengere Massnahmen. Den jetzigen Zustand noch wesentlich zu verlängern, hielt er angesichts der Lage in den Spitälern und den Massnahmen im umliegenden Ausland für unverantwortlich.

Weiter sagte er, dass sich am Montag die kantonalen Gesundheitsdirektoren mit Bundesrat Alain Berset treffen. Thema seien zusätzliche Verschärfungen der Corona-Massnahmen, um die weitere Überlastung der Spitäler zu verhindern. «Das können wir nicht mehr verantworten», sagte Engelberger.

Berset nimmt Ruf der Spitäler «sehr ernst»

Gesundheitsminister Alain Berset reagierte auf den Hilferuf der Spitäler. «Ich denke, dass dies sehr, sehr ernst zu nehmen ist», sagte der Bundesrat im Westschweizer Fernsehen RTS.

Gesundheitsminister Alain Berset.
Gesundheitsminister Alain Berset.Bild: keystone

Der SP-Bundesrat bekräftigte die Absicht, dass die Landesregierung am Freitag neue Massnahmen ankündigen werde, sollte sich die seit rund zehn Tagen wieder stärker grassierende Pandemie nicht abschwächen. Am Montag plant Berset eine Besprechung mit den Gesundheitsdirektoren der Kantone.

HotellerieSuisse-Chef gibt Fehler zu

Er habe die Lage im Oktober falsch eingeschätzt, hat der Präsident von HotellerieSuisse öffentlich eingeräumt. Andreas Züllig hatte sich damals gegen weitere Coronamassnahmen ausgesprochen.

Dass er sich im Oktober gegenüber Bundesrat Guy Parmelin gegen strengere Coronamassnahmen ausgesprochen habe, sei ein Fehler gewesen: Dies sagte der Präsident des Branchenverbands Hotelleriesuisse, Andreas Züllig, gegenüber der Sonntagszeitung. «Ich gebe im Nachhinein zu, dass wir die Lage falsch beurteilt haben», sagte Züllig. Es habe damals «danach ausgesehen», dass die damals geltenden Vorschriften ausreichten, so Züllig weiter. «Es gab keinen Anlass, noch einmal flächendeckend und hart durchzugreifen», so Züllig weiter.

Die wissenschaftliche Taskforce des Bundes hatte bereits Anfang Oktober vor den exponentiell steigenden Fallzahlen gewarnt und flächendeckende Massnahmen empfohlen.

Corona-Proteste in Bern

In Teilen der Bevölkerung gehen aber die bestehenden Massnahmen bereits zu weit. Hunderte Menschen spazierten offenbar aus Protest gegen die Corona-Massnahmen am Sonntagnachmittag in kleinen Gruppen durch die Stadt Bern.

Spazieren gegen Massnahmen: Der Protest auf dem Bundesplatz.
Spazieren gegen Massnahmen: Der Protest auf dem Bundesplatz.Bild: keystone

Versammelt hatten sich die Teilnehmer der Aktion am frühen Nachmittag auf dem Bundesplatz. Ein Reporter der Nachrichtenagentur Keystone-SDA schätzte die Zahl der Anwesenden auf 500 bis 1000.

Der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause ging davon aus, dass die Leute einem Aufruf von Komiker Marco Rima und anderen Kritikern der Corona-Massnahmen gefolgt seien.

Bereits am Samstag hatten mehrere hundert Wirte und Angestellte gegen die Massnahmen und die neue Sperrstunde um 19.00 Uhr demonstriert. Auf mehreren Plätzen der Innenstadt sorgten sie für Lärm mit Küchenutensilien - vom Kochtopf bis zum Schwingbesen. Zur Kundgebung aufgerufen hatte das «Kollektiv Gastrostreik Bern», dem sich bislang 140 Restaurant-Betreiber vor allem aus der Stadt Bern anschlossen.

Massentest in Graubünden

In Graubünden machten derweil tausende Menschen am ersten Massen-Schnelltest in der Schweiz mit. Laut Angaben vom Sonntagabend wurden dabei in Südbünden mindestens 16'000 Menschen getestet, bei rund einem Prozent fielt der Test positiv aus. Eine Rate von einem Prozent entspricht auf den gesamten Kanton gerechnet einem Total von 2000 Personen.

Massentests in Graubünden – hier in Zuoz.
Massentests in Graubünden – hier in Zuoz.Bild: sda

Ziel für ein möglichst aussagekräftiges Bild der Coronavirus-Situation seien 20'000 Tests, hatten die Verantwortlichen im Vorfeld erklärt. Sie wollen am Montag Bilanz ziehen.

Die Flächentests sind laut dem Kanton eine Massnahme, Personen, die das Coronavirus möglicherweise unerkannt in sich tragen, zu isolieren. Die Schnelltests wurden an 23 Stationen im Engadin sowie in den drei Südtälern Bergell, Puschlav und Münstertal durchgeführt. (jaw/wab/sda)

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112 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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knight
14.12.2020 07:27registriert Februar 2015
"Bereits am Samstag hatten mehrere hundert Wirte und Angestellte gegen die Massnahmen und die neue Sperrstunde um 19.00 Uhr demonstriert."

Dies stimmt so einfach nicht, bitte noch einmal die Forderungen vom Gastrostreik lesen! Wir haben vollstes Verständniss dafür, dass es momentan strenge Massnahmen braucht, es geht viel mehr darum, dass Unterstützung gebraucht wird und in dieser Tieflohnbranche 100% Kurzarbeit ausbezahlt wird etc.
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Tavares
14.12.2020 06:29registriert November 2015
Zu Engelberger: hätte er und seine 25 Gesundheitsdirektoren:innen nicht die Pflicht, in ihren jeweiligen Kantonen schärfere Massnahmen einzuführen?
Was soll dieser Aufruf? Wenn nicht sie, wer dann? Wollen die eine ausserordentliche Lage ausrufen, damit der Bundesrat ihren Job macht?
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Zeit_Genosse
14.12.2020 06:54registriert Februar 2014
Im Nachinein ist man immer schlauer. Die erste Welle konnte durch einen Shutdown gebrems und so verflacht werden, dass man sie im Sommer nicht mehr gesehen hat. Dann hob man die ausserordentliche Lage auf und übergab an die Kantone, die dachten, dass es keine 2. Welle gibt. Dann der herbstfrühliche exponetielle Anstieg. Von da an ein politisches Schauerspiel wo parteipolitisches Gezänk und lokalföderale Strukturen kleinbürgerliche Machtpolitik ein einheitliches Handeln verumöglichen. Derweil jagt man die verunsicherte Bevölkerung mit zweifelhaften Massnahmen. Was kommt jetzt?
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