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Andreas Zuellig, Praesident hotelleriesuisse, spricht mit Journalisten, nach einem Austausch mit den Vertretern der Schweizer Tourismusbranche und dem Bundesrat wegen der Coronavirus-Krise, am Sonntag, 24. Mai 2020 vor dem Bernerhof in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Sein Hotel Schweizerhof in der Lenzerheide ist aktuell gut besucht: Andreas Züllig. Bild: KEYSTONE

Hotellerie lobbyierte gegen Corona-Massnahmen – jetzt bereut der Chef

Der oberste Hotelier im Land, Andreas Züllig, bereut, den Bundesrat im Oktober zur Zurückhaltung gedrängt zu haben. Seine wichtigsten Aussagen aus dem Gespräch mit der «Sonntagszeitung».



Der Bundesrat hat den Skigebieten eine Vorzugsbehandlung gewährt. Andreas Züllig ist zufrieden mit der Gesamtsituation:

«Die Rahmenbedingungen für einen anständigen Winter scheinen für eine Mehrheit der Berghotels zu stimmen.»

Freudensprünge will der oberste Hotelier der Schweiz jedoch nicht machen. Er mahnt:

«In St.Moritz, Zermatt oder Verbier, wo traditionell viele Ausländer hinfahren, werden allerdings viele Betten kalt bleiben.»

Ein Nachteil sei zudem der Kalender. Die Saison ende früh, «weil Ostern 2021 schon auf Anfang April zu liegen kommt.» Weihnachten und Neujahr liegen jeweils auf dem Wochenende, wodurch die Leute weniger freie Tage zum Skifahren haben.

In seiner Lenzerheide ist also alles im Lot. Doch im Flachland könnten es «schwierige Monate» werden, so Züllig.

«Wenn jetzt schnell À-fonds-perdu-Beiträge gesprochen werden, können wir das Schlimmste verhindern. 40 bis 50 Prozent der Stadthoteliers werden darauf zurückgreifen müssen. Ihre Reserven sind aufgebraucht.»

Zudem brauche es aber auch eine zweite Runde Covid-Kredite. Der Bundesrat hatte ursprünglich 40 Milliarden Franken gesprochen, es seien aber erst 17 Milliarden bezogen worden.

Andreas Zuellig, Praesident hotelleriesuisse spricht an der Jahresmedienkonferenz von Schweiz Tourismus im Papiersaal in Zuerich, am Dienstag, 21. Februar 2017. (PPR/Manuel Lopez)

Andreas Zuellig an der Jahresmedienkonferenz von Schweiz Tourismus. Bild: KEYSTONE

Dies sei auf die konservative Einstellung der Hoteliers zurückzuführen, die sich nicht verschulden wollten.

«Sie gingen davon aus, dass sich die Lage im Sommer und Herbst normalisiert. Das war leider eine falsche Einschätzung.»

Auf die Frage, wo die Schweiz die Schraube anziehen müsse, sieht Züllig die Hotels nicht in der Pflicht:

«Ich gehe davon aus, dass viele Ansteckungen zu Hause, in der Einkaufsmeile einer Grossstadt oder im öffentlichen Verkehr stattfinden. Die Menschen sind an solchen Orten viel länger und viel dichter beisammen als in einem Restaurant oder Hotel.»

Und weiter:

«Vermutlich hätte der Bundesrat schon Anfang November deutlich konsequenter eingreifen müssen.»

So fährt man im Skigebiet Titlis-Engelberg trotz Corona Ski

Video: sda/SDA

Dabei war es genau Züllig, der im Oktober den Bundesrat zu Zurückhaltung gedrängt hatte. Der Hotelier gibt zu:

«Wir haben die Lage falsch beurteilt. Es sah damals danach aus, als reichten die Vorschriften aus. Es gab keinen Anlass, noch einmal flächendeckend und hart durchzugreifen.»

Mittragen will er die neuen Massnahmen des Bundesrats jedoch nicht. Er sehe nicht ein, warum Restaurants bereits um 19 Uhr schliessen müssten, kaum ein Gast wolle zwischen 17 und 19 Uhr zu Abend essen:

«Solange die Schutzmassnahmen eingehalten werden, ist die Ansteckungsgefahr nicht abhängig von Öffnungszeiten.»

Bereits am Mittag seien die Restaurants gestraft, da viele Menschen im Homeoffice arbeiten würden. Diese neuen Regelungen kämen faktisch einer Schliessung gleich.

«Irgendwann kommt die Frage danach, wie viel Wirtschaft man an die Wand fahren will, um vulnerable Leute zu schützen.»

Ein Lockdown über die Festtage, falls sich die Schweiz nicht an die Massnahmen halten würde, wäre «eine Katastrophe», so Züllig:

«In den zehn Tagen über Weihnachten und Neujahr machen Berghotels bis zu einem Viertel des Winterumsatzes.»

(bal)

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Erste «sichere Selfie-Station» in einem Schweizer Skigebiet

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