Schweiz
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Young men jump into the lake Vierwaldstaettersee, Canton Nidwalden, Central Switzerland, on Wednesday, July 1 2015. The European weather forecast is promising high temperatures for the next few days.(KEYSTONE/Urs Flueeler)

Junge Maenner springen bei gut 30 Grad Hitze am Mittwoch, 1. Juli 2015, bei Beckenried im Kanton Nidwalden in den Vierwaldstaettersee. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Junge Männer wollen mit ihren Sprüngen ins Wasser auch imponieren. Das kann gefährlich sein. Bild: KEYSTONE

3 Gründe, warum in der Schweiz hauptsächlich junge Männer ertrinken

Zwei Männer sind beim Baden in der Limmat ums Leben gekommen. Einer war erst 25 Jahre alt. Das ist kein Zufall. Bei den Opfern handelt es sich meist um jüngere Männer. Das hat verschiedene Gründe.



Für zwei Männer ist in der Zürcher Badi am Oberen Letten jede Hilfe zu spät gekommen. Der Bademeister fand einen 25-Jährigen und einen 31-Jährigen auf dem Boden der Limmat, beide verstarben trotz Reanimationsversuchen noch vor Ort.

Warum die jungen Männer am Sonntagabend ertrunken sind, ist noch nicht bekannt. Klar ist aber, dass in der Schweiz am ehesten junge Männer beim Baden sterben. 80 Prozent aller Ertrinkungsopfer sind männlich und 30 Prozent aller Ertrunkenen in der Schweiz sind jünger als 25 Jahre alt. Philipp Binaghi, Mediensprecher der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG), sagt: «Der Anteil der jungen Männer, die bei uns beim Schwimmen ums Leben kommen, ist sehr hoch.»

Bild

grafik watson/melanie gath

Die SLRG verfasste 2009 eine entsprechende Studie und nimmt seither regelmässig Rücksprache mit den Verfassern. Diese haben der SLRG bestätigt, dass die Verhältnisse auch dieses Jahr gültig sind. 

Ausserdem ist es so, dass Freigewässer «gefährlicher» sind. Neun von zehn Ertrinkungsunfällen geschehen in Seen, Flüssen oder Bächen. 

Warum sind unter den Opfern so viele junge Männer?

Über die Gründe, weshalb so auffällig viele junge Männer sterben, gibt es keine Statistik. Die SLRG macht dazu aber empirische Beobachtungen und ergänzt diese durch Berichte und Studien aus anderen europäischen Ländern. Daraus ergeben sich im Kern folgende drei Faktoren, die das Risiko erhöhen: 

1. Wenig Risikobewusstsein

Stein am Rhein, 30.6.2015, Inland - Hitze, An paar Jugendlichen kuehlen sich mit einem Sprung von der Bruecke in den Rhein ab. (Melanie Duchene/EQ Images)

Wer von einer Brücke springt, muss das Gewässer kennen. Bild: Melanie Duchene

Junge Männer sind aufgrund fehlender Lebenserfahrung weniger sensibilisiert für bedrohliche Gefahren. Sie wollen Grenzen ausloten, messen sich gegenseitig in mitunter gefährlichen Mutproben und überschätzen sich dabei selbst. Oft stehen junge Männer unter Druck, in einer Gruppe nicht abzufallen und mithalten zu können. 

2. Das andere Geschlecht

Nico und Claudia geniessen das schoene Wetter auf einem Ruderboot auf dem Zuerichsee in Zuerich am Montag, 9. Juni 2014. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Um bei Frauen anzukommen, wagen junge Männer oft unüberlegte Aktionen. Bild: KEYSTONE

Insbesondere bis zum Alter von 25 Jahren, aber auch später sind junge Männer oft auf Partnerinnen-Suche. Das kann zu gefährlichen Situationen führen. «Vielleicht wollen junge Männer beispielsweise jungen Frauen imponieren, indem sie einen besonders gewagten Sprung ins Wasser vorführen», vermutet SLRG-Sprecher Binaghi. 

3. Rauschmittel 

Young people, one with a beer mug are seen during a party in Vienna, on Saturday, Jan. 26, 2008 in Vienna. A June 2006 European Union-commissioned report says nearly all 15- to 16 year-old European students have had alcohol at some point in their lives and, on average, now start when they're just 12 and half years old. (AP Photo/Thomas Unterberger)

Alkohol und Drogen machen blind für Gefahren. Bild: AP

Unter Einfluss von Alkohol und Drogen fallen zusätzliche Hemmschwellen, das Risikobewusstsein sinkt zusätzlich, was unüberlegte Handlungen fördert. Rauschtrinken ist insbesondere unter jüngeren Bevölkerungsgruppen beliebt. 

Bereits 22 Badetote

Pro Jahr ertrinken in der Schweiz etwa 50 Personen. In durchschnittlich acht Fällen sind dabei Touristen betroffen. Umgekehrt ertrinken etwa fünf Schweizer in ihren Auslandferien.

Dieses Jahr hat die Schweiz bereits 22 Badetote zu beklagen. Die Zwischenbilanz untermauert die bisherigen Statistiken: Es sterben mehr Männer als Frauen, darunter zahlreiche Junge.

Der Bundesrat wollte das Baden verbieten

Baderegeln der Lebensrettungsgesellschaft

1. Kinder nur begleitet ans Wasser lassen. Kleine Kinder in Griffnähe beaufsichtigen.  

2. Nie alkoholisiert oder unter dem Einfluss anderer Drogen ins Wasser. Nie mit vollem oder ganz leerem Magen schwimmen. 

3. Nie überhitzt ins Wasser springen. Der Körper braucht Anpassungszeit. 

4. Nicht in trübe oder unbekannte Gewässer springen. Unbekanntes kann Gefahren bergen. 

5. Luftmatratzen und Schwimmhilfen gehören nicht ins tiefe Wasser. Sie bieten keine Sicherheit. 

6. Lange Strecken nie alleine schwimmen. Auch der besttrainierte Körper kann eine Schwäche erleiden.

Verhindert werden könnten mehr Unfälle gemäss Binaghi ganz einfach durch das Befolgen der sechs Baderegeln der SLRG (siehe Infobox). «Die Regeln sind im Grunde genommen sehr einfach», sagt Binaghi. Doch es sei jedes Jahr so, dass genau das Nichtbefolgen dieser Regeln zu den meisten Todesfällen führe. Binaghi: «Menschen sind keine Wasserwesen, sondern Landtiere und sie sollten sich jedes Mal vor dem Schwimmen überlegen, was für Gefahren das Baden birgt.» Routine sei etwas vom Gefährlichsten. 

Die Baderegeln sind keine Verbote. Denn nichts liegt der SLRG ferner als das Baden zu verbieten. Dies wollte der Bundesrat 1933 aufgrund der hohen Ertrinkungszahlen tun und genau deshalb – um das Baden als Volkssport zu erhalten – wurde die SLRG überhaupt erst gegründet. 

Wo ist die Hitze am schönsten? In Paris, Amsterdam, London ...

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