Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Vergewaltigungsfall Morena Diaz: Psychotherapeutin ist entsetzt über die Anfeindungen

Psychotherapeutin Christel Jäck ist entsetzt darüber, wie Vergewaltigungsopfer wie Morena Diaz behandelt werden.

Janine Gloor / ch media



Die Lehrerin und Influencerin Morena Diaz hat sich an die Öffentlichkeit getraut.

Frauen, die vergewaltigt worden sind, haben oft Angst davor, die Tat anzuzeigen. Oder sogar in ihrem engen Umfeld davon zu erzählen. Zum Schmerz kommt Scham und Angst vor den Reaktionen. Das Beispiel der Aargauer Influencerin Morena Diaz (26) illustriert, wovor sich die Frauen fürchten.

Auf Instagram berichtete Diaz von einem Freund, der sie vor Heiligabend 2018 vergewaltigt hatte. Sie sei in eine Schockstarre gefallen und habe sich nicht wehren können. Und genau dies ist ein Vorwurf, den sich Morena Diaz wie viele Frauen vor ihr nun anhören muss. In den Kommentarspalten wird angezweifelt, ob es sich tatsächlich um eine Vergewaltigung handelt, weil sie sich nicht ausreichend gewehrt habe.

Bei der Rombacher Psychotherapeutin Christel Jäck (77) löst diese Haltung Unverständnis aus. «Es ist unglaublich, dass eine Frau sich wehren muss, wenn sie keinen Sex haben will», sagt sie. «Es wird nicht gefragt, ob eine Frau die Intimität wünscht oder geniesst, sondern ob sie energisch genug ausdrückt, dass sie es nicht will.»

Die Erfahrung von Morena Diaz deckt sich mit dem, was die Psychotherapeutin in ihrem Beruf erlebt. «Ich höre immer wieder von Klientinnen, was abläuft, wenn sie eine Vergewaltigung anzeigen», sagt sie. Wenn Frauen nicht mit dem Messer bedroht oder mit brutaler Gewalt überwältigt werden, wird ihre Glaubwürdigkeit angezweifelt.

Patriarchale Strukturen verschwinden nur langsam

Die Gründe dafür sieht Jäck in den patriarchalen Strukturen. «Frauen mussten sich wehren, um nicht als Schlampen zu gelten. Männer mussten Frauen erobern, ein Nein war kein Nein.» Dank der Emanzipation und der #MeToo-Bewegung würden diese Strukturen allmählich aufgelöst.

«Sexuelle Bedürfnisse müssen klar kommuniziert werden.»

Aber noch immer haben viele Männer und Frauen das Bild verinnerlicht, dass eine Frau sich vehement wehren muss, wenn sie keinen Sex will. So steht es auch im Schweizer Sexualstrafrecht, das jetzt revidiert werden soll. Eine Gesetzesänderung soll eine «Nein heisst Nein»-Regel einführen. Setzt sich jemand beim Sex über ein Nein hinweg, ist es eine Vergewaltigung.

Für Christel Jäck ist eine solche Gesetzesanpassung absolut notwendig. «Sexuelle Bedürfnisse müssen klar kommuniziert werden», sagt sie. So kann sich auch niemand hinter dem Argument «Was darf man denn eigentlich noch?» verstecken.

Man darf, was einvernehmlich ist. Was beide wollen. Und das kann man vor dem Sex abmachen.

(aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

«Es ist kein sexueller Missbrauch, es ist Vergewaltigung»

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Mord in Asylunterkunft – 16 Jahre Freiheitsstrafe für Messerstecher

Ein 35-jähriger Algerier hat Anfang 2018 in einer Asylunterkunft in Mels SG einen 38-jährigen Mann mit einem Küchenmesser tödlich verletzt. Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland verurteilte ihn wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 16 Jahren.

Gemäss dem am Dienstag veröffentlichten Urteil werden dem Verurteilten noch weitere kleinere Straftaten vorgeworfen. Das Gericht ordnete neben der langjährigen Freiheitsstrafe eine Landesverweisung von 15 Jahren sowie eine Busse an. Eine von der …

Artikel lesen
Link zum Artikel