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Der Konzern Philip Morris sponsert den Schweizer Pavillon an der Weltausstellung 2020 in Dubai.
Der Konzern Philip Morris sponsert den Schweizer Pavillon an der Weltausstellung 2020 in Dubai.
bild: EDA/präsenz schweiz

Tabak-Multi ist Hauptsponsor des Schweizer Pavillons – das entsetzt viele Experten

Eine Partnerschaft gibt viel zu Reden: Die Schweiz wird nun auch von renommierten Gesundheitsexperten aus dem Ausland kritisiert, weil sie Philip Morris zum Hauptsponsor ihres Pavillons an der Weltausstellung gemacht hat.
22.07.2019, 05:30
Sven Altermatt / ch media

Eigentlich sollte er dafür sorgen, dass die Schweiz rund um die Welt gut dasteht: Nicolas Bideau, oberster Werber im Dienst der Nation. Der Diplomat ist Chef von Präsenz Schweiz, der Abteilung für Landeskommunikation im Aussendepartement von Bundesrat Ignazio Cassis. «Wir sind dafür zuständig, die Wahrnehmung der Schweiz im Ausland zu fördern», sagte Bideau einmal. Doch nach einem Entscheid von Präsenz Schweiz fragen sich viele, ob damit wirklich die Wahrnehmung im Ausland gefördert wird.

Es geht um eine umstrittene Partnerschaft: Der Tabakmulti Philip Morris wird einer der Hauptsponsoren des Schweizer Pavillons an der Weltausstellung 2020 in Dubai. Rund 1.8 Millionen Franken überweist der Konzern dafür an das Aussendepartement. Im Gegenzug darf er sich offiziell mit dem «Image der offiziellen Schweiz» schmücken.

Präventionsexperten und Politiker reagierten mit Unverständnis auf die Enthüllung der Redaktion von CH Media. Nun nahm der Präsenz-Schweiz-Chef erstmals dazu Stellung. Im Westschweizer Radio RTS verteidigte Nicolas Bideau das Tabak-Sponsoring. Der Botschafter verwies darauf, dass im Gegensatz zu früheren Weltausstellungen die Hälfte des Budgets in Dubai – total 15 Millionen Franken – von Sponsoren stammen sollte. So verlangt es der Bundesrat. «Ich muss 7.5 Millionen finden», verteidigte sich Bideau. Angesichts dieser Grössenordnung müsse man mit der gesamten Wirtschaft zusammenarbeiten.

Es gebe auch Unternehmen, sagte Bideau mit Blick auf Philip Morris weiter, die Arbeitsplätze schafften und es ihren Kantonen ermöglichten, wirtschaftlich stark zu sein. Und diese Dimension der hiesigen Wirtschaft habe «auch ihren Platz in einem Schweizer Pavillon». Als «Main Partner» bekommt Philip Morris ein Paket mit über 30 Leistungen. In einem Sektor des Pavillons, der ab 21 Jahren zugänglich ist, wird Philip Morris einen elektronischen Tabakerhitzer präsentieren. Das Aussendepartement spricht von einer «Alternative zur traditionellen Zigarette». Das Produkt werde bloss im sogenannten Partnerbereich des Pavillons präsentiert, erklärte Bideau. Dieser sei nicht Teil des Besucherrundgangs.

Neuseelands Ex-Premier versteht Schweiz nicht

Die Kritik reisst derweil nicht ab. Die Partnerschaft der Schweiz mit einem Zigarettenhersteller stösst bei Gesundheitsexperten international auf Unverständnis. «Sehr geehrter Gesundheitsminister Alain Berset, bitte handeln Sie», forderte etwa Ilona Kickbusch in einem Tweet. Die deutsche Wissenschafterin war Direktorin bei der Weltgesundheitsorganisation WHO und gründete das Global Health Center am Genfer Graduate Institute. «Seltsam» findet Kickbusch die Zusammenarbeit, weil Aussenminister Cassis als Präventivmediziner bei Gesundheitsorganisationen engagiert war.

Via Twitter äusserte sich auch Helen Clark, Ex-Chefin des UNO-Entwicklungsprogramms und frühere Premierministerin Neuseelands. Als «besorgniserregend» («worrying») bezeichnete sie das Tabak-Sponsoring des Schweizer Expo-Pavillons.

Organisationen wie die nationale Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention und die Nichtrauchervereinigung ASN haben unterdessen bei Aussenminister Cassis interveniert. Die Zusammenarbeit mit Philip Morris müsse gestoppt werden, fordern sie. Und sogar innerhalb der Verwaltung ist diese umstritten. Das Bundesamt für Gesundheit, angesiedelt bei Bundesrat Berset, ging auf Distanz zum Aussendepartement: «Die Zusammenarbeit mit einem Tabakkonzern im Rahmen der Expo in Dubai steht im Widerspruch zu unserer Präventionsstrategie.» (aargauerzeitung.ch)

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