Putin-Methode breitet sich aus: Die neue Gefahr für Geldbeutel und Hypotheken
Die 2020er-Jahre wirken zunehmend wie eine neue Ära. Eine Ära, in der es mehr Inflation und höhere Zinsen gibt als im vergangenen Jahrzehnt. Eine Ära, in der die Lebenshaltungskosten jedes Einzelnen zu einem geopolitischen Schauplatz geworden sind: Konflikte werden dort ausgetragen, manchmal sogar verloren oder gewonnen.
Vorreiter dieser neuen Ära ist der russische Präsident Wladimir Putin. Um Russland wieder zu einem Imperium zu machen, griff Putin im Jahr 2022 die Ukraine an. Von ihr sagten Geostrategen lange zuvor, sie sei das Land, ohne das Russland kein Imperium mehr sein kann, aber mit dem Russland automatisch zum Imperium werde.
Um die Hilfe Europas für die Ukraine zu beenden, setzte Putin von Beginn weg bei den Geldbeuteln der Europäer an. Er kappte ihnen die Gaszufuhr und stürzte sie damit in eine Energiekrise. Gas wurde teurer. Strom. Nahrung. Brot in Deutschland um 30 Prozent in zwei Jahren. Putins imperialer Feldzug brachte alltägliche Haushaltsbudgets durcheinander.
In der Schweiz erwischte es Oberlunkhofen besonders hart. Die Aargauer Gemeinde hätte ihren Strom noch in letzter Sekunde vor der Energiekrise kaufen können, vergass aber ein E-Mail abzuschicken. Die Strompreise stiegen um 260 Prozent, ein lokaler Bäcker hatte eine vier Mal höhere Stromrechnung. Der Stromversorger entschuldigte sich: «Wir haben einen Seich gemacht».
Zwei Monate später spottete Putin über 2000 Kilometer weit entfernt an einem Moskauer Forum über die «gewöhnlichen Europäer». Sie würden nun drei Mal mehr für Gas und Elektrizität zahlen als zuvor. «In Europa wird wieder Brennholz gesammelt – wie im Mittelalter.»
Putins Erpressungsversuch verstärkte den Schock der Coronakrise. Die Inflation schoss auf einen Rekordwert. Doch sie liess in der Folge schnell wieder nach. 2025 ist sie in der Eurozone zurück bei 2 Prozent. Die Inflation schien somit wieder unter Kontrolle zu sein, so wie sie es vor Corona der Fall war. Eine Rückkehr zur damaligen Normalität scheint möglich.
Dass es anders kommen könnte, lässt ein historischer Auftritt von Donald Trump befürchten.
Die USA tragen die Kosten der US-Zölle
Am 2. April 2025 verhängte er hohe Zölle gegen die ganze Welt. Gegen eine unbewohnte Pinguin-Insel genauso wie gegen die eigentlich verbündete Europäische Union (EU) und gegen die Schweiz. Die Zölle will er erst gegen Versprechen wieder senken: EU-Investitionen in den USA im Umfang von 600 Milliarden Dollar. Trump sagt: «Ich kann damit machen, was ich will.»
Mit seinen Zöllen bedroht Trump eigentlich die europäische Wirtschaft. Doch die Zölle werden weniger von den Europäern getragen, als von den US-Konsumenten, je nach Schätzung zu 90 bis 96 Prozent.
Sie mussten etwa eine Trendwende bei langlebigen Waren erdulden, also etwa bei Autos, Möbeln oder Unterhaltungselektronik. Vor Trumps Zöllen wurden diese ständig billiger, danach teurer. Unter anderem deshalb ist die Inflation in den USA im Jahr 2025 höher, als sie es sonst gewesen wäre: Schätzungen zufolge um 0,5 bis 0,8 Prozentpunkte höher.
Insgesamt bleibt jedoch ein globaler Inflationsschock aus. Es scheint nach wie vor möglich, dass Inflation und Zinsen wieder auf das frühere rekordtiefe Niveau zurückkehren. Vor den Doppelkrisen aus Corona und Putins Energie-Erpressung. Es ist die Hoffnung auf eine Rückkehr zur alten Normalität. Dann kommt die nächste Krise.
Im Iran-Krieg ist es nun Trump, der erpresst wird, und die europäischen Konsumenten werden erneut hineingezogen. Der Iran kontrolliert weitgehend den Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus, wo zuvor 20 Prozent des weltweiten Ölangebots transportiert werden. Der Ölpreis liegt zwar nicht wie befürchtet nahe 200 Dollar pro Fass, aber deutlich über 100 Dollar – und das reicht aus, um weltweit die Inflation zu befeuern.
In der Schweiz, dieser Insel der Preisstabilität, sind die Preisanstiege wie üblich am geringsten. Aber auch hierzulande gibt es nicht länger nahezu keine Jahresinflation, sondern eine von 0,6 Prozent. In der Eurozone beträgt die Jahresinflation im April laut erster Schätzung durchschnittlich 3 Prozent – und damit so viel wie seit Herbst 2023 nicht mehr. Am stärksten ist sie bisher in den USA – was jetzt die Finanzmärkte bewegt.
Die Preise lagen im April um 3,8 Prozent höher als im Vorjahr, wie kürzlich bekannt wurde. Damit ist die Inflation so hoch wie seit drei Jahren nicht mehr. Damals war sie jedoch auf dem Rückzug. Jetzt ist wieder auf dem Vormarsch.
Die höchsten Zinsen seit 2007
Das macht die Investoren nervös. Das bekommen die USA zu spüren, nur Stunden nachdem sie die neue Inflationszahl von 3,8 Prozent veröffentlicht haben. Als ihr Finanzministerium eine Staatsanleihe über 30 Jahre herausgibt, verlangen die Investoren laut «Financial Times» plötzlich 5 Prozent – so viel wie seit dem Jahr 2007 nicht mehr.
All dies hat das iranische Regime in Bewegung gesetzt. Trump gerät dadurch unter Druck, seine Beliebtheitswerte fallen tiefer und tiefer. Geopolitik und Lebenshaltungskosten treffen aufeinander.
In Europa spielen sich ähnliche Szenen ab, in geringerem Ausmass selbst in der Schweiz. Für zehnjährige Staatsanleihen steht der Zins in Deutschland so hoch wie seit 2011 nicht mehr. In der Schweiz hat sich dieser Zins verglichen mit dem Februar mehr als verdoppelt.
Die nervösen Investoren verlangen mehr Zins, wodurch Hypotheken teurer werden. In Europa und in den USA haben die Zentralbanken zwar ihre Leitzinsen nicht erhöht, aber dennoch zeigt sich, was die «Financial Times» zu Wochenbeginn gross betitelt: «Die Hypothekenkosten steigen aufgrund des Nahostkonflikts stark an.»
Damit sieht es zumindest vorläufig so aus, als wäre die hohe Inflation in der ersten Hälfte der 2020er-Jahre nicht bloss ein Ausrutscher gewesen. Es könnte die neue Normalität sein.

