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Israels Botschafter in Bern verteidigt Ausweitung der Todesstrafe

Israels Botschafter in Bern verteidigt Ausweitung der Todesstrafe

07.04.2026, 08:0907.04.2026, 08:09

Israels Botschafter in Bern, Tibor Schlosser, hat in einem Interview die Ausweitung der Todesstrafe als souveräne Entscheidung Israels verteidigt. «Ich verstehe die Sichtweise der Schweiz, wonach die Kapitalstrafe die Würde der Menschen verletzt», sagte er zu Tamedia.

Tibor Schlosser, Ambassador of Israel to Switzerland and Liechtenstein, pays tribute to the victims after the fire at the "Le Constellation" bar and lounge, in Crans-Montana, Switzerland, Su ...
Tibor Schlosser, Israels Botschafter in Bern.Bild: keystone

Doch in Israel liege der Fokus auch auf der Würde der Terroropfer, deren Familien sowie darauf, weitere Terroranschläge zu verhindern, sagte Schlosser in dem am Dienstag veröffentlichten Interview.

«Wenn ein Terrorist lebenslang erhält, ist das keine Abschreckung», sagte er. Die Inhaftierten wüssten, dass sie beim nächsten Geiselaustausch freikämen. «So schaffen wir geradezu einen Anreiz, noch mehr Anschläge zu begehen», sagte der israelische Botschafter.

Das israelische Parlament hatte das Gesetz zur Ausweitung der Todesstrafe vergangene Woche mit knapper Mehrheit gebilligt. «Wenn eine Mehrheit ein solches Gesetz will, ist das unsere souveräne Entscheidung», sagte Schlosser. Zudem sei Israel nicht der einzige demokratische Staat, der die Todesstrafe kenne. «Nun haben wir dieses Gesetz, und damit kommt die Frage, wie das Gesetz angewendet wird», sagte er. Richter würden darüber urteilen, wann die Todesstrafe verhängt werde. Den Verurteilten stehe der Rechtsweg offen, sagte der Botschafter.

Das Gesetz sieht vor, dass bei terroristisch motiviertem Mord mit dem Ziel der Vernichtung des Staates Israel die Todesstrafe oder lebenslange Haft verhängt werden kann. Vor israelischen Militärgerichten in den palästinensischen Gebieten ist die Todesstrafe in solchen Fällen sogar zwingend, sie muss bei Verurteilung binnen 90 Tagen durch Erhängen durch einen Gefängniswärter vollstreckt werden.

Schweiz lehnt Todesstrafe ab

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) intervenierte bei Schlosser. Der Chef der EDA-Abteilung Frieden und Menschenrechte, Tim Enderlin, will ihm bei einem Treffen die Haltung der Schweiz persönlich darlegen, wie das Aussendepartement mitteilte. Zuerst hatte der «SonntagsBlick» über das geplante Gespräch berichtet.

«Die Schweiz lehnt die Todesstrafe überall und unter allen Umständen ab, da sie mit dem Recht auf Leben und der Menschenwürde unvereinbar ist», unterstrich das EDA am Sonntag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Letztes Todesurteil 1962 vollstreckt

Kritiker sehen das Gesetz als rassistisch an, weil es de facto nur Palästinenser betrifft. Der Vorstoss der Partei des rechtsextremen Polizeiministers Itamar Ben-Gvir wird auch von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu unterstützt. Eine Klage des israelischen Bürgerrechtsverbands ist beim höchsten Gericht des Landes hängig.

Israel hatte die Todesstrafe für Mord im Jahr 1954 abgeschafft und nur in Ausnahmefällen beibehalten, etwa gegen NS-Verbrecher oder bei Verrat in Kriegszeiten. Die bis anhin letzte Hinrichtung war jene des NS-Verbrechers Adolf Eichmann im Jahr 1962. (dab/sda)

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Neruda
07.04.2026 08:31registriert September 2016
«Wenn eine Mehrheit ein solches Gesetz will, ist das unsere souveräne Entscheidung»

Dann war der Holocaust ja auch voll in Ordnung, weil eine demokratisch gewählte Regierung ihn durchführte?

Der Depp sollte zuerst mal denken, bevor er solche Dinge rausposaunt. Bei den Menschenrechte geht es gerade darum, dass sie nicht einfach so überstimmbar sind.
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Gina3
07.04.2026 08:21registriert September 2023
Ich möchte diesem „Diplomaten“ keineswegs zu nahe treten …
aber ich möchte ihn und uns alle daran erinnern, dass das nicht stimmt:
➡️ Die Mehrheit hat nicht immer Recht. Nicht nur
weil ein großer Teil der Bevölkerung etwas will, heißt das, dass es richtig ist und umgesetzt werden muss.
An Beispielen in unserer jüngeren Geschichte mangelt es nicht.
Und noch eine Anmerkung: Die „internationalen Menschenrechte für Männer, Frauen und Kinder“ zu erlangen, war ein langer und noch immer andauernder Kampf.
Ungerechtigkeit und Missbrauch bekämpft man nicht mit Ungerechtigkeit und Missbrauch.
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FrancoL
07.04.2026 09:58registriert November 2015
Man könnte den Botschafter auch fragen; wie sinnig es ist wenn ein Regierungsmitglied, Herr Ben Gvir, eine goldene Nadel mit einem Galgenstrick am Revers trägt. Sagt doch einiges über das heutige Israel aus.
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