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Die Bankenkrise und die Hypotheken – so könnte es weitergehen

Immobilienpreise
Bild: Shutterstock

Die Bankenkrise wirbelt auch die Hypotheken durch – so könnte es weitergehen

Bei den Zinsen auf Hypotheken ist es durch die Bankenkrise zu einer Wende gekommen. Wie es nun weitergehen könnte.
22.03.2023, 17:47
Niklaus Vontobel / ch media
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«Was an den Zinsmärkten abgeht, ist absurd», sagt Thomas Stucki über die letzten Tage. Der Anlagechef der St.Galler Kantonalbank meint damit die «Achterbahn» bei den Renditen auf 10-jährige Schweizer Staatsanleihen. In wenigen Tagen ging es von 1.55 Prozent runter auf 0.9 Prozent, dann gar auf 0.76 Prozent, zuletzt wieder etwas rauf auf 1 Prozent.

Dieses jüngste Absinken erklärt sich mit der Bankenkrise. Die Finanzmärkte glauben, wenn es zu einer weiteren Ausweitung kommen sollte, werden die Zentralbanken dagegen ankämpfen müssen – und ihre Zinsen nicht weiter erhöhen können oder gar bald senken müssen.

Darum sind die Erwartungen, die die Finanzmärkte für das weitere Jahr haben, nun ganz andere als vor der Bankenkrise. Die US-Zentralbank Fed werde diese Woche zwar noch Zinserhöhungen vornehmen. Doch schon ab dem Sommer wird mit Zinssenkungen gerechnet. Vor der Bankenkrise gab es die Überzeugung, die Fed werde bis zum Jahresende ihre Geldpolitik immer weiter straffen.

Die Schweizerische Nationalbank wird ebenfalls diese Woche ihren Leitzins neu festlegen. Wie Alexander Koch von der Raiffeisenbank erklärt, werden neu von ihr weit weniger Zinserhöhungen erwartet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat letzte Woche schon ihren Leitzins um 0.5 Prozentpunkte heraufgesetzt. Dabei hat sie es unterlassen, weitere Erhöhungen anzudeuten. Auch diese Zurückhaltung wird von den Märkten so gewertet, dass die EZB nun vorsichtiger vorgehen muss.

190 Banken in den USA gefährdet

Bankenkrisen vollziehen sich zumeist in Wellen, wie der US-Ökonom Kenneth Rogoff geschrieben hat. Gegen Mitte der Woche sah es zwar nach einer gewissen Entspannung aus. Die Massnahmen der Behörden scheinen zu helfen. Doch die «New York Times» zitiert eine Studie, wonach in den USA um die 190 Banken gefährdet sein könnten.

Die bisherige Krise nahm in den USA ihren Anfang. In kurzer Abfolge gab es erst die zweitgrösste Bankenpleite der US-Geschichte mit dem Kollaps der Silicon Valley Bank. Dann kam es sogleich zur drittgrösste Pleite der US-Geschichte mit der Signature Bank.

Wie es in Bankenkrisen ebenfalls üblich ist, wurde sofort gefragt, wen es als Nächsten erwischen würde, und die Antwort war im Nu gefunden: die Credit Suisse, die schon Jahre zuvor keine Krise ausgelassen hatte und die gegen Ende letzten Jahres unter massivem Abfluss von Kundengeldern gelitten hatte. Nachdem die Credit Suisse nun von der UBS übernommen worden ist und die UBS dadurch anscheinend nicht selbst zum Wackelkandidat geworden ist, wird nun anderswo nach neuen Pleitekandidaten gesucht. Zum Beispiel ist die Aktie der First Republic Bank eingebrochen.

Damit könnte die Bankenkrise auch ihre Nutzniesser haben. Als noch keine Banken in ihren Grundfesten wankten, da hatten die Hypothekarzinsen einen steilen Anstieg hinter sich. Der Vergleichsdienst Moneyland vermeldete, Hypotheken über 10 Jahre hätten die Marke von 3 Prozent übertroffen. Im Verlaufe des Jahres sei mit einem weiteren Anstieg zu rechnen.

Zwei Wochen später wirkt diese Meldung wie aus der Zeit gefallen. Die Hypothekarzinsen haben stark nachgelassen und dürften es weiter tun, solange die Banken wanken und beben. Laut der Umfrage von Vermögenspartner waren die 10-jährigen Festhypotheken vor zwei Wochen bei 2.99 Prozent. Aktuell sind es noch 2.64 Prozent. Der Abwärtstrend dürfte anhalten, wenn die Bankenkrise anhält.

Immobilienpreise sinken weltweit – wie lange noch?

Und noch ein Trend könnte gestoppt werden, welcher Hypothekarschuldnern schwer auf dem Gemüt gelegen haben könnte: der Trend zu sinkenden Immobilienpreisen. Dieser Trend hat sich international zuletzt deutlich durchgesetzt, wie sich in einer Auswertung zeigt, die der Internationale Währungsfonds (IWF) kürzlich veröffentlicht hat. In zwei Drittel der Länder, zu denen es aktuelle Daten gibt, gingen die Preise zurück. Der IWF schreibt dazu: «Nach Jahren stetiger Zuwächse sind die weltweiten Wohnungsmärkte auf dem Rückzug.»

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Bild: ch media

Die Schweiz kommt in der IWF-Analyse nicht vor. Als die Ökonomen der Credit Suisse ihre letzte Prognose abgaben, rechneten sie für dieses Jahr nur noch mit einem schwachen Preiswachstum und ein Jahr darauf dann mit negativem Preiswachstum. Aber das war bevor die Bankenkrise ausbrach und bevor sich die CS von der UBS retten lassen musste.

Alle solchen Prognosen könnten hinfällig werden, sollten die Zentralbanken weiter gegen die Bankenkrise ankämpfen müssen. Denn der bisherige Trend zu den Preissenkungen war getrieben durch die gestiegenen Zinsen. Wie der IWF schreibt, spielen die Zinssätze eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Hauspreise. Eine Faustregel besage: Jeder Anstieg um einen Prozentpunkt lasse die Immobilienpreise um etwa zwei Prozentpunkte sinken.

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16 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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SD1980
22.03.2023 20:26registriert August 2018
Eine Bankenkrise ausgelöst durch die USA, mal was neues.
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