Schweiz
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FOR USE WITH FEATURE PACKAGE FOR MONDAY, JULY 8-- Hudan Mohammed Ali, 6, screams in pain while undergoing circumcision in Hargeisa, Somalia, June 17, 1996. Her sister Farhyia Mohammed Ali, 18, holds her so she cannot move.  (AP Photo/Jean-Marc Bouju)

Die weibliche Beschneidung ist ein grausamer und schmerzhafter Eingriff. Oft bleiben die Schmerzen ein Leben lang. 
Bild: AP

7 Fakten zur weiblichen Genitalverstümmelung: Zum Beispiel sind in der Schweiz über 10'000 Mädchen betroffen

Jede Stunde werden weltweit 300 Mädchen beschnitten. Die Verstümmelung ihrer Genitalien geschieht aus Gründen einer patriarchalischen Tradition, die in einigen Ländern immer noch stark verwurzelt ist. Auch in der Schweiz werden Mädchen Opfer des grausamen Rituals. 



Was ist weibliche Beschneidung?

Die weibliche Genitalverstümmelung (engl. Female Genital Mutilation, FGM) ist – im Gegensatz zur männlichen Beschneidung – eine tiefgreifende Verletzung der körperlichen und seelischen Integrität. Seit 1993 gilt sie offiziell als Menschenrechtsverletzung. Die grausame Prozedur wird in den meisten Fällen kurz vor der Pubertät durchgeführt, manchmal aber auch an Säuglingen oder Erwachsenen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO unterscheidet vier Formen der FGM: 

Weibliche Beschneidung, Genitalverstümmelung, Formen

Typ I bis III der weiblichen Genitalverstümmelung.
Grafik: Wikipedia

Welche Auswirkungen hat FGM?

Weibliche Genitalverstümmelung ist ein schwerer Eingriff und kann – besonders unter den oft zum Himmel schreienden hygienischen und technischen Bedingungen, unter denen sie durchgeführt wird – zu ernsthaften Komplikationen bis hin zum Tod führen. Akute Folgen sind starker Blutverlust, Schock oder Infektionen.  

FMG Weibliche Beschneidung Genitalverstümmelung Instrumente

Der Eingriff wird oft mit Rasierklingen oder gar Glasscherben vorgenommen. Ohne Sterilisation, ohne Anästhesie. 
Bild: topbot.diary.ru

Zu den langfristigen Folgen gehört die starke Einschränkung der sexuellen Lust und die Unfähigkeit, einen Orgasmus zu erleben. Der Geschlechtsverkehr kann zudem umständlich und schmerzhaft werden. Weitere Folgen können starke Menstruationsbeschwerden, Unfruchtbarkeit, Inkontinenz, Schmerzen beim Wasserlassen und Komplikationen bei Geburten sein. 

Wie viele Frauen und Mädchen sind weltweit von FGM betroffen?

Das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF schätzt, dass rund 125 Millionen Mädchen und Frauen auf der ganzen Welt mit den Folgen des Eingriffs leben müssen. Die WHO geht von 100 bis 140 Millionen aus. Laut der Weltgesundheitsorganisation werden jeden Tag etwa 8000 Mädchen verstümmelt. 

Gemäss UNICEF Schweiz sind weltweit jährlich drei Millionen Mädchen in Gefahr, an ihren Genitalien beschnitten zu werden. Bis zum Jahr 2030 sind schätzungsweise 86 Millionen Mädchen dem Risiko der genitalen Verstümmelung ausgesetzt, wenn der Trend weiter geht.

In welchen Ländern wird FGM praktiziert?

Am meisten Frauen – gut 27 Millionen – sind dem grausamen Ritual in Ägypten zum Opfer gefallen, dem Ursprungsland der weiblichen Beschneidung. Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung ist indes die Lage in Somalia am schlimmsten: Dort sind 98 Prozent der Frauen beschnitten. Ein weiteres Epizentrum ist Westafrika: Auch in Guinea liegt der Anteil der verstümmelten Frauen über 90 Prozent.

FMG Weibliche Genitalverstümmelung Beschneidung Karte

In Ägypten, am Horn von Afrika und in Guinea ist der Anteil der betroffenen Frauen besonders hoch.  
Karte: Wikipedia/Johnuniq

In geringerem Umfang kommt FGM auch in einigen asiatischen Ländern vor: In den kurdischen Gebieten des Irak, im Jemen, aber mittlerweile auch in Indonesien. Im Zuge der Migration wird die weibliche Genitalverstümmelung auch in Europa immer mehr zum Thema. 

Ist FGM eine religiöse Vorschrift?

Die weibliche Beschneidung stammt vermutlich aus dem alten Ägypten und ist damit älter als Christentum und Islam. Viele Anhänger des Rituals – und übrigens auch manche Gegner – glauben aber, Frauenbeschneidung sei ein religiöses Gebot. Doch weder der Koran noch die Bibel oder die Thora verlangen die Beschneidung der weiblichen Genitalien. 

abspielen

Islamische Gelehrte der al-Azhar-Universität debattieren über die weibliche Beschneidung. 
YouTube/davidon30

Da die Mehrzahl der betroffenen Frauen muslimisch ist, wird FGM oft als islamische Praxis angesehen. Es gibt zwar einige muslimische Rechtsgelehrte, die die weibliche Beschneidung rechtfertigen, andere lehnen sie jedoch ab. In vielen mehrheitlich islamischen Ländern wie Algerien, Syrien oder Tunesien wird FGM nicht praktiziert. 

Dass die weibliche Genitalverstümmelung eher eine kulturelle als eine religiöse Tradition ist, zeigt sich ferner am Beispiel von Ländern wie Eritrea oder Sierra Leone, in denen muslimische und christliche Gruppen leben. In beiden Ländern praktizieren sowohl Muslime wie Christen FGM. In Eritrea sind es nach Angaben von Terre des Femmes fast 100 Prozent der muslimischen Bevölkerung, knapp 90 Prozent der Katholiken und über 80 Prozent der Mitglieder anderer christlicher Konfessionen. 

Warum wird FGM durchgeführt?

Es gibt eine Reihe von Gründen, warum die weibliche Genitalverstümmelung durchgeführt wird: Zum einen ist es die Tradition, die es verlangt. Oft sind Frauen, die selber verstümmelt wurden, die eifrigsten Verfechter des Rituals – sie kennen nichts anderes. Zum andern sind auch wirtschaftliche und soziologische Gründe wirksam: Nicht beschnittene Mädchen gelten oft als unrein; sie werden ausgegrenzt und können nicht verheiratet werden. 

Überdies ist die Beschneidung in manchen Gesellschaften ein Initiationsritus, der den Übergang zum Erwachsensein markiert. Sicher ist aber, dass die genitale Verstümmelung mit einer stark patriarchalisch geprägten Kultur einhergeht. Oft wird explizit die Eindämmung der als überbordend eingeschätzten weiblichen Sexualität als Grund für die Praxis genannt. 

FGM Weibliche Beschneidung Genitalverstümmelung

Grausame Prozedur: Die weibliche Genitalverstümmelung geht mit einer stark patriarchalisch geprägten Kultur einher. 
Bild: topbot.diary.ru

Was kaum bekannt ist: Auch in Europa und Nordamerika praktizierten Ärzte die Klitoridektomie. Die Entfernung der Klitoris galt bis ins 20. Jahrhundert hinein als Allheilmittel für alle möglichen Leiden wie Epilepsie, Hysterie, Melancholie oder sogar Kleptomanie. 

Wie ist die Situation in der Schweiz?

Infolge der modernen Migrationsbewegungen ist die weibliche Genitalverstümmelung auch in der Schweiz zum Thema geworden. Wie viele solche Beschneidungen hierzulande durchgeführt werden, weiss man nicht. Aber es ist bekannt, dass Ärzte manchmal angefragt werden, wo man einen solchen Eingriff vornehmen lassen könne. Viele Mädchen werden dazu auch ins Ausland gebracht. Wenn solche Fälle bekannt werden, greift die Justiz ein: Die weibliche Beschneidung ist in der Schweiz strafbar – auch dann, wenn ein hier wohnhaftes Mädchen im Ausland beschnitten wird. 

Terre des Femmes geht von 10'000 bis 13'000 betroffenen Mädchen und Frauen in der Schweiz aus. UNICEF Schweiz rechnet aufgrund einer 2012 durchgeführten Befragung – neuere Zahlen gibt es laut dem Kinderhilfswerk nicht – mit 10'700 Betroffenen. «Betroffen» bedeutet, dass es sich um Mädchen und Frauen handelt, die bereits beschnitten sind, oder solche, die gefährdet sind, beschnitten zu werden. 

FGM Weibliche Beschneidung Genitalverstümmelung Grafik

Die Grafik zeigt, welcher Anteil des befragten Fachpersonals beschnittene Frauen aus den genannten Ländern behandelte. Nach wie vor kommen die meisten betroffenen Frauen aus Somalia. 
Grafik: UNICEF Schweiz

Die meisten betroffenen Frauen in der Schweiz stammen aus Somalia, Äthiopien und Eritrea. Seit der letzten Befragung 2004 ist der Anteil der Frauen aus Eritrea deutlich gestiegen – dies widerspiegelt die verstärkte Immigration von Asylsuchenden aus dem ostafrikanischen Land. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • Tropfnase 05.10.2015 20:55
    Highlight Highlight Einfach nur unmenschlich und grausam! Diese systematischen Verstümmelungen mit Religion zu rechtfertigen würde doch bedeuten dass diese Leute sich anmassen zu behaupten Gott hätte beim erschafen der Frau einen Fehler gemacht... Wiso wird dan diese Blasphemie nicht bestraft?
  • Wilhelm Dingo 05.10.2015 08:20
    Highlight Highlight Nur wenn die Frauen aufstehen und für Ihre Rechte kämpfen kanns besser werden! Bildet, unterstützt und fördert deshalb die Frauen dieser Welt.
  • Karl33 04.10.2015 18:47
    Highlight Highlight unverzeihbar.
    und: ich persönlich würde dieselbe ächtung auch bei der männlichen beschneidung fordern: erst kommt die persönliche integrität und unversehrtheit des individuums, dann erst irgendwelche kulturellen und religiösen dogmen.
    • EvilBetty 04.10.2015 19:07
      Highlight Highlight Danke, muss sich ich es nicht schreiben. Das verstümmeln von männlichen Babies wirft leider nicht so grosse Wellen.
    • Milie 04.10.2015 22:23
      Highlight Highlight Ja und nein. Gleichstellung ist super und es ist echt nicht gerecht, nicht von den Jungen zu sprechen ABER: es ist etwas ganz anderes bei den Mädchen und absolut nicht vergleichbar mit der Beschneidung von Jungs! Es geht dort weder um Hygiene noch Aussehen, sondern allein darum, die Frauen zu erniedrigen. Sie können nie mehr einen Orgasmus haben, erleiden extreme Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und ev. Wasserlassen und stell dir erst eine Geburt mit einer zugenähten Scheide vor... Grausam! Und das sind erst die offensichtlichen Dinge. Sitzen, laufen, Sport und vieles mehr kommen dazu.
    • Milie 04.10.2015 22:23
      Highlight Highlight Teil 2: Die VERSTÜMMELUNGEN (sorry, nichts anderes ist es) werden dazu noch unter übelst schlechten Bedingungen vorgenommen, viele kriegen eine Infektion, einige sterben darsn. Da darf man glaube ich schon mal grosse Wellen werfen. Persönlich finde ich, sollte es noch viel grössere Wellen werfen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Sir Lanzelot 04.10.2015 18:22
    Highlight Highlight Wie naiv muss man eigentlich sein um zu glauben, dass dieser Teil der Kultur einfach weggelassen wird nur weil man in der Schweiz lebt?
    Warum seid ihr nun empört und gebt mir Blitze?
    • HelloWorld 04.10.2015 19:20
      Highlight Highlight Du hast absolut recht. Wir geben uns weltoffen, nehmen Flüchtlinge und Auswanderer auf, integrieren sie ... und denken dann allen ernstes, dass nur die positiven Aspekte einer fremden Kultur einzug halten. Aber viele verschliessen die Augen vor den Dingen welche nicht mit den ortsüblichen Sitten kompatibel sind und reden dafür das Gute viel zu schön.
    • EvilBetty 04.10.2015 22:22
      Highlight Highlight Nein HelloWorld, das werfen die Rechten aber den anderen dauernd vor. Und nur weil ihr es gebetsmühlenartig wiederholt wird es nicht wahrer...

      So naiv denken nur SVPler, und man sollte nicht von sich automatisch auf andere schliessen ;-)
    • Sir Lanzelot 05.10.2015 03:15
      Highlight Highlight Betty... Das können wir "rechten" natürlich auch sagen: nur weil ihr euer Mantra ("SVP ist bös,ALLE Anderen Menschen lieb") täglich wiederholt verschwinden diese Dinge nicht! Diese kindlich naive Einstellung löst genau so wenig Probleme!
    Weitere Antworten anzeigen
  • John Wick 04.10.2015 18:00
    Highlight Highlight ich könnt auch kotzen! das ist einfach nur schrecklich dass es so etwas, heute im 21. jahrhundert, noch gibt!
  • maddiepilz 04.10.2015 17:48
    Highlight Highlight Material für Alpträume
  • Lumpirr01 04.10.2015 17:11
    Highlight Highlight Ich habe bei meiner 2009 durchgeführte Reise für Entwicklungshilfe in Westafrika bei einer Polizeistation bei Kantchari, Burkina Faso diese handgezeichnete Skizze am Anschlagbrett gefunden. Da nur wenig Leute hier lesen und schreiben können, versucht man, mit Bildern zu sensibilisieren und gegen diesen Horror vorzugehen. Die Beschneiderin wird vom Polizisten abgeführt, wenn sie denn auch tatsächlich gesucht wird................
    Benutzer Bild
  • Philipp Burri 04.10.2015 16:36
    Highlight Highlight Kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte!
    • Yolo 04.10.2015 17:34
      Highlight Highlight ich kotze mit...
    • fant 05.10.2015 10:23
      Highlight Highlight Einfach grauenhaft!

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