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Andreas Glarner zur Orban-Abwahl: «Resultat ist zum Schaden des Landes»

Nationalrat Andreas Glarner an der Delegiertenversammlung der SVP Schweiz in der Sporthalle Schachen in Aarau am Samstag, 12. Oktober 2024. KEYSTONE/Walter Bieri )
Nationalrat Andreas Glarner.Bild: KEYSTONE

«Das Resultat ist zum Schaden des Landes»: Ungarn-Freund Andreas Glarner zur Orban-Abwahl

Der Aargauer SVP-Nationalrat spricht kein Ungarisch, versteht sich aber gut mit dem abgewählten Ministerpräsidenten. Glarner hat 2019 die parlamentarische Gruppe Schweiz-Ungarn gegründet. Trotz der Abwahl von Orban will er die Kontakte nach Budapest weiterführen.
13.04.2026, 20:1413.04.2026, 20:14
Fabian Hägler / ch media

«Ich bin enttäuscht und negativ überrascht.» Das sagt Andreas Glarner, SVP-Nationalrat aus dem Aargau und Präsident der parlamentarischen Freundschaftsgruppe Schweiz-Ungarn, zum Wahlergebnis vom Sonntag. Glarner bedauert es, dass der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban und dessen Partei Fidesz die Mehrheit im Parlament verloren haben.

«Nach 16 Jahren im Amt ist niemand unumstritten, aber ich hätte nicht damit gerechnet, dass das Resultat so klar ausfällt», sagt er. Ob die massive amerikanische Unterstützung letztlich Orban geholfen habe, sei schwer einzuschätzen. Glarner war im Februar zuletzt in Ungarn und berichtet, beim Treffen mit dem dortigen Parlamentspräsidenten habe niemand ein so deutliches Ergebnis erwartet.

Kritik von links an Ungarn-Freundschaftsgruppe

Klar ist für den SVP-Aargau-Präsidenten indes: «Das Resultat ist zum Schaden des Landes.» Ungarn sei mit dem EU-kritischen Kurs gut gefahren, wenn sich der neue Ministerpräsident Péter Magyar nun Brüssel annähere, werde sich dies ändern. Glarners Aussage erstaunt nicht, schliesslich gründete er 2019 die Freundschaftsgruppe aus Solidarität zur europakritischen Politik von Ungarn.

Andreas Glarner, SVP-AG, links, begruesst Laszlo Kover, Praesident des Ungarischen Parlaments, rechts, zu einem Treffen mit der parlamentarischen Gruppe Schweiz-Ungarn im Bundeshaus, waehrend der Frue ...
Andreas Glarner, SVP-AG, links, begruesst Laszlo Kover, Praesident des Ungarischen Parlaments, rechts, zu einem Treffen mit der parlamentarischen Gruppe Schweiz-Ungarn im Bundeshaus.Bild: KEYSTONE

Es gehe darum, «einen engeren Kontakt zu europäischen Ländern anzustreben, die eine differenzierte Haltung gegenüber der Europäischen Union einnehmen und den Interessen ihres eigenen Landes Priorität zukommen lassen», schrieb Glarner damals. Die Gruppe hat heute 18 Mitglieder, 16 davon sind SVP-Nationalräte, aus dem Aargau ist auch Christoph Riner dabei. Dazu kommen je ein Mitglied von FDP und Mitte.

Glarner sagt, trotz des Regierungswechsels in Ungarn werde die Gruppe weiterbestehen und Kontakte zum Parlament in Budapest pflegen. Diese wurden von linker Seite schon bei der Gründung im Frühling 2019 kritisiert. Als der ungarische Parlamentspräsident László Kövér kurz danach das Bundeshaus besuchte, verliess die grosse Mehrheit von SP und Grünen aus Protest den Saal.

Metzgete mit Viktor Orban: «Es hat ihm sehr gefallen»

Viereinhalb Jahre später war Viktor Orban in der Schweiz, auf Einladung von «Weltwoche»-Verleger und alt Nationalrat Roger Köppel hielt er im November 2023 im «Dolder» in Zürich ein Referat. Glarner erinnert sich an den Auftritt und schickt dieser Zeitung ein gemeinsames Selfie. Er erzählt, nach der Rede sei die SVP-Spitze mit Orban im Restaurant Geeren in Dübendorf gewesen.

Dort gab es Metzgete, dem ungarischen Gast habe es gefallen, wie Glarner berichtet. «Viktor Orban ist ein gemütlicher Typ, unter Gleichgesinnten war er sehr leutselig.» Obwohl er kein Ungarisch spricht, verstand sich der SVP-Nationalrat gut mit dem Ministerpräsidenten. Dass dieser die Macht ohne Widerstand abgebe, überrasche ihn nicht: «Es sind alles Demokraten in Ungarn.»

Den neuen Ministerpräsidenten Péter Magyar hat Glarner einmal bei einem Auftritt gesehen. «Er war früher Fidesz-Mitglied und seine politische Position ist nicht weit weg von Orban», sagt der SVPler. Nur die angesagte Annäherung an die EU missfällt Glarner massiv. Gefallen hat ihm hingegen die Haltung von Judit Varga, Justizministerin und Ex-Ehefrau von Magyar. Zu einem Treffen im Oktober 2022 schrieb er: «Eine Frau, die für ihr Land einsteht – da könnten sich diverse Minister ein Vorbild nehmen!» (aargauerzeitung.ch)

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Allkreis
13.04.2026 20:18registriert Januar 2020
Mein Gott, diese rechtspopulistischen Demagogen trauern alle einem hochkorrupten Autokraten nach, und behaupten allen Ernstes, es sei zum Schaden des Landes?! Wirklich vielsagend.
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FP
13.04.2026 20:27registriert Mai 2022
Herr Glarner soll doch zu Orban nach Ungarn ziehen, er braucht sicher in der nächsten Zeit Trost und unterstütztung!😏
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Science
13.04.2026 20:19registriert Juli 2022
Ich hätte eine Idee, wie man den Schaden für die Schweiz minimieren könnte...
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66
Das viel gescholtene Europa lebt
Viktor Orban war ein Held der Rechten nicht nur, aber gerade in Europa. Jetzt wurde er mit Karacho abgewählt. Es ist auch ein Erfolg für die EU, die stärker ist, als viele meinen.
Ein Aufatmen ging am Sonntagabend durch Brüssel und andere europäische Hauptstädte. Ministerpräsident Viktor Orban, der Störenfried und Quälgeist in der EU, wurde in seiner Heimat Ungarn nicht abgewählt, sondern regelrecht davongejagt. Sein Nachfolger Peter Magyar kann im Parlament mit einer Zweidrittelmehrheit regieren.
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