«Das Resultat ist zum Schaden des Landes»: Ungarn-Freund Andreas Glarner zur Orban-Abwahl
«Ich bin enttäuscht und negativ überrascht.» Das sagt Andreas Glarner, SVP-Nationalrat aus dem Aargau und Präsident der parlamentarischen Freundschaftsgruppe Schweiz-Ungarn, zum Wahlergebnis vom Sonntag. Glarner bedauert es, dass der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban und dessen Partei Fidesz die Mehrheit im Parlament verloren haben.
«Nach 16 Jahren im Amt ist niemand unumstritten, aber ich hätte nicht damit gerechnet, dass das Resultat so klar ausfällt», sagt er. Ob die massive amerikanische Unterstützung letztlich Orban geholfen habe, sei schwer einzuschätzen. Glarner war im Februar zuletzt in Ungarn und berichtet, beim Treffen mit dem dortigen Parlamentspräsidenten habe niemand ein so deutliches Ergebnis erwartet.
Kritik von links an Ungarn-Freundschaftsgruppe
Klar ist für den SVP-Aargau-Präsidenten indes: «Das Resultat ist zum Schaden des Landes.» Ungarn sei mit dem EU-kritischen Kurs gut gefahren, wenn sich der neue Ministerpräsident Péter Magyar nun Brüssel annähere, werde sich dies ändern. Glarners Aussage erstaunt nicht, schliesslich gründete er 2019 die Freundschaftsgruppe aus Solidarität zur europakritischen Politik von Ungarn.
Es gehe darum, «einen engeren Kontakt zu europäischen Ländern anzustreben, die eine differenzierte Haltung gegenüber der Europäischen Union einnehmen und den Interessen ihres eigenen Landes Priorität zukommen lassen», schrieb Glarner damals. Die Gruppe hat heute 18 Mitglieder, 16 davon sind SVP-Nationalräte, aus dem Aargau ist auch Christoph Riner dabei. Dazu kommen je ein Mitglied von FDP und Mitte.
Glarner sagt, trotz des Regierungswechsels in Ungarn werde die Gruppe weiterbestehen und Kontakte zum Parlament in Budapest pflegen. Diese wurden von linker Seite schon bei der Gründung im Frühling 2019 kritisiert. Als der ungarische Parlamentspräsident László Kövér kurz danach das Bundeshaus besuchte, verliess die grosse Mehrheit von SP und Grünen aus Protest den Saal.
Metzgete mit Viktor Orban: «Es hat ihm sehr gefallen»
Viereinhalb Jahre später war Viktor Orban in der Schweiz, auf Einladung von «Weltwoche»-Verleger und alt Nationalrat Roger Köppel hielt er im November 2023 im «Dolder» in Zürich ein Referat. Glarner erinnert sich an den Auftritt und schickt dieser Zeitung ein gemeinsames Selfie. Er erzählt, nach der Rede sei die SVP-Spitze mit Orban im Restaurant Geeren in Dübendorf gewesen.
Dort gab es Metzgete, dem ungarischen Gast habe es gefallen, wie Glarner berichtet. «Viktor Orban ist ein gemütlicher Typ, unter Gleichgesinnten war er sehr leutselig.» Obwohl er kein Ungarisch spricht, verstand sich der SVP-Nationalrat gut mit dem Ministerpräsidenten. Dass dieser die Macht ohne Widerstand abgebe, überrasche ihn nicht: «Es sind alles Demokraten in Ungarn.»
Den neuen Ministerpräsidenten Péter Magyar hat Glarner einmal bei einem Auftritt gesehen. «Er war früher Fidesz-Mitglied und seine politische Position ist nicht weit weg von Orban», sagt der SVPler. Nur die angesagte Annäherung an die EU missfällt Glarner massiv. Gefallen hat ihm hingegen die Haltung von Judit Varga, Justizministerin und Ex-Ehefrau von Magyar. Zu einem Treffen im Oktober 2022 schrieb er: «Eine Frau, die für ihr Land einsteht – da könnten sich diverse Minister ein Vorbild nehmen!» (aargauerzeitung.ch)
