SVP will PH-Abschaffung – und dafür eine Lehrer-Lehre: die Sonntagsnews
USZ entdeckt nach Maisano-Skandal 10 weitere Problemfälle
Das Zürcher Universitätsspital (USZ) hat laut der «NZZ am Sonntag» nach der Affäre um Herzchirurg Francesco Maisano rund zehn weitere kritische Fälle identifiziert. Der vom USZ eingesetzte Compliance-Ausschuss habe seit Juni 2025 potenziell problematische Interessenbindungen und Nebenbeschäftigungen geprüft. In mehreren Fällen seien Verstösse gegen die Compliance-Richtlinien festgestellt und Sanktionen ausgesprochen worden. Details dazu nenne das Spital aus Vertraulichkeitsgründen nicht. Die neuen Fälle zeigten, dass die Verstrickung von Medizin und Medtech-Industrie über den Fall Maisano hinausreiche. Der Zürcher Handchirurg Daniel Herren sprach von einem «heiklen Spannungsfeld» zwischen Innovation, Patientensicherheit und wirtschaftlichen Interessen. Das USZ und das Genfer Universitätsspital (HUG) planten inzwischen Transparenzregister für Beteiligungen und Nebentätigkeiten ihrer Ärzte. Andere Spitäler verfügten bereits über solche Register.
Schweizer Teile in russischen Drohnen gefunden
Schweizer Mikroelektronik ist laut der «NZZ am Sonntag» weiter in russischen Drohnen gefunden worden. Wladislaw Wlasjuk, der Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodomyr Selenski, habe die Schweiz deshalb scharf kritisiert. «90 Prozent der russischen Drohnen enthalten Bauteile von Schweizer Firmen», sagte Wlasjuk zur Zeitung. Dies habe sich selbst nach vier Kriegsjahren nicht geändert. Während andere Länder gegen die Importe nach Russland vorgegangen seien, scheine die Schweiz nicht zu verstehen, «was auf dem Spiel steht». Grundlage der Recherche seien russische Zolldaten. Diese zeigten, wie nach der Invasion der Ukraine 30'000 Sendungen kriegswichtiger Produkte von fünf Schweizer Firmen über Zwischenhändler nach Russland geliefert worden seien. Ein Teil der Waren sei über ein Schmuggler-Netzwerk mit Verbindungen zur russischen Armee importiert worden. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) habe erklärt, es sei sich der Problematik bewusst und stehe mit den betroffenen Firmen sowie Partnerstaaten in Kontakt.
Keine Junk-Food-Werbung mehr für Kinder: Bund will Einschränkungen
Der Bund will laut der «NZZ am Sonntag» Werbung für ungesunde Lebensmittel bei Kindern stark einschränken. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) verhandle mit der Branche über eine freiwillige Selbstregulierung. Werbung für zu süsse, salzige oder fettige Produkte solle an Schulen sowie im Umkreis von hundert Metern verboten werden. Auch im Fernsehen und Radio dürfe rund um Kindersendungen keine Werbung mehr für Junk-Food ausgestrahlt werden. Geplant seien zudem Einschränkungen für Onlinewerbung, Kindermagazine und Kinospots vor Filmen für unter Dreizehnjährige. Ziel sei es laut dem BLV, Kinder besser vor ständiger Werbung zu schützen. Die Lebensmittelbranche sei grundsätzlich zu Zugeständnissen bereit, verlange aber Ausnahmen vor Weihnachten und Ostern. Das Bundesamt lehne dies ab. Um Differenzen zu bereinigen, finde am 26. Mai in Bern eine weitere Gesprächsrunde statt. Die neuen Werberegeln könnten 2027 in Kraft treten.
Valérie Dittli bereit, auf Rente zu verzichten – aber nicht zu Rücktritt
Die Waadtländer Staatsrätin Valérie Dittli denkt laut «Le Matin Dimanche» trotz mehrerer Untersuchungsberichte und eines Strafverfahrens wegen Amtsmissbrauchs nicht an einen Rücktritt. Sie wolle die laufende Legislatur zu Ende führen und sich wieder auf die Themen konzentrieren, «die die Bevölkerung interessieren», sagte Dittli der Zeitung. Sie verwies dabei auf ihre Bilanz in den Bereichen Landwirtschaft, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Den Vorwurf, sie halte wegen der lebenslangen Rente von jährlich 39'000 Franken an ihrem Amt fest, wies Dittli zurück. Falls sie Anspruch auf eine solche Rente hätte, würde sie darauf verzichten, erklärte sie.
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Seco unterstützt Sperrung von Oligarchen-Geld durch Bank Julius Bär
Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat laut dem «SonntagsBlick» die Sperrung von 20 Millionen Dollar bei Julius Bär im Umfeld eines sanktionierten russischen Oligarchen gestützt. Im Zentrum stehe der Niederländer Alex van der Zwaan, Schwiegersohn des sanktionierten Oligarchen German Khan. Kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs seien zwei Überweisungen über insgesamt 20 Millionen Dollar auf sein Konto bei Julius Bär erfolgt. Offiziell habe es sich um eine Schenkung gehandelt. Die Bank habe das Geld jedoch gesperrt, weil sie vermutet habe, dass der sanktionierte Oligarch weiterhin indirekt Kontrolle darüber ausübe. Van der Zwaan habe sich dagegen gewehrt und erklärt, es seien keine Sanktionen umgangen worden. Das Seco habe die Sperre bestätigt, da zeitgleich weitere Millionenbeträge an enge Familienmitglieder des Oligarchen verschoben worden seien, als die Sanktionen gegen Russland zu greifen begonnen hätten. Dies gehe aus einer detaillierten Verfügung hervor, die der Zeitung vorliege.
Gotthard-Unfall: SBB haben Krach mit Rückversicherern
Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) streiten sich laut dem «SonntagsBlick» mit Rückversicherern über die Höhe des Schadens nach der Entgleisung eines Güterzugs im Gotthard-Basistunnel im August 2023. Die SBB hätten den Gesamtschaden im September 2024 auf 150 Millionen Franken beziffert. Davon seien voraussichtlich rund 140 Millionen Franken versichert. Nach Informationen der Zeitung schätzten die Rückversicherer den Schaden jedoch tiefer ein als die SBB. Wie viel die SBB Insurance AG von ihren Rückversicherern erhalte, habe die Medienstelle auf Anfrage nicht bekannt gegeben. Auch zur Höhe der gestiegenen Versicherungsprämien habe sie keine Angaben gemacht. Die SBB hätten jedoch mitgeteilt, dass steigende Prämien nach einem solchen Grossereignis normal seien.
SVP will PH-Abschaffung – und dafür eine Lehrer-Lehre
Die SVP prüft laut der «SonntagsZeitung» die Abschaffung der Pädagogischen Hochschulen zugunsten einer Lehrer-Lehre. Die Partei arbeite an einem neuen bildungspolitischen Positionspapier und nehme dabei die Ausbildung der Lehrpersonen ins Visier. Diskutiert werde unter anderem ein Modell mit mehr Praxisanteil nach dem Vorbild einer Berufslehre. Nationalrat Benjamin Fischer sagte, die bisherigen Ideen müssten noch angepasst werden. Kritik übe die SVP aber bereits deutlich an den Pädagogischen Hochschulen. Dort fehle es vor allem an Praxisorientierung. Lehrkräfte würden von Dozierenden ausgebildet, die nie selber unterrichtet hätten, sagte Fischer zur Zeitung. Ähnliche Kritik komme auch aus Fachkreisen. Der Basler Heilpädagoge Roland Stark habe die Pädagogischen Hochschulen kürzlich als «Schwachstelle des Bildungssystems» bezeichnet. Auch die Basler SP habe 2024 mehrere Vorstösse eingereicht, um den Praxisbezug der Ausbildung zu stärken.
Moretti fiel bei Wirteprüfung durch – und hatte danach immer wieder Behörden-Ärger
Der Betreiber der Unglücksbar «Le Constellation», Jacques Moretti, hat laut der «SonntagsZeitung» die Prüfung für das Wirtepatent zunächst nicht bestanden. Bei seinem ersten Versuch im Jahr 2011 sei er im Modul Gastgewerberecht sowie Hygiene- und Sicherheitsvorschriften durchgefallen. Dabei gehe es unter anderem um Alkoholgesetzgebung, Brandschutz sowie die Prävention von Alkoholmissbrauch und Drogensucht, wie aus einem im Auftrag der Staatsanwaltschaft erstellten Polizeirapport hervorgehe. Erst im zweiten Anlauf sei Moretti das kantonale Fähigkeitszeugnis in Lausanne ausgestellt worden. Später sei er mehrfach mit den Behörden in Konflikt geraten. 2016 sei gegen ihn wegen der Beschäftigung von Ausländern ohne Bewilligung ein Strafbefehl erlassen worden. 2020 habe er zudem eine Busse erhalten, weil in seinem Betrieb Spirituosen an Minderjährige verkauft worden seien. Bei einer Kontrolle seines Restaurants Senso im Jahr 2022 sei ausserdem ein Hygieneproblem festgestellt worden.
Mehr als 1'100'000 Serafe-Mahnungen verschickt
Die Schweizerische Erhebungsstelle für die Radio- und Fernsehabgabe Serafe hat im vergangenen Jahr laut der «NZZ am Sonntag» 1,1 Millionen Mahnungen verschickt. Das sei ein neuer Rekord. Mehr als jeder vierte Schweizer Haushalt habe damit im Schnitt eine kostenpflichtige Zahlungsaufforderung erhalten. Auch die Zahl der eingeleiteten Betreibungen habe sich bei über 110'000 auf hohem Niveau etabliert. Serafe begründe dies mit besseren Adressdaten und einem nun konsequenteren Inkasso. Somit haben sich laut Bericht die Einnahmen aus Mahn- und Betreibungsgebühren innerhalb von fünf Jahren versechsfacht, von 0,9 Millionen Franken im Jahr 2020 auf knapp 6 Millionen Franken im Jahr 2025. Hinter den Kulissen sei der Zeitung zufolge ein Streit über die Verwendung der Millionengewinne entbrannt. Mehrere Minderheitsaktionäre, darunter der langjährige Serafe-CEO Daniel Schweizer, hätten ihre Aktien verkauft.
Mini-AKW-Pläne im Aargau nehmen Fahrt auf
Das Paul-Scherrer-Institut (PSI) und das dänische Start-up Copenhagen Atomics wollen laut der «SonntagsZeitung» bis Ende 2026 ein Bewilligungsgesuch für eine nukleare Testeinrichtung im Kanton Aargau einreichen. Geplant sei der Test eines neuartigen Flüssigsalz-Reaktors der nächsten AKW-Generation. Der Reaktor solle in einem eigens dafür errichteten Gebäude mit stark reduzierter Leistung betrieben werden. Laut PSI-Forscher Andreas Pautz sei keine kommerzielle Nutzung vorgesehen. Die Anlage gehört zur Gruppe der sogenannten Small Modular Reactors (SMR), die derzeit als Hoffnungsträger der Atomindustrie gelten. Diese Mini-AKW sollen günstiger, schneller gebaut und sicherer sein als herkömmliche Kernkraftwerke. Kritiker bezweifelten jedoch, dass Mini-AKW tatsächlich günstiger Strom produzierten. Bis heute sind weltweit erst zwei SMR im kommerziellen Betrieb – einer in Sibirien und einer in China. (sda/con)
