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Interview

Dschihadisten-Reisende aus Winterthur: «Die Stadt sollte mehr Verantwortung übernehmen»

17.11.2015, 17:13
Der 36-jährige Blerim Bunjaku ist SP-Politiker (ehem. EVP), Schulpfleger und Unternehmer. Er wohnt zusammen mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Winterthur und setzt sich dafür ein, dass Radikalismus jeglicher Art eingedämmt wird. 

Allein dieses Jahr gibt es fünf bekannte Fälle von Syrien-Reisenden aus der zweitgrössten Zürcher Stadt. Einer von ihnen konnte am Flughafen Zürich aufgehalten werden, den anderen vier gelang die Ausreise. Nun will Syrien-Experte Kurt Pelda weitere Fälle von Radikalisierung entdeckt haben. Wir haben den Ortsansässigen Politiker Blerim Bunjaku, der gute Kontakte zur muslimischen Gemeinde in Winterthur pflegt, zur Situation in der Stadt befragt:

Herr Bunjaku, gibt es in Winterthur eine IS-Zelle?
Blerim Bunjaku: Es gibt in Winterthur junge Muslime, die radikalisiert werden. Ich habe auch von solchen gehört, die tatsächlich nach Syrien wollen. Ich denke man kann von einer IS-Zelle sprechen, ja.

Wo werden diese radikalisiert? 
Die Drahtzieher sind wahrscheinlich in Winterthur. Es handelt sich aber nicht um Gebetsleiter oder Prediger. Die muslimischen Gemeinschaften in Winterthur sind gegen Radikalismus und haben dies auch genügend oft betont. 

Wie kann man gegen solche Personen vorgehen?
Ich habe mit verschiedenen muslimischen und andersgläubigen Gemeinschaften die Arbeitsgruppe «Fair Winti» gegründet, um gegen die zunehmende Radikalisierung vorzugehen. Es geht darum, dass man solche Personen isoliert, ihnen keine Plattform gibt. Ich wünschte mir aber, dass dabei nicht ich, sondern die Stadt Winterthur die Verantwortung übernimmt.

Warum?
Ich exponiere mich mit dieser Arbeitsgruppe. Das ist gefährlich für mich, für meine Familie. Es sollte die Aufgabe der Stadt sein, sich für das friedliche Zusammenleben in Winterthur einzusetzen.

Haben Sie Drohungen erhalten?
Indirekt, ja.​

(lhr)

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