DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Mustafa Atici, Grossrat BS, setzt sich am Dienstag, 24. Juni 2008, an einer Medienkonferenz in Bern im Namen der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz fuer das Recht auf Fruehfoerderung aller Kinder ein, insbesondere derer mit Migrationshintergrund. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Mustafa Atici: Basler SP-Grossrat mit kurdischen Wurzeln. Bild: KEYSTONE

Interview

Schweizer Kurde: «Erdogan befindet sich im Krieg gegen den IS, Assad und die Kurden»

Mustafa Atici ist Schweizer Politiker mit kurdischen Wurzeln. Der Basler SP-Grossrat glaubt, dass der türkische Präsident Erdogan eine Art Ausnahmezustand erzeugen möchte, von dem er bei den nächsten Wahlen profitieren kann.

Daniel Fuchs / Aargauer Zeitung



Ein Artikel der

Erdogan lässt die Kurden ins Leere laufen. Ein harter Schlag für Sie? 
Mustafa Atici:
 Nicht nur für mich als Kurde, sondern für alle Türken. Seit mehr als 30 Jahren herrscht ein Krieg zwischen der kurdischen Guerilla und der türkischen Armee. Zahlreiche Dörfer wurden verbrannt, 40000 Menschen sind ums Leben gekommen. Andere haben Jahrzehnte im Gefängnis verbracht. Der Friedensprozess wäre für sämtliche Ethnien wichtig, die in der Türkei leben. 

Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz, von links, Nationalratsvizepraesidentin Pascale Bruderer, AG, Lurata Reci Vorstandsmitglied von Secondas Plus Schweiz, und Mustafa Atici, Grossrat BS, erscheinen am Dienstag, 24. Juni 2008, zu einer Medienkonferenz in Bern, an der sie sich im Namen der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz fuer das Recht auf Fruehfoerderung aller Kinder einsetzen, insbesondere derer mit Migrationshintergrund. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

SP-Grossrat Mustafa Atici an einer Medienkonferenz der Sozialdemokraten im Jahr 2008. Bild: KEYSTONE

«Die Kurden in der Schweiz sind äusserst politisch.»

Warum tut Erdogan das? 
Erdogan kämpft um seine Macht. Nun befindet er sich in einem Dreifrontenkrieg gegen IS, Assad und die Kurden. Damit hofft er, eine Art Ausnahmezustand zu erzeugen, von dem er bei den nächsten Wahlen profitieren kann. Der Kurdenpartei HDP will er die Stimmen abjagen, die er bei den Wahlen im Juni an sie verloren hat.

Turkish President Recep Tayyip Erdogan inspects an honor guard during a welcoming ceremony, before a meeting with Turkish Cypriot leader Mustafa Akinci in the Turkish-controlled northern part of ethnically divided Cyprus on Monday, July 20, 2015.  Erdogan is in Turkish occupied northern Cyprus for a two-day visit to mark the 41th anniversary of the Turkish invasion and occupation of the northern area of the island. Cyprus was split in 1974 when Turkey invaded after a coup by supporters of union with Greece.(AP Photo/Petros Karadjias)

Recep Tayip Erdogan: Will der Kurdenpartei HDP Stimmen abjagen. Bild: Petros Karadjias/AP/KEYSTONE

Werden sich die Kurden wehren, sogar mittels Gewalt?
Der Präsident der Kurdenpartei HDP mit ihren 13 Prozent Wähleranteil sagte, dass alles andere als Friede keine Option sei. Die Kurden selbst haben verstanden, dass sie bei einem Krieg immer die Verlierer sind. Sie werden alles dafür unternehmen, nicht in einer Extremismus-Ecke zu landen.

Wie äussern sich die Kurden in der Schweiz dazu? 
Die Kurden in der Schweiz sind äusserst politisch. Das weltweit beste Resultat bei den Auslandkurden hat die HDP in der Schweiz erzielt. Die jetzige Situation stellt die Kurden in der Schweiz aber vor keine neue Situation. Denn sie sind ja leider immer wieder dazu gezwungen, auf der Strasse für die Anliegen der Kurden zu demonstrieren.

In den 90er-Jahren kam es in der Schweiz zu Gewaltausbrüchen. Befürchten Sie eine erneute Welle der Gewalt? 
Nein. Damals begingen die Kurden Fehler, sie waren politisch unerfahren.

Une centaine de militants kurdes ont deborde jeudi 22 mai, 1997 les services de securite de l'ONU et ont envahi le Palais des Nations a Geneve. Ils ont crie des slogans contre l'offencive turque dans le nord de l'Irak et denonce des massacres de miliers de personnes au Kurdistan. (KEYSTONE/Patrick Aviolat)

Kurdische Demonstranten protestieren vor dem Genfer Palais de Nations gegen den türkischen Einmarsch im Nordirak (1997). Bild: AP

Was haben sie daraus gelernt? 
Dass es sinnlos ist, die innertürkischen Konflikte in der Schweiz auszutragen. Die Kurden in der Schweiz haben längst erkannt, dass sie nur über Lobbying, zum Beispiel bei der schweizerischen Aussenpolitik, Veränderungen herbeiführen können.

In diesem Frühling war immerhin die Rede von einer gewaltbereiten kurdischen Strassengang in der Schweiz namens Sondome. 
Ich kenne die nicht, vermute bei ihr aber keine politischen Inhalte. Vielmehr handelt es sich wohl um eine bandenmässige Organisation mit wirtschaftskriminellen Absichten.

Kurden-Demo in Zürich (01.11.2014)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

Polizeidirektor: «Repression alleine kann nicht die Antwort auf alle Probleme sein»

Fredy Fässler, der oberste Polizeidirektor der Schweiz, fordert gesamtpolitische Diskussionen über die Corona-Stimmung in der Bevölkerung. Es sollen nicht nur gesundheitspolitische Fragen berücksichtigt werden, findet Fässler.

Herr Regierungsrat Fässler, am vergangenen Freitag wurden wieder Ausschreitungen in den Schweizer Städten befürchtet. Geschehen ist aber fast nichts. Ging die Strategie der Polizei auf?Fredy Fässler: Ich habe diesem Wochenende mit einer gewissen Sorge entgegen geschaut und bin jetzt froh, dass die angekündigten Veranstaltungen nur in einem reduzierten Rahmen stattgefunden haben. Die Polizei war in mehreren Städten sehr präsent und musste mehrere Dutzend Wegweisungen und Verzeigungen …

Artikel lesen
Link zum Artikel