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Interview mit SVP-Imark zu Sommarugas Energieoffensive

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«Ein weiteres Luftschloss» – SVP-Imark kritisiert Sommarugas Energieoffensive

Weder eine Solaroffensive noch zusätzliche Wasserkraftwerke könnten die Versorgungssicherheit für Strom garantieren, sagt SVP-Nationalrat Christian Imark. Er zeigt eigene Wege auf.
04.02.2022, 08:3904.02.2022, 18:13
Othmar von Matt / ch media
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Nationalrat Christian Imark, SVP-SO, spricht waehrend einer Medienkonferenz zur Kampagne "Veraendere die Schweiz!", am Montag, 11. Juni 2018 im Medienzentrum Bundeshaus in Bern. Im Rahmen de ...
Christian Imark, Nationalrat, SVP Solothurn. Bild: KEYSTONE

Was halten Sie von Simonetta Sommarugas Plänen zur Stromversorgung?
Christian Imark: Nichts. Vorschläge wie die Solaroffensive sind wirkungslose Luftschlösser. Sie legen die politische Verblendung und Ohnmacht einer vermeintlichen Magistratsperson schonungslos offen.

«Dass ein reines Gaskraftwerk einen hohen CO2-Ausstoss hat, schleckt keine Geiss weg.»

Weshalb?
Keiner der Vorschläge adressiert das Problem der Versorgungssicherheit. Eine Studie der Empa von 2019 zeigt: Sobald die Kernkraftwerke vom Netz gehen, haben wir riesige Engpässe. Selbst wenn in der Schweiz auf der Hälfte aller Hausdächer ­Solaranlagen installiert sind, produzieren wir im Winter nicht einmal die Hälfte des benötigten Stroms. Wir brauchen sehr schnell mehr Winterkapazität.

Wie müsste man Ihrer Meinung nach vorgehen?
Es gibt kurz-, mittel- und langfristige Ansätze. Kurzfristig hilft nur ein Gaskraftwerk. In Birr steht bereits ein Werk als Testzentrum für Gasturbinen. Die Anlage hat immerhin eine Leistung von 740 Megawatt. Sie würde also so viel Strom produzieren wie die Kernkraftwerke Beznau 1 und 2 zusammen. Und sie wäre sofort einsetzbar. Es gibt allerdings noch Fragen zur Konzessionierung. Möglicherweise gibt es aber auch in Städten bestehende Gaskraftwerke, die man reaktivieren könnte.

«In 50 Jahren brauchen wir viel mehr Strom als heute.»

Gaskraftwerke sind nicht gerade klimafreundlich.
Dass ein reines Gaskraftwerk einen hohen CO2-Ausstoss hat, schleckt keine Geiss weg. Da sind wir in der Nähe von Steinkohle. Anders sieht es bei einem Gaskombi-Kraftwerk aus. Es ist effizienter, hat nur den halben Ausstoss, weil man auch die Abwärme nutzen kann. Oberste Priorität der Energiepolitik hat aber die Versorgungssicherheit.

Wo muss die Schweiz mittelfristig den Hebel ansetzen?
Wir müssen über eine Laufzeitverlängerung der Kernenergie nachdenken. Diese wird vermutlich nicht gratis zu haben sein. Gefährlich ist die Aussage, die Bundesrätin Sommaruga macht: Man lasse die Kernkraftwerke so lange laufen, wie sie sicher seien. Wer entscheidet denn, ob die Atomkraft abgestellt wird? Der Betreiber – und zwar aufgrund von Auflagen, die das Nuklearsicherheitsinspektorat Ensi macht. Wer investiert, wenn der Betreiber nicht mehr investieren kann oder will? Hier stellen sich Fragen. Zum Glück sind die bestehenden Werke zu einem grossen Teil abgeschrieben. Deshalb dürften sie selbst dann rentieren, wenn Millionen-Investitionen anfallen.

«Das Problem der Versorgungssicherheit kann leider nicht über die Wasserkraft gelöst werden.»

Langfristig will die SVP aber vor allem wieder AKWs?
In 50 Jahren brauchen wir viel mehr Strom als heute. Elektromobilität und Wärmepumpen-Heizungen nehmen zu, die Bevölkerung wächst. Gleichzeitig will die Schweiz dekarbonisieren. Öl und Gas machen heute aber 60 Prozent unserer Energieversorgung aus. Deshalb fehlen uns bis 2050 laut einer Studie der Empa 40 Terawattstunden Strom. Persönlich gehe ich sogar von 40 bis 60 Terawattstunden aus. Wir müssen in Zukunft fast doppelt so viel Strom haben, wie heute. Deshalb muss das Bauverbot für AKW fallen. Seit dem angekündigten Atomausstieg 2011 verloren wir zehn Jahre. Deshalb werden wir kurzfristig auf Gaskraft zurückgreifen müssen. Das ist die Folge der gescheiterten Energiestrategie.

Sommaruga macht aber auch vorwärts mit neuen Wasserkraftwerken.
Ein weiteres Luftschloss. Wir müssen diese Luftschlösser aufbrechen. Es ist schön und gut, dass man neue Täler und Stauseen für die Wasserkraft fand. Diese neuen Projekte bringen 2 bis 2.5 Terawattstunden Strom. Parallel verlieren wir aber 3.7 Terawattstunden, weil die bestehenden Werke neu konzessioniert werden müssen. Das Problem der Versorgungssicherheit kann leider nicht über die Wasserkraft gelöst werden.

Wo wollen Sie den Hebel nun konkret ansetzen?
Ich habe zwei umfassende Fragebögen vorbereitet für die Sitzung der Umweltkommission vom 14. und 15. Februar. Wir müssen die Grundlagen erarbeiten für die Versorgungssicherheit. Da stellen sich Fragen zu Gas- und Kernkraftwerken. Da Bundesrätin Sommaruga ihre Arbeit nicht macht, braucht die Schweiz einen Strom-General, der die Herausforderungen schonungslos und ohne Scheuklappen auf den Punkt bringt. Um vorwärtszukommen, ist die SVP bereit für eine bürgerliche Zusammenarbeit. Dazu laden wir die Parteien und Verbände zu einem runden Tisch ein.

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quelle: mhs
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232 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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RalpH_himself
04.02.2022 09:01registriert Dezember 2015
SCHREIBT BITTE BITTE BITTE OBEN HIN DASS ER DER CHEFLOBBYIST DER SCHWEIZER ÖLINDUSTRIE IST!!!
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Steibocktschingg
04.02.2022 08:51registriert Januar 2018
In Sachen Luftschlössern ist die SVP ja einsame Spitze...
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Frechsteiner
04.02.2022 09:01registriert März 2019
Verrückt, wie der Typ der von allen wissenschaftlichen Seiten her keine Beachtung geschenkt kriegt, immer wieder so eine Plattform mit seinem Geschwurbel kriegt.
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